Aktualisiert 23.10.2016 18:01

Tödliche Unfälle Helmpflicht für E-Bike-Fahrer gefordert

E-Bike-Fahrer verunfallen häufiger als Motorradfahrer. Nun fordern Politiker ein Helmobligatorium und mehr Prävention.

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tab/kün
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Bei E-Bike-Fahrern kommt es öfter zu folgenschweren Unfällen als bei Töfffahrer.

Bei E-Bike-Fahrern kommt es öfter zu folgenschweren Unfällen als bei Töfffahrer.

Keystone/Jean-christophe Bott
Mit ein Grund: E-Bike-Fahrer sind in der Tendenz älter als Töfffahrer und verletzten sich deswegen bei einem Unfall auch schwerer.

Mit ein Grund: E-Bike-Fahrer sind in der Tendenz älter als Töfffahrer und verletzten sich deswegen bei einem Unfall auch schwerer.

Kapo BL
Ausserdem muss man bei den Elektrovelos erst ab einer Tretunterstützung bis 45 Kilometer pro Stunde einen Helm tragen.

Ausserdem muss man bei den Elektrovelos erst ab einer Tretunterstützung bis 45 Kilometer pro Stunde einen Helm tragen.

Keystone/Martial Trezzini

Eine noch unveröffentlichte Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) zeigt, dass – obwohl Töfflifahrer meist schneller unterwegs sind – E-Bike-Fahrer öfter tödlich verunfallen.

Die Daten basieren auf der Letalität, dem Kennwert für die Gefährlichkeit von Unfällen. Dabei berechnet man die Zahl der Getöteten pro 10'000 Unfälle mit Verletzungs- oder Todesfolgen. Zwischen 2011 und 2015 starben demnach im Schnitt 178 E-Bike-Fahrern – bei den Motorradfahrern wurden 157 Tote registriert, schreibt die «Sonntag-Zeitung». 2015 starben auf Schweizer Strassen 14 E-Bike-Fahrer. Es komme mit langsamen E-Velos zudem zu mehr Selbst- oder Schleuderunfällen, so Andrea Uhr vom BFU.

Der Hauptgrund sei, dass Elektrovelo-Fahrer tendenziell älter als Töfffahrer seien und sich deswegen bei einem Unfall schwerer verletzten. Weiter spiele die Helmpflicht eine Rolle. Diese gilt nur bei den E-Bikes ab einer Tretunterstützung bis 45 Kilometer pro Stunde. Jean-Christophe Sauterel von der Kantonspolizei Waadt sagte im Mai: «Autofahrer denken oft nicht daran, wie schnell ein E-Bike fahren kann.»

«Es braucht mehr Sensibilisierungsarbeit»

Für SP-Nationalrätin Bea Heim ist deshalb eine Helmpflicht auch für E-Bikes mit schwachem Motor «das einzig Vernünftige». «Es kommt ja nicht nur auf die Schnelligkeit an, im Verkehr können auch ein rutschiger Boden oder abruptes Anhalten zu einem Unfall führen.» Zudem sollten Velohändler ihre Kunden auf auf die Besonderheiten eines E-Bikes hinweisen.«Denn mit einem Elektrovelo muss man Bremswege und Distanzen ganz anders einschätzen.»

Bettina Maeschli, Sprecherin Pro-Velo Schweiz findet, es sollte vor allem mehr Sensibilisierungsarbeit getätigt werden. «Wichtig ist auch, die höheren Tempi der E-Bikes auch in den Autofahrschulen aufzugreifen.» Dringlich sei ebenfalls, die Infrastruktur für jegliche Art von Velofahrern zu verbessern.

Auch die Suva hält es für sinnvoll, wenn lernende Autofahrer auf diese Thematik aufmerksam gemacht werden. Und Martin Candinas, CVP-Nationalrat, findet: «Es braucht viel eher ein Helmobligatorium für Kinder, die in Kindersitzen oder Anhängern von Elektrovelos mitfahren. Denn ohne Schutzhelm kann ein Unfall für ein Kind fatal sein und lebenslange Folgen haben.»

Crashtest: Ein E-Bike trifft mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h auf ein Auto.

(Video: Youtube/Baloise Group)

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