Coronavirus : Herbstwelle rollt an – Experten fordern wieder Maskenpflicht im ÖV

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Coronavirus Herbstwelle rollt an – Experten fordern wieder Maskenpflicht im ÖV

Um auf die steigenden Fallzahlen zu reagieren, fordern mehrere Experten eine Wiedereinführung der Maskenpflicht im ÖV. Die Politik zeigt sich zurückhaltend. 

von
Michelle Ineichen
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Mehrere Experten fordern wieder eine Maskenpflicht im Öffentlichen Verkehr. 

Mehrere Experten fordern wieder eine Maskenpflicht im Öffentlichen Verkehr. 

20min/Marvin Ancian
Dies aufgrund der steigenden Fallzahlen. 

Dies aufgrund der steigenden Fallzahlen. 

20min/Matthias Spicher
 «Masken in Innenräumen sind ein einfaches und wirksames Mittel, um Infektionsrisiken zu reduzieren», sagt die Virologin Isabella Eckerle.

 «Masken in Innenräumen sind ein einfaches und wirksames Mittel, um Infektionsrisiken zu reduzieren», sagt die Virologin Isabella Eckerle.

20min/Celia Nogler

Darum gehts 

Masken im ÖV, im Fitness und im Büro – erneut könnten diesen Herbst Massnahmen gegen das Corona-Virus auf die Schweiz zukommen. Das fordern zumindest mehrere Experten: «Die Maskenpflicht sollte so schnell wie möglich wieder eingeführt werden», sagt etwa der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny. «Je länger wir warten, desto mehr Fälle werden wir haben.» 

Masken hätten sich als effizient erwiesen. «Es gilt weiterhin, das Gesundheitssystem nicht zu stark zu belasten. Insbesondere vor dem Hintergrund der neuen Variante BA.5 sowie aufgrund der Tatsache, dass sich im Winter wieder mehr Leute gleichzeitig in Innenräumen aufhalten werden», sagt Cerny.

«Problem ist, dass Öffentlichkeit denkt, Pandemie sei vorbei»

Die Virologin Isabella Eckerle stimmt Cerny zu: «Wir sehen bereits einen Anstieg des Infektionsgeschehens.» Dieser könne sich stark beschleunigen. «Masken in Innenräumen sind ein einfaches und wirksames Mittel, um Infektionsrisiken zu reduzieren», sagt Eckerle. Es sei ein Problem, dass der Öffentlichkeit gegenüber nun seit vielen Monaten konstant vermittelt werde, die Pandemie sei vorbei.

Nicht ganz so drastisch sieht die Situation Jürg Utzinger, Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts: «Die Herbstwelle ist angerollt, doch das ist kein Grund in Panik zu verfallen», sagte er kürzlich gegenüber 20 Minuten. Auch für ihn sind Masken im ÖV jedoch nach wie vor eine gute Lösung, sollte die Krankheitslast wieder stark ansteigen.

Politik zurückhaltend

Zurückhaltender sind Politikerinnen und Politiker. Katharina Prelicz-Huber, Nationalrätin der Grünen, versteht zwar, dass über eine Maskenpflicht diskutiert wird. «Ich hoffe aber vor allem für die Kinder und Jugendlichen, dass sich das noch vermeiden lässt.» Deswegen sei es nun wichtig, die Menschen weiterhin auf die Hygienemassnahmen und den zweiten Booster aufmerksam zu machen. Auch bessere Arbeitsbedingungen und Löhne im Gesundheitswesen blieben weiterhin ein Thema. 

Für SVP-Nationalrat Andreas Glarner wäre eine Maskenpflicht hingegen unverhältnismässig. «Es kann nicht sein, dass sich alle massiv einschränken müssen, um ein paar wenige zu schützen.» Er bezweifle, dass die Bevölkerung die Massnahme dieses Mal mittragen würde. Mittlerweile sei eine Covid-Erkrankung mit einer heftigen Grippe gleichzusetzen, so Glarner. «Jene, die eine Maske tragen wollen, können dies natürlich gerne tun, aber wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben.»

«Politiker wollen keine Spielverderber sein, das überlassen sie dem Virus»

Die Gründe für die Zurückhaltung der Politik liegen laut dem ehemaligen Mitglied der Corona-Taskforce Dominique de Quervain auf der Hand: «Fast alle Schweizer Politiker ignorieren COVID-19. Niemand will der Spielverderber sein. Sie überlassen das dem Virus», schrieb er am Samstag auf Twitter. 


Massnahmen wie die Maskenpflicht beschliessen können in der momentanen Lage die Kantone. Die Gesundheitsdirektorenkonferenz wird am kommenden Donnerstag zusammensitzen. Tobias Bär, Sprecher der GDK, bestätigt gegenüber 20 Minuten: «Der Vorstand der GDK wird sich an seiner Sitzung vom 20. Oktober mit der aktuellen epidemiologischen Lage befassen.»

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BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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