Studie aus Deutschland – Helikopter-Eltern machen Kinder der «Generation Alpha» unglücklich
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Studie aus DeutschlandHelikopter-Eltern machen Kinder der «Generation Alpha» unglücklich

Gemäss einer Studie zur «Generation Alpha» sind deutsche Kinder so unglücklich wie noch nie. Schuld daran sollen vor allem Eltern sein, die ihre Kinder zu fest behüten.

von
Benedikt Hollenstein
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Die Studie aus Deutschland zeichnet für die Psyche von Kindern zwischen null und zehn Jahren ein erschreckendes Bild.

Die Studie aus Deutschland zeichnet für die Psyche von Kindern zwischen null und zehn Jahren ein erschreckendes Bild.

imago images/photothek
Vor allem bei der Motorik, der Sprache und im sozialen Bereich zeigen laut Lehrpersonen viele Kinder Auffälligkeiten.

Vor allem bei der Motorik, der Sprache und im sozialen Bereich zeigen laut Lehrpersonen viele Kinder Auffälligkeiten.

Tamedia/Sabina Bobst
Die Verantwortlichen der Studie sehen als Verursacher der Auffälligkeiten vor allem Eltern, die ihre Kinder zu sehr behüten oder ihnen zu viel Programm aufbürden.

Die Verantwortlichen der Studie sehen als Verursacher der Auffälligkeiten vor allem Eltern, die ihre Kinder zu sehr behüten oder ihnen zu viel Programm aufbürden.

Tamedia/Daniel Zannantonio

Darum gehts

  • Das Institut für Generationenforschung untersuchte im Rahmen einer Studie die «Generation Alpha» – Kinder, die seit 2010 geboren wurden.

  • Dabei wurden bei vielen Kindern Auffälligkeiten im sprachlichen, motorischen und sozialen Bereich festgestellt.

  • Als Ursache dieser Auffälligkeiten sehen die Verantwortlichen vor allem übervorsichtige Eltern.

  • Expertinnen und Experten warnen aber vor einer Verallgemeinerung der Resultate.

«40 Prozent der Kinder, die seit 2010 geboren wurden, zeigen Auffälligkeiten im sprachlichen Bereich, 19 Prozent im motorischen Bereich, 30 Prozent im sozialen Bereich.» Es sind erschreckende Zahlen, die der Studienleiter und Generationenforscher Rüdiger Maas anführt. Die Werte entstammen einer Studie über die «Generation Alpha», die im letzten Jahr vom deutschen Institut für Generationenforschung durchgeführt wurde. Sie hatte zum Ziel, Pädagoginnen und Pädagogen über ihre Einschätzung und Wahrnehmung von zu betreuenden Kindern im Alter von null bis zehn Jahren zu befragen. Insgesamt wurden so über 22’000 Kinder beurteilt.

«Noch nie so viele unglückliche Kinder»

Konkret wurden bei der Studie die Sprache, das Sozialverhalten, die Motorik sowie der Medienkonsum beurteilt. Dafür füllten 1231 Lehrkräfte einen anonymen Fragebogen aus, zudem wurden über 600 Eltern zu ihrem Erziehungsverhalten befragt. Dabei wurden verschiedenste Auffälligkeiten beobachtet. Hier eine kleine Auswahl:

  • Nur sieben Prozent der Kindergärtlerinnen und Kindergärtler sprechen so deutlich, dass es die Betreuerinnen nicht als Auffälligkeit definieren. Die Beherrschung der Grammatik sei bei 78 Prozent auffällig.

  • Im Kindergarten werden bei 87 Prozent der Kinder motorische Auffälligkeiten beobachtet.

  • Beim Schliessen von Freundschaften zeigen 67 Prozent der Kinder Auffälligkeiten, beim Lösen von Konflikten 73 Prozent.

  • 56 Prozent der Vier- bis Fünfjährigen zeigen kein altersentsprechendes vertieftes Spielen.

Für Studienleiter Rüdiger Maas ist klar: «In Deutschland gab es noch nie so viele unglückliche Kinder». Gründe für die schockierenden Resultate sieht Maas vor allem bei den Eltern. Als einen der ausschlaggebenden Punkte führt die Studie die Überbehütung an, unter der viele Kinder leiden würden. Diese Überbehütung durch «Helikopter-Eltern», die mit steigendem Alter paradoxerweise meist noch zunimmt, könne für Kinder die gleichen Folgen haben wie Vernachlässigung.

Eltern sind verunsichert

Auch die Kinder von sogenannten «Aktionseltern» würden unter dem Erziehungsstil ihrer Eltern leiden. Oftmals sei das Kind überflutet mit Sporttrainings, Musikproben und anderen Events und habe so gar keine Zeit mehr, um Erlebtes zu verarbeiten. Generell sei noch keine Elterngeneration derart verunsichert gewesen, wie Maas gegenüber SRF sagt. «Sie konsultieren erstmal das Internet oder bitten Lehrkräfte um Rat, wie sie ihre Kinder zuhause erziehen sollten.»

Aussenstehende Expertinnen und Experten relativieren die Ergebnisse der Studie. Nach der Einschätzung von Lennart Schalk, Leiter des Instituts für Unterrichtsforschung, sei die Studie zwar mit grossem Aufwand verbunden, es werde aber viel durcheinandergewürfelt. So dürfte zum Beispiel das Medienverhalten eines Zweijährigen anders aussehen als das eines Zehnjährigen, in der Studie würden diese aber in einer generellen Aussage zusammengefasst. Auch dass der Fragebogen, der von den Lehrpersonen ausgefüllt wurde, nicht einsehbar ist, sei problematisch. So lasse sich nicht feststellen, wie suggestiv die gestellten Fragen waren.

Auch Susanne Walitza, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Zürich, stört sich an der Schwarzmalerei bei der «Generation Alpha»-Studie. Trotzdem sieht sie Handlungsbedarf, vor allem im Bereich der Sprachförderung. Dort seien gezielte Förderprogramme nötig, auch aufgrund des Home-Schooling während der Corona-Pandemie. Allerdings benötige das gesamte Erziehungssystem Unterstützung.

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