Nesslau-Krummenau SG: «Helfen ist sinnlos, wenn man sich dabei verletzt»
Aktualisiert

Nesslau-Krummenau SG«Helfen ist sinnlos, wenn man sich dabei verletzt»

Vermutlich beim Versuch, einem Verunfallten zu helfen, wurde eine 83-Jährige am Sonntag von einem Auto erfasst. Sie starb noch an der Unfallstelle. Die Polizei gibt Tipps für Ersthelfer.

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taw
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Am Sonntagabend (21.10.2018) kam es auf der Toggenburgerstrasse in Nesslau-Krummenau SG zu einer Kollision zwischen einer Fussgängerin und einem Auto. Die 83-jährige Frau erlag auf der Unfallstelle ihren Verletzungen.

Am Sonntagabend (21.10.2018) kam es auf der Toggenburgerstrasse in Nesslau-Krummenau SG zu einer Kollision zwischen einer Fussgängerin und einem Auto. Die 83-jährige Frau erlag auf der Unfallstelle ihren Verletzungen.

Kapo SG
Im Dezember 2017 prallte ein Autofahrer in Oberriet SG in einen stehenden Rettungswagen.

Im Dezember 2017 prallte ein Autofahrer in Oberriet SG in einen stehenden Rettungswagen.

Kapo SG
Im August 2018 wurde in Rehetobel AR ein Rettungssanitäter bei der Versorgung eines verunfallten Velofahrers verletzt.

Im August 2018 wurde in Rehetobel AR ein Rettungssanitäter bei der Versorgung eines verunfallten Velofahrers verletzt.

Google Street View

Auf der Toggenburgerstrasse in Nesslau-Krummenau SG kam es am Sonntagabend gegen 19.40 Uhr zu einem tragischen Unfall. Als ein Velofahrer (58) an der Strasse stürzte, kamen ihm zwei Anwohner, die auf der gegenüberliegenden Strassenseite waren, zur Hilfe.

Kurz darauf wollte auch eine 83-jährige Anwohnerin die Toggenburgerstrasse überqueren. «Wir gehen davon aus, dass auch sie helfen wollte», so Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kapo St. Gallen, auf Anfrage. Dabei wurde sie von einem Auto erfasst. Trotz Aufgebot von Rettung und Notarzt sowie der Rettungsflugwacht erlag die 83-Jährige ihren schweren Verletzungen noch auf der Unfallstelle.

«Wir haben erst realisiert, dass hier etwas Schlimmes passiert ist, als bereits die Rega da war», berichtet eine Nachbarin. Dann habe sie auch die Polizei und die abgesperrte Unfallstelle gesehen. Das Opfer habe sie flüchtig gekannt, man habe sich stets gegrüsst. «Es ist sehr tragisch, vor allem, weil die Frau doch eigentlich helfen wollte», so die Nachbarin. Für sie sei dennoch klar, dass auch sie in solch einem Fall helfen würde.

Sich selbst sichtbar machen

Immer wieder kommt es zu Fällen, bei denen Ersthelfer, Sanitäter oder gar die Polizei nach Unfällen verletzt werden (siehe Bildstrecke). Dabei kann das richtige Verhalten nach einem Unfall unter Umständen lebensrettend sein. «Grundsätzlich lernt jeder Autofahrer im Nothelferkurs, wie man sich nach einem Unfall verhalten soll», sagt Kapo-Sprecher Rezzoli. Wichtig sei vor allem, sich nicht selbst in Gefahr zu begeben. «Helfen ist sinnlos, wenn man sich dabei verletzt oder in Gefahr bringt.»

Eine Leuchtweste sei zwar nicht obligatorisch, aber empfehlenswert. Jeder Autofahrer wisse selbst, wie schwierig es gerade in der Nacht ist, Fussgänger oder Velofahrer ohne Licht zu erkennen – vor allem, wenn sie dunkle Kleider tragen. Wenn man sich dies vor Augen halte, sei der Griff zur Warnweste wie automatisch. Wichtig sei auch das Absichern der Unfallstelle und das Sichtbarmachen für andere Autofahrer. Dann gelte es, den Notruf abzusetzen und wenn nötig Erste Hilfe zu leisten.

Wer keine Nothilfe leistet, muss unter Umständen rechtliche Konsequenzen fürchten. Wer einem Menschen, der in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt, nicht hilft, obwohl es ihm den Umständen nach zugemutet werden könnte, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden.

Zustand einer verletzten Person einschätzen

Die früher berühmte Anwendungshilfe GABI (G = Gibt er Antwort? A = Atmet er? B = Blutet er? I = Ist der Puls spürbar und normal?) wurde durch das international anerkannte ABCD-Schema ersetzt:

A steht für Airway - also: Atemwege freimachen. Die Eigenatmung des Patienten 5 bis 10 Sekunden prüfen. Die Atmung ist sichtbar, hörbar und spürbar.

B steht für Breathing - also: Falls nötig, zwei Mund-zu-Nase-Beatmungsstössen.

C steht für Circulation - also: Puls überprüfen. Falls nötig, 30 Thoraxkompressionen.

D steht für Defibrillation - also: Wenn ein Automatischer Externer Defibrillator, kurz AED, vorhanden ist, kann ein ausgebildeter Helfer beim Kammerflimmern das Herz durch einen elektrischen Impuls wieder in einen normalen Rhythmus bringen.

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