03.04.2020 06:30

Asylzentren

Helfer kritisiert, weil sie Desinfektionsgel abgaben

Weil sie unter Asylsuchenden in Zürich Desinfektionsmittel verteilt haben, erhalten freiwillige Helfer von der Asylzentrumsbetreiberin ORS einen Rüffel.

von
Anja Zingg
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Kein Desinfektionsmittel, leere Seifenspender – und das in Zeiten von Corona. Wiederholt hätten sich Bewohner von Asylunterkünften hilfesuchend an verschiedene Organisationen gewendet, sagt Lea Hungerbühler von Asylex.

Kein Desinfektionsmittel, leere Seifenspender – und das in Zeiten von Corona. Wiederholt hätten sich Bewohner von Asylunterkünften hilfesuchend an verschiedene Organisationen gewendet, sagt Lea Hungerbühler von Asylex.

Keystone/Christian Beutler
Freiwillige verteilten darauf Desinfektionsmittel und Seife vor Zürcher Asylzentren.

Freiwillige verteilten darauf Desinfektionsmittel und Seife vor Zürcher Asylzentren.

Julian Stratenschulte
Die Asylzentrumsbetreiberin ORS kritisiert das Vorgehen. Die Lage sei sehr angespannt und solche Aktionen trügen zur Verunsicherung der Bewohner bei.

Die Asylzentrumsbetreiberin ORS kritisiert das Vorgehen. Die Lage sei sehr angespannt und solche Aktionen trügen zur Verunsicherung der Bewohner bei.

Keystone/Peter Schneider

Kein Desinfektionsmittel, leere Seifenspender – und das in Zeiten von Corona. Wiederholt hätten sich Bewohner von Asylunterkünften deshalb hilfesuchend an verschiedene Organisationen gewendet, sagt Lea Hungerbühler von Asylex, einer Organisation, die gratis Rechtsberatungen zum Schweizer Asylrecht anbietet.

ORS, die Firma, die für die Betreuung in den Asylzentren zuständig ist, widerspricht den Anschuldigungen. Gleichzeitig kritisiert sie das Vorgehen von Lea Hungerbühler und anderen Freiwilligen, die bei verschiedenen Zentren Desinfektionsmittel, Seife und Informationsmaterial verteilt haben. «Solche Aktionen sind nicht mit uns abgesprochen und tragen leider auch zur Verunsicherung bei den Bewohnern bei», sagt der ORS-Kommunikationsverantwortliche Lutz Hahn. «Dies endet zum Teil damit, dass sich Bewohner gegen das Personal wenden.» Die angespannte Stimmung unter den Bewohnern hat diese Woche bereits zu einem Polizeieinsatz im Rückkehrzentrum Rohr in Rümlang geführt. Dabei wurde ein Bewohner verhaftet, weil er sich nicht an die geltenden Abstandsregeln hielt.

Personal arbeitet unter schwierigen Umständen

Lea Hungerbühler findet nicht, dass die Freiwilligenaktion zu mehr Spannung führt: «Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie unsere Hilfeleistungen die Arbeit von ORS erschwert haben könnten.» Dass die Arbeit des Personals nicht einfach ist und durch die Corona-Krise noch weiter erschwert wird, bestreitet sie nicht: «Der Informationsfluss ist aufgrund der Sprachen sehr schwierig.»

Lutz Hahn kritisiert die Verteilaktion nicht per se, er fordert für die Zukunft aber eine Absprache. «Das Personal leistet gerade in dieser schwierigen Zeit eine super Arbeit. Ein besseres Miteinander würde dem Ziel aller helfen, nämlich Bewohner in den Asylzentren vor dem Coronavirus zu schützen.»

Immer wieder werden Stimmen laut, die auf die Situation in den Asylzentren aufmerksam machen. Der vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) vorgeschriebene 2-Meter-Abstand kann in den Asylunterkünften oft nicht eingehalten werden. Für die Bewohner sei die Situation enorm schwierig, so Hungerbühler. «Viele Organisationen haben sich schon früh proaktiv eingesetzt und auf verschiedene Wege auf Probleme aufmerksam gemacht – passiert ist nichts.» Es handle sich hierbei aber nicht primär um Kritik gegenüber der Betreiberin ORS. «Wir fordern das Sozialamt und die Sicherheitsdirektion auf, zu handeln, sodass die Vorgaben des BAG umgesetzt werden können.»

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