Aktualisiert 22.07.2009 09:08

Android

Held fürs Geld?

Das HTC Hero ist das dritte Google-Handy und erwartungsgemäss das beste. Allerdings hat der Hersteller ein wichtiges Problem nicht lösen können, wie der Test von 20 Minuten Online ergab.

von
Henning Steier

Auf das G1 wartete man hierzulande vergeblich, seit Anfang Juni ist mit dem HTC Magic aber auch in der Schweiz ein Google-Handy erhältlich. Im Test konnte das Gerät durchaus überzeugen, wenngleich das magische Smartphone vor allem als Surfmaschine gedacht war. Mit dem ab Ende Juli für rund 650 Franken in den Läden stehenden HTC Hero will der Hersteller «der individualisierbaren Mobilkommunikation einen Namen geben», heisst es leicht grossspurig in der Medienmitteilung. 20 Minuten Online hat überprüft, ob die geweckten Erwartungen erfüllt werden.

Wichtigste Designänderung im Vergleich zum Vorgänger ist die gebogene Spitze des Hero. Was auf den ersten Blick - wie beim G1 - gewöhnlich aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als praktisches Element. Denn so lässt sich das Gerät im Gegensatz zur kürzlich getesteten Konkurrenz, dem Samsung I8910 HD, problemlos mit einer Hand bedienen, die ohne langgliederige Pianistenfinger auskommen muss. Im Vergleich zum Magic wurden beim neuen Gerät die Tasten unter dem Bildschirm anders angeordnet, was Umsteiger zumindest ein paar Tage verwirren dürfte. Der Trackball hat einen Millimeter weniger Durchmesser, reagiert aber nun besser. Ausserdem kommt das Hero mit Multitouch zum Kunden. Dieses Feature kannte man bisher nur von Apples iPhone, dessen Besitzer beispielsweise mit mehreren Fingern in Bilder oder Webseiten zoomen können. Nach Aussagen eines HTC-Entwicklers bei einer Veranstaltung einer Zürich hat man einfach einen anderen Weg als den von Apple patentierten gefunden, Multitouch für HTC-Geräte nutzbar zu machen. Im Praxistest reagierte der 3,2-Zoll-Touchscreen des Hero präzise und schnell. Im Vergleich zum Magic ist seine Auflösung mit 320 x 480 Pixeln gleich geblieben. Allerdings lässt sich Google Maps nicht mit Multitouch, sondern nur mit den Standard-Zoom-Buttons nutzen. Der Suchmaschinenanbieter hat hier wohl sein Veto eingelegt.

Kamera enttäuscht

Dafür spendiert HTC dem Hero nun statt einer 3,2- eine 5-Megapixel-Kamera, welche zwar mit Autofokus kommt, nützliche Zusatzfunktionen, wie sie andere Handys dieser Preisklasse bieten, aber vermissen lässt. Dazu gehören beispielsweise ein Blitz oder Motivprogramme. Ausserdem hat uns gestört, dass es keinen eigenen Auslöseknopf gibt. Tipp: Es ist der Trackball. Auch simple Camcorderfunktionen bringt das Hero mit. Videos lassen sich mit einer Auflösung von 352 x 288 aufnehmen. Dafür geht die Klangqualität des integrierten Multimediaplayers in Ordnung, der aber einen Equalizer vermissen lässt. Als Entertainmentmaschine taugt das Handy also nur bedingt. Kann es seine Stärken woanders ausspielen - beispielsweise bei der oben von HTC angekündigten Individualisierung?

In der Tat hat das Unternehmen hier viele gute Ideen umgesetzt, die auch im Test durchweg störungsfrei genutzt werden konnten. Das Hero ist HTCs erstes Smartphone, welches mit der Benutzeroberfläche «Sense» ausgeliefert wird. Dank dieser kann des Besitzer sein Handy mit Hilfe so genannter «Szenen» an seine Bedürfnisse anpassen: Bis zu sieben mit jeweils sieben Bildschirmseiten kann man sich so einrichten, dass beispielsweise das Handy in der Szene «Wochenende» ganz andere Icons anzeigt als in jener namens «Büro». Wie gehabt, lassen sich einzelne Widgets mit drei Klicks hinzufügen oder löschen. Darüber hinaus bietet das Hero nun die Möglichkeit, Updates von Kontakten bei Facebook und Flickr direkt über das Profil zu verfolgen. Hier wäre es wünschenswert, dass bei neuen Geräten oder Versionen des Betriebssystems Android noch weitere Social Networks unterstützt werden. Unsere Lieblingsfunktion entdeckten wir aber schon in dieser Version: Gemachte Fotos lassen sich direkt an Facebook-Freunde verschicken.

Nützliche Tools vorinstalliert

Wie bereits von den ersten beiden Google-Handys bekannt, funktionierte die Installation von Apps aus dem Android Market tadellos. Voraussetzung ist nach wie vor natürlich ein Google-Account, den man sich aber schnell anlegen kann. Googles App Store ist mittlerweile tüchtig gewachsen und sollte die meisten Nutzerwünsche mit seinen Gratis-Tools erfüllen können. Ausserdem hat das Hero nun einen Voicerecorder, Twitter-Client und PDF Viewer an Bord. Darüber hinaus wird Flash unterstützt. Im Test funktionierte das aber nicht auf allen Webseiten. Pikanterweise wurden nur drei von fünf Videos auf 20min.ch abgespielt. Nicht nur wichtig für Businesskunden: Ab sofort kann man Microsofts Xchange Server nutzen und so Push-E-Mails bekommen. Die Einrichtung gelang im Test schnell und ohne Probleme.

WLAN, HSDPA, GPS, ein mit 528 Megahertz getakteter Prozessor, 288 Megabyte Arbeitsspeicher - die Ausstattung ist solide. Das Gerät wiegt etwa 140 Gramm und misst 112 x 54 x 14 Millimeter und wirkt insgesamt gut verarbeitet. Es ist in Silber, Braun und Weiss erhältlich. Die letztgenannte Farbvariante kommt mit einer Teflonbeschichtung zum Kunden und soll so Schutz vor Fingerschmutz bieten. Im Test erwies sich das aber als Marketing-Gag, denn das Gerät wies genauso schnell Spuren auf wie die Konkurrenz von Apple, Samsung oder Nokia. Schwacher Trost für HTC also: Bislang konnte kein Hersteller das Verschmutzungsproblem lösen. Anders sieht es hingegen bei den Akkulaufzeiten aus, wo Samsung mit dem I8910 HD oder Nokia mit dem N97 bereits gute Werte für Smartphones liefern. Das Hero enttäuscht hier allerdings, weil im Test nur knapp drei Stunden Gesprächszeit mit einer Akkuladung möglich waren. Das ist wohl der Preis dafür, dass HTC zwar mehr Rechenkraft unter die Haube des Hero gesteckt, aber keinen wesentlich besseren Akku verbaut hat.

Fazit

Allgemein wirkt das HTC Hero deutlich ausgereifter als sein Vorgänger. Das Smartphone läuft schneller, bietet eine bislang unerreichte Anbindung an soziale Netzwerke und hat nun auch endlich Multitouch an Bord. Dafür wird vor allem an Kamera und Akkulaufzeit nach wie vor gespart. Auch der zwar erweiterbare, aber ab Werk nur zwei Gigabyte umfassende Speicher ist unterdurchschnittlich. In Sachen Surfkomfort braucht sich das Google-Handy aber immerhin keineswegs hinter den Top-Geräten der Konkurrenz zu verstecken. Und die Individualisierungsmöglichkeiten? Eine zwar gut durchdachte Spielerei für Mobilfunkenthusiasten, die meisten Kunden werden allerdings wahrscheinlich ohne sie auskommen.

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