07.09.2020 17:11

In Tür eingeklemmtHelfer rennt Tram nach, um Blindenstock zurückzubringen

Der Blindenstock eines 30-jährigen Zürchers ist am Freitag in der Tramtür eingeklemmt worden. Ein hilfsbereiter Passant brachte ihn zurück.

von
Lynn Sachs
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Der Blindenstock von Drilon Kastrati (30) hat sich am Freitag in einer Tramtür eingeklemmt.

Der Blindenstock von Drilon Kastrati (30) hat sich am Freitag in einer Tramtür eingeklemmt.

Ein Passant brachte ihm den Stock zurück.

Ein Passant brachte ihm den Stock zurück.

KEYSTONE
Er hatte dafür das Tram von der Bahnhofstrasse bis zum Central verfolgt.

Er hatte dafür das Tram von der Bahnhofstrasse bis zum Central verfolgt.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Drilon Kastrati hat eine hochgradige Sehbeeinträchtigung und ist auf seinen Blindenstock angewiesen.
  • Am Freitag blieb dieser in der Tramtür stecken. Das Tram fuhr los.
  • Ein Passant rannte dem Tram hinterher und brachte ihm den Stock zurück.

Das, was Drilon Kastrati am Freitagabend an der Zürcher Bahnhofstrasse erlebt hat, ist für eine Person mit Sehschwäche Albtraum und Glück zugleich. «Nach einem Restaurantbesuch machte ich mich zusammen mit einer Freundin auf den Heimweg», erzählt der 30-Jährige. Wegen seiner hochgradigen Sehbeeinträchtigung begleitete ihn die Freundin bis zur Haltestelle an der Bahnhofstrasse.

Als das Tram eintraf, habe er gewartet, bis alle Leute ausgestiegen waren. «Ich wollte anschliessend einsteigen, doch die Türen schlossen sich und mein Blindenstock blieb stecken», so Kastrati. Auch mehrmaliges Poltern an die Scheibe des Fahrzeugs habe nichts genützt. «Das Tram fuhr mit dem eingeklemmten Stock los. Ich musste daher meinen Stock loslassen.»

Klemmschutz erkennt Blindenstock nicht

Einem aufmerksamen Passanten, der in der Nähe war, entging das nicht, wie der 30-Jährige sagt. «Er rannte hinter dem Tram her bis zum Central. Dort konnte er den Stock nehmen und mir zurückbringen.» So konnte Kastrati den Heimweg allein antreten. «Ich war sehr froh darüber.» Es sei nicht selbstverständlich, dass sich jemand so beherzigt einsetzt. «Ich möchte mich ganz herzlich bei ihm für seine Hilfe bedanken», so Kastrati.

Die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) haben keine Kenntnis des «bedauerlichen» Vorfalls. «Wir sind froh, dass ein Passant die Situation beobachtet hat und helfen konnte», sagt Sprecher Tobias Wälti auf Anfrage. Sehr dünne Gegenstände wie etwa einen Blindenstock erkenne der Sicherheitsklemmschutz der Türen nicht. Er sei darauf ausgelegt, grössere «Hindernisse» zu erkennen, damit keine Personen eingeklemmt werden. «Wenn trotzdem etwas in der Tür stecken bleibt, soll man auf keinen Fall den Arm oder das Bein ebenfalls in die sich schliessende Tür stecken.» Besser informiere man wenn möglich das Fahrpersonal, das bei Bedarf Hilfe leisten könne.

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