Engpässe befürchtet: Heizen, AKW, Tempolimit – so will die Politik Winter-Blackouts verhindern
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Engpässe befürchtetHeizen, AKW, Tempolimit – so will die Politik Winter-Blackouts verhindern

Die SP fürchtet Engpässe bei Strom und Gas im Winter. Die Parteien haben verschiedene Forderungen, um das zu verhindern. Ein Experte spricht von «Über-Aktivismus».

von
Daniel Graf
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Geht es nach der SP, soll es in Wohnungen im Winter nur noch 20 Grad warm sein. 

Geht es nach der SP, soll es in Wohnungen im Winter nur noch 20 Grad warm sein. 

20min/Simon Glauser
Die SP will das Heizen regulieren. 

Die SP will das Heizen regulieren. 

20min/Simon Glauser
Weil im Winter eine Versorgungskrise drohe, sollen Räume nur noch bis 20 Grad beheizt werden dürfen. 

Weil im Winter eine Versorgungskrise drohe, sollen Räume nur noch bis 20 Grad beheizt werden dürfen. 

Beat Mathys


Darum gehts

Bis zu 30 Prozent weniger Gas und Risiken bei der Stromversorgung: Die SP hat am Donnerstag ein düsteres Bild für den kommenden Winter gezeichnet. Der Ukraine-Krieg gefährdet laut der Partei die Energieversorgung der Schweiz. Um das zu verhindern, hat die Partei ein Positionspapier vorgestellt. Darin stellt die SP verschiedene Forderungen. So soll im Notfall etwa nur noch bis 20 Grad geheizt werden dürfen. Auch der Austausch veralteter Elektrogeräte, der Ersatz von Gas durch Heizöl wo möglich und ein Solidaritätsabkommen mit den Nachbarländern will die Partei.

SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer fordert vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung und dessen Chef, Bundesrat Guy Parmelin, konkrete Massnahmen vorzustellen, um den Verbrauch zu senken. Auch wer tatsächlich frieren muss im Notfall, soll der SVP-Bundesrat aufzeigen.

«Eine Heizpolizei wird es nie geben»

Wie die Energiepolitik angegangen werden soll, darin unterscheiden sich die Meinungen der grossen Parteien stark. Gänzlich anderer Meinung als die SP ist etwa SVP-Nationalrat Christian Imark: «Ein Verbot, über 20 Grad zu heizen, ist typisch für die SP. Ihre Energiepolitik ist gescheitert und jetzt wollen sie den Menschen vorschreiben, wie warm sie es in ihren Wohnungen haben dürfen. Eine Heizpolizei wird es ganz sicher nie geben, da wird sich die SVP wehren.» Stattdessen plädieren Imark und die SVP für einen Ausbau der Kernenergie und den Bau neuer Atomkraftwerke.

GLP-Präsident Jürg Grossen findet es zwar sinnvoll, Gebäude nicht über 20 Grad zu heizen – in einem Gesetz festschreiben könne man das aber nicht. «Wir müssen möglichst schnell vom Gas und vom Öl wegkommen. Dafür müssen wir so viele Wärmepumpen und Solaranlagen installieren, wie wir irgendwie können. Wenn wir dazu noch den Verbrauch senken können und bereit sind, ein, zwei Grad weniger zu heizen, hilft das sicher auch.»

«Wasserkraft ist das Ass im Ärmel»

Für Grünen-Nationalrat Bastien Girod ist die Wasserkraft das «Ass im Ärmel»: «Das Wichtigste wäre, dass wir dort eine strategische Reserve anlegen würden. Mindestens ein Viertel der Wassermengen soll zurückgehalten werden für eine Mangellage. Das wird derzeit nicht gemacht, hier schläft der Bundesrat.» Grünen-Präsident Balthasar Glättli hatte auch schon ein Tempolimit auf Schweizer Strassen gefordert, um Benzin zu sparen.

Für FDP-Nationalrat Matthias Jauslin sind die Speicherkapazitäten zentral: «Wir müssen die Stauseen ausbauen.» Er kann sich weiter vorstellen, dass grosse Energiebezüger, etwa aus der Industrie, im Notfall vom Netz genommen werden können. «Jene, die bereit sind dazu, müssten dafür aber entsprechend bezahlt werden», sagt Jauslin.
Ob Massnahmen wie kühle Wohnungen oder Tempolimits überhaupt nötig sein werden diesen Winter, wird sich zeigen. Norbert Rücker, Rohstoffexperte bei Julius Bär, hat dazu eine klare Meinung (siehe unten).

«Die Gaslager reichen selbst bei einem Lieferstopp bis im April» 

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