Trauer in Japan: «Held von Fukushima» ist tot
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Trauer in Japan«Held von Fukushima» ist tot

Der ehemalige Direktor des Atomkraftwerks von Fukushima ist an Speiseröhrenkrebs gestorben. Noch immer will die Betreiberfirma Tepco keinen Zusammenhang mit der Atomkatastrophe von März 2011 zugeben.

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Masao Yoshida ist tot. Der frühere Direktor des Atomkraftwerks in Fukushima ist an Speiseröhrenkrebs gestorben, melden japanische Medien. Beim 57-Jährigen war Ende November 2011, knapp acht Monate nach der Katastrophe, die Krankheit diagnostiziert worden. Schon damals wollte die Betreiberfirma nichts von einem direkten Zusammenhang mit der freigesetzten Radioaktivität wissen. Auch jetzt weist Tepco jegliche Schuld von sich.

Tatsache ist aber, dass Yoshida der zweite prominente Krebsfall nach dem Super-Gau ist. Einige Wochen bevor Yoshidas Diagnose an die Medien geriet, hatte auch der japanische Fernsehmoderator Norikazu Otsuka bekannt gegeben, an lymphatischer Leukämie erkrankt zu sein. Otsuka hatte im Rahmen der Atomkatastrophe vor Ort berichtet und für den Verzehr von Lebensmitteln aus den verstrahlten Regionen geworben: Der Journalist ass solche demonstrativ vor laufender Kamera.

Japaner gedenken Fukushima-Opfer

«Held von Fukushima» hatte Schlimmeres verhindert

Yoshidas Tod lässt erneut über einen Zusammenhang der erhöhten Strahlenbelastung, die beim Schmelzen der Brennstäbe freigesetzt werden, und Krebserkrankungen spekulieren. Der Ex-Direktor des Atomkraftwerks in Fukushima hatte nach dem Erbeben und dem Tsunami am 11. März 2011 sowie bei der anschliessenden Kernschmelze in mehreren Reaktoren die Aufräumarbeiten und Reparaturen koordiniert. Mit seinem beherzten Verhalten hatte er möglicherweise Schlimmeres verhindert. Dafür erhielt er in den Medien den Übernamen «Held von Fukushima».

Arbeitgeber Tepco meinte von Beginn weg, ein Zusammenhang zwischen der Krebserkrankung des Ex-Direktors und der hohen Strahlendosis sei «extrem unwahrscheinlich». Die Firma behauptete, es sei nicht klar, ob die direkte Aussetzung radioaktiver Strahlung überhaupt Speiseröhrenkrebs auslöst. Ausserdem würde die Entwicklung der Krankheit mindestens fünf bis zehn Jahre dauern, erklärte damals eine Tepco-Sprecherin unter Berufung auf die Aussage von Ärzten.

Radioaktive Belastung wieder gestiegen

Das Vertrauen der japanischen Öffentlichkeit in den Atomstrombetreiber Tepco hat gerade einen weiteren Tiefpunkt erreicht. Wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, sei die radioaktive Belastung im zerstörten Atomkraftwerk innerhalb weniger Tage massiv angestiegen. Tepco habe zugegeben, dass die zulässigen Grenzwerte im Grundwasser um ein Vielfaches überschritten worden seien und das Wasser in den Pazifik abzufliessen drohe.

So sei am Montag ein 90-mal höherer Wert an Caesium-134 gemessen worden als am Freitag. Die Messgeräte hätten 9000 Becquerel pro Liter angezeigt. Damit sei der Grenzwert um das 150-Fache überschritten worden. Die Belastung des Wassers mit Caesium-137, das eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat, sei am Montag 85-mal so hoch gewesen wie am Freitag. «Wir wissen nicht, was den Anstieg verursacht hat», sagte eine Tepco-Sprecherin. Die Untersuchungen dauerten an.

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