MODERNE PROPHETEN: Herdentrieb bei den Konjunkturprognosen
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MODERNE PROPHETENHerdentrieb bei den Konjunkturprognosen

Sie sagen uns den Verlauf der Wirtschaft voraus und nehmen Einfluss auf unser Portemonnaie. Unter den für Konjunkturprognosen angestellten Wirtschaftswissenschaftlern und deren statistischen Modellen ist dabei aber eines deutlich erkennbar: Die Tendenz zum Herdentrieb.

Heute vor einem Monat sind die neusten Prognosen für die künftige wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz veröffentlicht worden. Praktisch gleichzeitig korrigierten das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sowie die Ökonomen des UBS Investment Research und der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) ihre Wachstumsprognosen fürs Jahr 2009 nach unten.

Alle korrigieren nach unten

Die UBS hat dabei neu einen Schätzwert von 1,3 Prozent errechnet, Ende 2007 lag die Prognose noch bei 1,6 Prozent. Zwei Tage zuvor hatten auch das Seco sowie das KOF ihre Prognosen korrigiert. Beim Staatssekretariat rechnet man heute ebenfalls mit einer Wachstumsrate von 1,3 Prozent, zuvor lagen die Erwartungen bei 1,7 Prozent. Das KOF musste die Erwartungen zum Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,0 auf 1,8 Prozent zurücknehmen. Nur kurz davor änderten die Credit Suisse sowie das Basel Economics ihre Meinung von ursprünglich 1,9 bzw. 2,1 auf 1,6 Prozent.

Angst vor der Isolation

Klar ist, dass das Prognostizieren von Wirtschaftswachstumsraten derzeit besonders schwierig ist. Die statistischen Modelle werden mit Tausenden von Gleichungen gefüttert. Über die zukünftigen Ölpreise oder die Wechselkurse zwischen Euro, Franken oder Dollar, welche beispielsweise in die Prognosen einfliessen, kann jedoch nur grob spekuliert werden. Umso mehr überrascht es, dass sich die Endwerte der institutionellen Prognostiker so sehr ähneln: Sämtliche Vorhersagen liegen innerhalb der einer Bandbreite von 1 bis 2 Prozent. Wie Stefan Kooths vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gegenüber der «FAZ» erklärt, besteht die «Angst, isoliert dazustehen. Es gibt unter den Institutionen deshalb ein gewisses Herdenverhalten». (sda/ats/scc/ahi)

Die aktuellen Prognosen im Überblick:

2008 ; 2009 (In Prozent)

Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)

1,9 ; 1,3

UBS Wealth Management

2,3 ; 1,4

UBS Investment Bank

1,6 ; 1,3

Credit Suisse

1,9 ; 1,6

Zürcher Kantonalbank

1,9 ; 2,0

Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF)

2,0 ; 1,8

BAK Basel Economics

2,0 ; 1,6

Créa

1,8 ; 2,0

enonomiesuisse

1,5 ; 1,0

Internationaler Währungsfonds (IWF)

1,4 ; 1,3

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

2,0 ; 1,4

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