Schweizergardisten: «Hellebarde? Wenn schon, dann Nahkampf»
Aktualisiert

Schweizergardisten«Hellebarde? Wenn schon, dann Nahkampf»

Heute bewacht die Schweizergarde zum letzten Mal Papst Benedikt XVI. Ein Korporal über persönliche Erlebnisse, bescheidenen Lohn und den Einsatz von Pfefferspray.

von
Antonio Fumagalli

Herr Breitenmoser*, Sie waren dem Papst in den vergangenen Jahren so nah wie kaum jemand. Sind sie traurig darüber, dass heute eine Ära zu Ende geht?

Urs Breitenmoser: Natürlich schauen wir wehmütig auf die schöne Zeit mit dem Heiligen Vater zurück. Über all die Jahre haben wir eine enge Beziehung zu ihm aufgebaut und ihn als einfachen, demütigen und sensiblen Mensch kennengelernt. Er hat sich für jeden Einzelnen von uns interessiert.

Wie sieht der letzte Dienst mit Benedikt aus?

Der Papst wird am späteren Nachmittag mit dem Helikopter in seine Sommerresidenz, das Castel Gandolfo, geflogen. Wir warten dort auf ihn und verabschieden uns. Um 20 Uhr schliessen wir zum letzten Mal das Tor der Residenz und beenden somit offiziell unseren Dienst.

Und dann stehen erstmal Ferien an bis zur Vereidigung des nächsten Papstes?

Ganz und gar nicht – auf uns wartet eine sehr intensive Zeit. Weil wir auch für den Schutz der Kardinäle zuständig sind, die nun in Rom eintreffen, entsteht für uns zusätzlicher Aufwand. Wir brauchen alle Leute.

Wie beschützt man eigentlich kirchliche Würdenträger? Greifen Sie auch mal zur Hellebarde?

(Lacht) Die Hellebarde ist nur eine repräsentative Waffe, wir führen sie nur während den Ehrendiensten mit. Zum Einsatz kommt sie aber nie. Obwohl wir an der Schusswaffe ausgebildet sind und einen Pfefferspray mittragen, brauchen wir bei einem allfälligen Einsatz vor allem unsere Hände und speziell erlernte Nahkampftechniken.

Wie häufig kommt dies vor?

Sehr selten. Beim Pontifikat von Papst Benedikt gab es nur ein paar wenige Momente, in denen sich eine Person ihm unerlaubterweise nähern wollte und wir eingreifen mussten.

Schweizergardisten müssen oft stundenlang stramm stehen, dürfen zumindest während den ersten zwei Dienstjahren nicht heiraten und haben ein strenges Ausgangsregime. Und das alles für bescheidene 1200 Euro im Monat. Finden Sie da überhaupt noch genügend motivierte Junge für den Dienst?

Die Interessenten bringen neben den Anforderungen, die sie erfüllen müssen, eine klare christliche Überzeugung mit. Für diese Lebenserfahrung nehmen sie gewisse Einschränkungen in Kauf. Wir schätzen uns glücklich, dass sich immer noch rund 150 junge Männer jährlich für die 30 bis 35 zu besetzenden Stellen melden. Dafür haben wir in der Schweiz extra regionale Anlaufstellen geschaffen, die auf potentielle Kandidaten zugehen.

Was muss man unternehmen, um dem Papst persönlich die Hand schütteln zu können?

Das ist schwierig, der Papst hat von Morgen bis Abend ein grosses Arbeitspensum. Man kann ihm einen Brief schreiben und kriegt mit viel Glück vielleicht eine Privataudienz. Er nimmt sich aber jeden Mittwoch bei der Generalaudienz Zeit für die Gläubigen. Da können Sie lange suchen, bis Sie ein Staatsoberhaupt finden, das so regelmässig in Kontakt mit dem Volk ist!

Was erhoffen Sie sich vom neuen Papst?

Unsere Loyalität richtet sich nicht an eine bestimmte Person, sondern an die Mission des Heiligen Vaters. Wer es auch immer sein wird, wir werden ihm – wie in den vergangenen über 500 Jahren – weiterhin tapfer und treu dienen.

*Korporal Urs Breitenmoser (34) ist seit 15 Jahren Mitglied der päpstlichen Schweizergarde. Zu vatikankritischen Punkten wollte er nicht Stellung nehmen.

Die päpstliche Schweizergarde

Seit 1506 bewachen Schweizer Staatsbürger die Vatikanstadt und sorgen für die Sicherheit des Papstes. Die Katholiken müssen beim Eintritt ins Korps zwischen 19 und 30 Jahre alt und mindestens 1.74 Meter gross sein. Sie leben im Vatikan und verpflichten sich zu mindestens zwei Diensstjahren. Rund 80 Prozent beenden den Dienst danach. Insgesamt hat die Schweizergarde einen Bestand von 110 Mann. (fum)

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