Aktualisiert 06.07.2016 12:05

Natürliche AppetitzüglerHeisshunger-Attacken lassen sich vermeiden

Zu viel auf einmal essen, ist ungesund. Doch was, wenn man es trotzdem nicht lassen kann? Forscher kennen die Lösung.

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Fressattacken sind nicht nur lästig, sondern auch ungesund. Doch damit könnte nach Meinung britischer Forscher bald Schluss sein.

Fressattacken sind nicht nur lästig, sondern auch ungesund. Doch damit könnte nach Meinung britischer Forscher bald Schluss sein.

Koen van Weel
In einer Studie haben sie nachgewiesen, dass das sogenannte Propionat, ein Abbauprodukt, das bei der Verdauung von Ballaststoffen entsteht, als appetithemmendes Nahrungsergänzungsmittel wirkt. (Im Bild: Hirnareale, die bei Hungerattacken aktiv sind. Auf die hier blau und gelb markierten wirkt das Abbauprodukt dämpfend)

In einer Studie haben sie nachgewiesen, dass das sogenannte Propionat, ein Abbauprodukt, das bei der Verdauung von Ballaststoffen entsteht, als appetithemmendes Nahrungsergänzungsmittel wirkt. (Im Bild: Hirnareale, die bei Hungerattacken aktiv sind. Auf die hier blau und gelb markierten wirkt das Abbauprodukt dämpfend)

Tony Goldstone/ Imperial College London
Zwar liesse sich das gleiche Ergebnis auch mit einer ballaststoffreichen Ernährung erzielen, allerdings müsste man dafür täglich rund 60 Gramm essen, so die Forscher. Diesen Wert würde heute aber kaum jemand erreichen.

Zwar liesse sich das gleiche Ergebnis auch mit einer ballaststoffreichen Ernährung erzielen, allerdings müsste man dafür täglich rund 60 Gramm essen, so die Forscher. Diesen Wert würde heute aber kaum jemand erreichen.

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Fressflashs sind der Feind all jener, die versuchen, Gewicht zu verlieren. Bisher musste man sich mit Tricks behelfen, um drohende Heisshunger-Attacken abzuwenden. Diese erfordern aber wahlweise Standhaftigkeit oder das Überwinden des inneren Schweinehundes.

Aber damit könnte bald Schluss sein, wie Forscher des Imperial College in London im «American Journal of Clinical Nutrition» schreiben. Sie haben natürliche Appetitzügler identifiziert, die den figurfeindlichen Hunger deutlich dämpfen. Dabei handelt es sich um Abbauprodukte von Ballaststoffen.

Blick ins Gehirn

Für die Studie konzentrierte sich das Team um Claire Byrne auf Propionat, ein Abbauprodukte von Ballaststoffen. Dieses verabreichten sie den Teilnehmern in Form eines Milchshakes gemeinsam mit dem Transportmittel Inulin, einem Ballaststoff. Die eine Hälfte der insgesamt 20 Probanden konsumierte so zehn Gramm des Gemischs, die andere nahm ein gleich aussehendes Getränk zu sich, das nicht mit Propionat angereichert war.

Anschliessend überprüften die Forscher mithilfe von Magnetresonanztomografie, wie sich die Substanzen auf das Hungergefühl der Probanden auswirkte. Dies, indem sie ihnen während der Untersuchung Fotos von kalorienreichem Essen wie Pizza oder Schokolade vorlegten. Danach verglichen sie die aufgezeichneten Daten.

Doppelt bestätigt

Ergebnis: Hatten die Teilnehmer das Getränk mit Propionat zu sich genommen, reagierten sie auf die präsentierten Bilder weniger stark als unter reinem Inulin-Einfluss. Am deutlichsten war dieser Unterschied in Teilen des Belohnungszentrums des Gehirns zu sehen und damit in Bereichen, die in früheren Studien mit Heisshunger-Attacken in Verbindung gebracht wurden.

Bestätigt wurde die Erkenntnis durch das Verhalten der Probanden. Sie bewerteten stark kalorienhaltige Nahrungsmittel als weniger ansprechend, wenn sie zuvor Propionat zu sich genommen hatten. Zudem assen sie in der Folge weniger.

Nahrungsergänzungsmittel statt reine Ballaststoffe

Für die Forscher macht das Propionat zum perfekten Appetitzügler: «Mithilfe dieser Zutat können wir den Drang, kalorienreiche Nahrung zu verspeisen, unterdrücken und damit Gewichtszunahmen entgegenwirken», werden sie in einer Mitteilung der Hochschule zitiert.

Zwar liesse sich das gleiche Ergebnis auch mit einer ballaststoffreichen Ernährung erzielen, allerdings müsste man dafür täglich rund 60 Gramm essen, so die Forscher. Diesen Wert aber würde jedoch ein Grossteil der Bevölkerung nicht einmal ansatzweise erreichen.

Weniger Hunger dank Ballaststoffen. (Video: Youtube/Imperial College London)

Ballaststoffe

Ballaststoffe sind weitgehend unverdauliche Nahrungsbestandteile, die im Rahmen einer gesunden Ernährung nicht fehlen dürfen. Die vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommenden Stoffe wirken sich im Körper positiv auf die Verdauung aus, indem sie dafür sorgen, dass der Stuhl weich bleibt. Somit können sie beispielsweise Verstopfungen effektiv vorbeugen.

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