23.07.2014 14:26

Bereits mehrere Bisse

Herdenschutzhunde jagen Wanderern Angst ein

In diesem Jahr wurden bereits vier Wanderer von Schutzhunden gebissen. Bergführer mussten aus Angst vor den Vierbeinern sogar schon Touren absagen.

von
nsa
Herdenschutzhunde sehen die Schafe als Teil ihrer Familie an und verteidigen sie, wenn sie eine Bedrohung zu erkennen glauben.

Herdenschutzhunde sehen die Schafe als Teil ihrer Familie an und verteidigen sie, wenn sie eine Bedrohung zu erkennen glauben.

«Eigentlich hatten wir den Gipfel schon geschafft», sagt Bergführer Fredy Egel, «als ich die Touristen dann aber wieder vom Berg führen wollte, stellte sich uns ein Hund in den Weg.»

Ein Herdenschutzhund hatte die Bergwanderer im Obergoms als Bedrohung wahrgenommen und näherte sich der Gruppe mit lautem Gebell. «Die Touristen bekamen Angst. Ich selbst habe in den Bergen schon so einiges gesehen, aber wenn so ein riesiges Tier mit offenem Maul auf einen zuprescht, fällt es auch mir schwer, noch cool zu bleiben.»

Egel sagt, die Hunde seien ein Problem für ihn und würden dem lokalen Tourismus schaden. «Wir mussten damals über die Felsen ausweichen, weil es keinen anderen Weg ins Tal mehr gab. Das war ein grosses Risiko.» Inzwischen gebe es einige Routen, die er mit seinen Gästen nicht mehr gehen könne, weil dort Schutzhunde eingesetzt würden. «Ich habe schliesslich auf dem Berg die Verantwortung für meine Gruppe.»

«Schutzhunde müssen in der Lage sein zu beissen»

Pro Jahr gibt es laut der landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea höchstens zehn Bisse von Schutzhunden. In diesem Jahr wurden bisher vier Wanderer und ein Halter verletzt.

Ungefähr 200 Schutzhunde werden schweizweit auf Alpen eingesetzt. Sie arbeiten meist in Gegenden, in denen bereits Tiere von Raubtieren gerissen wurden. Aufgekommen sind sie, nachdem in den späten 1990er-Jahren die ersten Wölfe in die Schweiz einwanderten. In den letzten Jahren melden sich vermehrt Wanderer zu Wort, die Probleme mit den Hunden hatten.

Grégoire Seitert, der Kantonstierarzt von Freiburg, sagt zur Zeitung «La Liberté»: «Schutzhunde müssen in der Lage sein zu beissen, um ihre Herden zu verteidigen. Der Schutz der Menschen darf aber auch nicht zu kurz kommen.» In seiner Funktion als Kantonstierarzt musste er vor kurzem zwei Hunde beschlagnahmen, die einen Wanderer gebissen hatten.

So verhält man sich richtig

Wer in den Bergen auf eine Herde trifft, die von einem Schutzhund bewacht wird, sollte Distanz einhalten und sich der Herde auf keinen Fall nähern. Eigene Hunde sollten unbedingt an die Leine genommen werden und es empfiehlt sich, von Mountainbikes abzusteigen und nicht zu rennen. Sollte sich der Schutzhund nähern, hilft es, sich von der Herde wegzubewegen und sich ruhig zu verhalten. (nsa)

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