Helmut Schmidt will kein Raucher-Rebell sein
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Helmut Schmidt will kein Raucher-Rebell sein

Altbundeskanzler Helmut Schmidt will sich nicht als Raucherikone instrumentalisieren lassen. Obwohl er sich nach wie vor von niemanden das Rauchen verbieten lässt, will er künftig das Gesetz achten.

«Ich habe nicht gegen das Gesetz verstossen wollen», sagte Schmidt der Wochenzeitung «Zeit» über einen Zwischenfall vom Jahresbeginn, als der 89-Jährige und seine Frau Loki sich bei einem Neujahrsempfang in einem Hamburger Theater Zigaretten angezündet hatten. Man müsse dem Gesetz gehorchen, sagte Schmidt.

Trotz des seit Januar geltenden Rauchverbots hatte sich das Ehepaar Schmidt im Theater «Winterhuder Fährhaus» am 6. Januar Zigaretten angezündet. Das Theater liess sie rauchen und stellte ihnen sogar exklusiv einen Aschenbecher zur Verfügung. «Natürlich habe ich davon Gebrauch gemacht, meine Frau auch, wir haben uns nichts dabei gedacht», sagte Schmidt. Erst andere hätten daraus einen «bewussten Verstoss gegen das Gesetz gemacht». Eine Nichtraucherinitiative hatte später gegen Schmidt Anzeige erstattet, das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Bei einer Umfrage für einen Fernsehsender hatten 27 Prozent der Männer angegeben, dass der dauerrauchende frühere Kanzler für sie der «coolste Kerl» sei.

Schmidt sagte in dem Interview, er sei kein öffentliches Vorbild. «Politiker sollten auf ihrem Felde Vorbild sein, aber nicht auf sämtlichen Feldern menschlichen Lebens. Das ist zu viel verlangt.»

Auf die Frage, was nun aus Schmidts Ausspruch werde, er lasse sich von niemandem das Rauchen verbieten, antwortete er: «Das bleibt auch so.» Er habe nie versucht, das Rauchen einzustellen: «Ich bin doch nicht verrückt», sagte er. Das Ehepaar Schmidt habe es auch nicht getroffen, dass sie angezeigt wurden. «Wir haben darüber gelacht», sagte Schmidt.

Der Altkanzler enthüllte bei der Gelegenheit, woher seine Leidenschaft für Mentholzigaretten stammt. Er sei in den 60er Jahren zur Zeit des Zechensterben oft in Bergwerke eingefahren. Dort habe er von den Bergleuten gelernt, Schnupftabak zu nehmen, Rauchen war aus Sicherheitsgründen verboten. Der Schnupftabak sei mit Menthol parfümiert gewesen.

Schmidt war bisher auf dem Weg zur Ikone der deutschen Raucher: Er hat es sogar in den USA geschafft, dass er im Lokal rauchen darf, wie eine kürzlich ausgestrahlte ARD-Dokumentation zeigte. Das rauchende Ehepaar Schmidt wird inzwischen sogar auf der Kabarettbühne parodiert. In der WDR-Sendung «Mitternachtsspitzen» spielen Wilfried Schmickler und Uwe Lyko «Loki und Smoki». Im «Zeit-Magazin» erscheint jede Woche eine Kolumne mit dem Titel «Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt». (dapd)

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