Drogen und Erpressung: Hells Angels müssen jetzt vor Gericht
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Drogen und ErpressungHells Angels müssen jetzt vor Gericht

Ab Montag stehen drei Zürcher Hells Angels und ihr Ex-Präsident vor Bundesstrafgericht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen Drogendelikte, versuchte Erpressung und versuchte Freiheitsberaubung sowie die Vorbereitung eines Raubes vor.

Bereits im Mai war ein Mitglied der Hells Angels in einem ersten Verfahren zu 13 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt worden.

Bereits im Mai war ein Mitglied der Hells Angels in einem ersten Verfahren zu 13 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt worden.

Hauptangeschuldigter ist der frühere Präsident des Hells Angels MC Zürich, der mittlerweile nicht mehr dem Motorradklub angehört. Er soll bei allen Delikten mit von der Partie gewesen sein. Die anderen Beschuldigten haben laut Anklageschrift jeweils nur bei einzelnen der vorgeworfenen Taten mitgewirkt.

Der Prozess ist auf zwei Tage angesetzt und wird von den Richtern in Bellinzona in Dreierbesetzung verhandelt. Der Mittwoch dient als Reservetag. Die Urteilsverkündung ist für den 10. November geplant.

Drei der Männer lastet die Bundesanwaltschaft (BA) an, 2003 als Bande mehrere hundert Kilo Hanf aus dem Raum Aarberg BE geerntet, gelagert, verarbeitet und teilweise verkauft zu haben. Ein Grossteil konnte allerdings nicht abgesetzt werden, da die Hanfstauden wegen falscher Lagerung verdorben waren.

Zwei Beschuldigten wirft die BA vor, die Entführung eines Mannes in die Wege geleitet zu haben, der Informationen über den Diebstahl von einem oder zwei Motorrädern eines anderen Zürcher Hells Angel gehabt haben soll. Die Kontaktaufnahme sei dann allerdings gescheitert und die Akteure seien unverrichteter Dinge abgezogen.

Polizei im Nacken gefühlt

Ein weiterer Vorwurf der BA betrifft Vorbereitungshandlungen für einen Raub, den sie gegen drei der Männer erhebt. Ihr Plan sei gewesen, im Dezember 2003 als Polizisten verkleidet einen Geldtransporter der Protectas zu überfallen und auszurauben.

Das Vorhaben sei aufgegeben worden, nachdem sich ein beteiligter Hells Angel aus Frankreich beim Auskundschaften von der Polizei beschattet gefühlt habe. Einzig an den Ex-Präsidenten richtet sich schliesslich der Vorwurf der versuchten Erpressung.

Er soll zusammen mit einer weiteren Person einem Zürcher Bordellbesitzer vorgegaukelt haben, dass dieser im Visier ominöser gefährlicher Unbekannter stehe. Sie hätten sodann in Aussicht gestellt, das «Problem» gegen Zahlung von 500 000 Franken zu lösen.

Mit 6000 Franken zufrieden gegeben

Um der Ernsthaftigkeit der drohenden Gefahr Nachdruck zu verleihen, sollen dem Bordellbesitzer bei einem Treffen Aufnahmen echter Exekutionen gezeigt worden sein. Der Betroffene habe schliesslich aber nur 6000 Franken «Aufwandentschädigung» an den früheren Präsidenten bezahlt, womit sich dieser zufrieden gegeben habe.

Das Verfahren gegen den Hells Angels MC Zürich hatte sich letztlich als Schlag ins Wasser erwiesen. Ende 2010 hatte die BA eingestehen müssen, dass der ursprüngliche Ermittlungsansatz, wonach es sich bei den Hells Angels Zürich um eine kriminelle Organisation handle, nicht habe erhärtet werden können.

Erstes Urteil im Mai

Sie erhob in der Folge nur Anklage gegen fünf einzelne Exponenten des Klubs. Einen von ihnen hatte das Bundesstrafgericht bereits im vergangenen Mai wegen wegen Drogendelikten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten verurteilt. Die restlichen vier müssen sich nun verantworten.

Die BA hatte das Ermittlungsverfahren gegen die Hells Angels 2003 auf Antrag der Bundeskriminalpolizei eingeleitet. 2004 wurden in einer grossangelegten Polizeiaktion Hausdurchsuchungen durchgeführt und mehrere Verhaftungen vorgenommen.

(sda)

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