Zoo Basel: «Herde half Malayka, doch sie wollte sterben»

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Zoo Basel«Herde half Malayka, doch sie wollte sterben»

Der Zolli ist sich sicher: Elefanten-Dame Malayka (47) wollte nicht mehr leben. Sie liess sich nach einem Sturz am Mittwoch nicht mehr von ihrer Herde aufhelfen.

von
sis

Malayka (47), die älteste Elefantenkuh im Zoo Basel, musste am Mittwochabend eingeschläfert werden.

Bei einem ersten Sturz kurz zuvor hatte ihre Herde die mit 47 Jahren älteste Kuh im Zolli nach intensiven Bemühungen wieder aufrichten können: «Andere Elefanten haben gut eine Dreiviertelstunde lang gedrückt und sich sogar neben sie gelegt, um sie beim Aufrichten besser zu unterstützen», beschreibt Adrian Baumeyer, Tierpfleger im Elefantengehege, die rührende Situation. Malayka lief daraufhin noch wenige Meter bis vor das Elefantenhaus, als sie erneut stürzte. Doch diesmal habe sie nicht mehr gewollt und sei einfach im strömenden Regen liegengeblieben.

Andere Elefanten nahmen Abschied

Die anderen Elefanten hätten aufgehört ihr aufzuhelfen und seien dann einfach bei ihr gestanden. Wie zum Abschied berüsselten sie ihre sterbende Freundin zum letzten Mal und liessen sie dann allein. «Plötzlich sind sie alle zusammen weggegangen und Malayka lag alleine da», erzählt Baumeyer. Das sei für das Team der Moment gewesen, wo man verstanden habe, dass Malayka nicht mehr wolle. Gemeinsam entschied man, das altersschwache Tier von seinem Leiden zu erlösen. Malayka war schon in den vergangenen Jahren immer wieder gestürzt und nur mit Hilfe der anderen Elefanten auf die Beine gekommen. Der Zoo vermutet, dass sie an Altersschwäche gestorben wäre.

Nach dem Einschläfern wurde Malaykas Körper direkt zur Obduktion nach Bern gebracht. Die anderen Elefanten Maya (24), Rosy (23) und Heri (42) blieben nervös zurück. Sie konnten nicht verstehen, dass Malayka sie für immer verlassen hatte. «Als wir sie rausgelassen haben, haben sie erst einmal die ganze Anlage abgesucht und überprüft, ob Malayka noch irgendwo ist», erzählt Baumeyer. Die Elefantenkühe hätten sich erst nach einiger Zeit wieder beruhigt.

Wie sich die Rangordnung nun verändern wird und wer die Position der verstorbenen Malayka einnehme, müsse man abwarten. Zunächst erholen sich die Tiere noch von den Ereignissen der letzten Nacht. Der Trubel hat sie merklich aufgewühlt – sie seien müde und hätten vermutlich nur wenig geschlafen, so Baumeyer am Donnerstag.

«Umgänglich, gelehrig und ein bisschen träge»

Malayka war 1984 aus dem Circus Knie in den Zoo Basel gekommen. Sie war in der Elefantengruppe zwar die Älteste, nicht aber die Ranghöchste. Dafür galt sie in ihrer Herde als die Gemütlichste und döste gern mit gekreuzten Hinterbeinen in der Sonne. Zwei Dingen konnte sie nie widerstehen: Futter – und wenn sie die Zoobesucher beim Baden im alten Elefantenhaus mit Wasser nassspritzen konnte.

Malaykas Erkennungsmerkmale waren ihre glatte Stirn, der haarlose Schwanz und die sehr langen, schlanken und spitzen Stosszähne. Viele Basler erinnern sich noch vom Elefantenreiten, das bis 1992 stattfand, an die umgängliche Elefantenkuh.

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