«Time-out»: Heraufziehende Krise oder Anlauf zum Gipfelsturm?
Aktualisiert

«Time-out»Heraufziehende Krise oder Anlauf zum Gipfelsturm?

Die ZSC Lions sind in der «Weihnachts-Meisterschaft» noch ohne Punkt und Tor. Der Titelverteidiger steht nach dem 0:3 bei den SCL Tigers auf dünnem Eis.

von
Klaus Zaugg
Konsternierte Lions nach dem 0:3 in Langnau. (Bild: Keystone)

Konsternierte Lions nach dem 0:3 in Langnau. (Bild: Keystone)

Die «Weihnachts-Meisterschaft» umfasst die drei Partien zwischen der Nationalmannschafts- und Weihnachtspause. Die zwei ersten haben die Zürcher verloren: 0:4 gegen Fribourg (den Leader) und 0:3 gegen die SCL Tigers (den Tabellenletzten). Das ist ein wenig beunruhigend. Denn seit letzter Saison gilt: Sag mir, wie die ZSC Lions vor Weihnachten spielen und ich sage Dir, ob sie ein Meisterkandidat sind.

Ziemlich genau vor einem Jahr – am 23. Dezember 2011 – begann in der letzten Partie vor der Weihnachtspause das ZSC-Meistermärchen. Die Zürcher schafften in Genf mit drei gegen fünf Feldspieler den Ausgleich (!) und bodigten Servette 4:3 nach Penaltys. Fortan führte der Weg aus dem Tabellenkeller nach oben bis zum meisterlichen Gipfelruhm. Dieses «Wunder von Genf» war ein Vorschein des Kommenden. Des Meistertitels.

Oder um es mit ein bisschen Hockeyromantik zu sagen: Die ZSC Lions hatten vor einem Jahr unter Bob Hartley die Ausstrahlung von Desperados. Sie wirkten selbst im langen Herbst 2011, als sie lange am Strich taumelten wie ein charismatisches Team auf einer Mission.

Eine ganz normale Mannschaft geworden

Jetzt, ein Jahr später sind die ZSC Lions unter Cheftrainer Marc Crawford ein ganz normale Mannschaft geworden. Immer noch mit genug Substanz, um den Titel zu verteidigen. Nicht in der Krise und gut genug, um Polemik zu vermeiden. Aber nicht gut genug, um alle Zweifel zu zerstreuen, sorglos zu sein. Der Sicherheitsabstand auf die Playouts beträgt nur sieben Punkte. Mehr noch: Die Kloten Flyers stehen in der Tabelle mit den ZSC Lions auf Augenhöhe. Das hätte im letzten Sommer wahrlich niemand erwartet.

Der angekündigte Transfer von Topskorer Thibaut Monnet zu Gottéron, die unangekündigte Heimreise der Kanadier Gilbert Brulé und Jeff Tambellini, die vergebliche Transferliebesmüh um Sven Andrighetto (er hätte eigentlich Monnet ersetzen sollen, aber der ZSC-Junior wird nach zwei Jahren Nordamerika künftig für Servette stürmen), die Unterform eines Stars wie Patrik Bärtschi (bloss 5 Tore in 33 Spielen) und die Ungewissheit um Leitwolf Andres Ambühl (wechselt er zu Davos oder Bern oder in die NHL?) sorgen für eine gewisse Unruhe im Umfeld.

Zwei Ausländer müssen her

ZSC-Sportchef Edgar Salis sagt, er habe von Andres Ambühl nach wie vor keine Zu- oder Absage für nächste Saison. Und am 28. Dezember muss der gelernte Sozialpädagoge zum Training fahren und überprüfen, ob Jeff Tambellini der schriftlichen erlassenen Aufforderung zur Wiederaufnahme der Arbeit nachkommt.

Ist der Kanadier nicht pünktlich zur Stelle, können die Zürcher seinen noch bis 2014 laufenden Vertrag fristlos und ohne finanzielle Abgeltung auflösen. Und schliesslich muss der ZSC-Sportchef noch zwei ausländische Arbeitnehmer verpflichten. Für die Playoffs brauchen die Zürcher fünf einsatzbereite Ausländer. Zurzeit haben sie nur drei.

«Befohlene Ruhe» bei den Lions

Vor einen Jahr vitalisierte die von Bandengeneral Bob Hartley provozierte Aufbruchstimmung die Mannschaft. Die Rückschläge im Herbst waren im Rückblick nichts anderes als der Anlauf zum meisterlichen Gipfelsturm. Doch jetzt, nach der vorweihnächtlichen Niederlage im letzten Auswärtsspiel des Jahres in Langnau, passt zur Stimmung rund um die ZSC Lions am ehesten ein Ausdruck aus dem Militärdienst: «Befohlene Ruhe».

Den neutralen, jeglicher Polemik abholde Chronist beschleicht ein wenig das Gefühl einer heraufziehenden Gewitterfront. Offen ist nur, ob es bei einem sanften Landregen bleibt oder ob noch Blitz und Donner folgen. Ein Sieg gegen die Lakers kann viel zu einer vorübergehenden Beruhigung der Wetterlage beitragen.

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