Abstürzende Raketen-Trümmerteile – US-Astrophysiker kritisiert China
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Gefahr aus dem AllHerabstürzender Weltraumschrott – «China kümmert sich absichtlich nicht»

Im Westen warnen Experten vor Trümmern, die zwischen Dienstag und Freitag zur Erde stürzen dürften. China nehme diese Gefahr bewusst in Kauf, so ein Astrophysiker.

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Ein Symphonieorchester spielt auf, als letzte Woche die Trägerrakete mit dem Tianhe-Modul im Wenchang Space Launch Center in der Hainan-Provinz gezündet wurde. 

Ein Symphonieorchester spielt auf, als letzte Woche die Trägerrakete mit dem Tianhe-Modul im Wenchang Space Launch Center in der Hainan-Provinz gezündet wurde.

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Teile der Rakete werden unkontrolliert auf die Erde zurückfallen, ohne zu verglühen. 

Teile der Rakete werden unkontrolliert auf die Erde zurückfallen, ohne zu verglühen.

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Peking habe sich beim Baum der neuen Rakete keine Mühe gegeben, das Schrottproblem zu verhindern, so der amerikanische Astrophysiker McDowell auf Spiegel.de: «Sie kümmern sich absichtlich nicht darum».

Peking habe sich beim Baum der neuen Rakete keine Mühe gegeben, das Schrottproblem zu verhindern, so der amerikanische Astrophysiker McDowell auf Spiegel.de: «Sie kümmern sich absichtlich nicht darum».

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Darum gehts

  • Zwischen Freitag und Dienstag dürften Überreste einer chinesischen Rakete auf die Erde fallen.

  • Die Europäische Raumfahrtagentur Esa sieht etwa Italien, Spanien oder Griechenland betroffen.

  • China bezeichnet die Warnungen westlicher Experten als «westlichen Rummel».

  • Aus den USA erhebt ein Astrophysiker Vorwürfe gegenüber China.

Im Westen warnen Experten vor zur Erde fallenden Überresten der 20 Tonnen schweren Trägerrakete «Langer Marsch 5B», die China letzte Woche mit dem Kernmodul «Tianhe» (Himmlische Harmonie) ins All gebracht hatte. Im Osten tut China dies als übertrieben ab.

Die Bruchstücke dürften «sehr wahrscheinlich in internationale Gewässer fallen, und die Leute müssen sich keine Sorgen machen», schreibt das englischsprachige Propagandaorgan «Global Times» unter Hinweis auf Raumfahrtexperten. Die Warnungen der Experten seien «nichts anderes als westlicher Rummel um eine Bedrohung durch China» in der Raumfahrt.

Das Büro für Raumfahrtrückstände der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt geht aktuell davon aus, dass zwischen Freitag und Dienstag ein riesiges Schrottteil zur Erde stürzen wird.

«Fahrlässiges Design»

Die Schweiz und Deutschland liegen voraussichtlich nicht in der Risikozone. Diese umfasst laut Esa jeden Teil der Erdoberfläche zwischen dem 41. Grad nördlicher und dem 41. Grad südlicher Breite. In Europa zählen unter anderem Teile von Spanien, Italien oder Griechenland dazu.

Wang Ya’nan, ein chinesischer Luftfahrtexperte und Chefredaktor eines Luft- und Raumfahrtmagazins, schreibt, dass Chinas Raumfahrtbehörden die Entwicklung herabfallender Trümmer vom Design der Rakete und der Wahl des Startplatzes bis hin zur Flugbahn und -höhe «sorgfältig berücksichtigt» hätten.

Das sieht Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge, Massachusetts, anders. Das Design der Rakete entspreche nicht den heutigen Standards und sei schlicht «fahrlässig».

Unmögliche Vorhersagen

Andere Länder würden dafür sorgen, dass der Hauptteil ihrer Raketen nicht im Orbit blieben, sondern in eine Flugbahn gebracht würden, um gezielt ins Meer zu stürzen. Die «Langer Marsch 5B» sei hingegen so gebaut, dass sie etwa eine Woche später durch die Anziehungskraft an einem «willkürlichen Ort» in die Atmosphäre der Erde eintrete. Peking habe sich beim Bau der neuen Rakete keine Mühe gegeben, das Schrottproblem zu verhindern, so McDowell auf Spiegel.de: «Sie kümmern sich absichtlich nicht darum».

China zufolge ist die Raketenstufe vor allem aus leichtem Material gebaut, das beim Wiedereintritt zumeist einfach verbrenne. Nur ein «sehr kleiner Teil» werde «potenziell in Gebieten weit weg von menschlichen Aktivitäten oder im Ozean landen».

Hingegen hatte das Esa-Büro für Raumfahrtrückstände mitgeteilt, es sei aktuell praktisch unmöglich, Vorhersagen darüber zu treffen, welche Teile den Wiedereintritt überstehen werden. Materialien mit hohen Schmelztemperaturen wie etwa Motor- oder Tankkonstruktionen stellten ein besonderes Risiko dar.

Zwar sind die Experten im Westen mit China einig: Die meisten Objekte verglühen beim Wiedereintritt vollständig und da ein Grossteil der Erde mit Wasser bedeckt und in weiten Teilen unbewohnt sei, sei die Gefahr für den Einzelnen deutlich geringer als bei alltäglichen Risiken wie etwa dem Autofahren.

Beschädigte Häuser

Astrophysiker McDowell fordert dennoch internationale Vereinbarungen. «Im schlimmsten Fall» könnte der Einschlag wie der Absturz eines kleinen Flugzeugs werden, der sich über hunderte Kilometer verteile. Es lasse sich nicht voraussagen, wie viele Bruchstücke übrig blieben, «aber genug, um Schaden anzurichten.»

Das hatte die westafrikanische Elfenbeinküste vor einem Jahr erlebt: Nach dem ersten Flug des neuen chinesischen Raketentyps waren Trümmer in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten nach lokalen Berichten Häuser beschädigt. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hatte den Vorgang damals als «sehr gefährlich» beschrieben, weil die Raketenstufe kurz davor noch über die USA geflogen war.

(gux/DPA)

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