Tiersammelstelle schliesst: Behörde hat Angst vor Afrikanischer Schweinepest
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Tiersammelstelle schliesstBehörde hat Angst vor Afrikanischer Schweinepest

Nach einer Kontrolle aller Sammelstellen für Tierkadaver in Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden muss jene in Herisau geschlossen werden. Sie genügt den gestiegenen Anforderungen nicht.

von
Michel Eggimann
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«Aufgrund der Seuchenausbrüche der Afrikanischen Schweinepest in Belgien, Polen und Deutschland bereiten sich die kantonalen Veterinärämter zusammen mit dem Bundesamt für Veterinärwesen seit längerem auf die Einschleppung in die Schweiz vor», sagt Sascha Quaile, Kantonstierarzt beider Appenzell. (Symbolbild)

«Aufgrund der Seuchenausbrüche der Afrikanischen Schweinepest in Belgien, Polen und Deutschland bereiten sich die kantonalen Veterinärämter zusammen mit dem Bundesamt für Veterinärwesen seit längerem auf die Einschleppung in die Schweiz vor», sagt Sascha Quaile, Kantonstierarzt beider Appenzell. (Symbolbild)

imago images/Arnulf Hettrich
Weil sie gestiegenen Anforderungen nicht mehr genügt, schliesst die Gemeinde Herisau ihre Tiersammelstelle. 

Weil sie gestiegenen Anforderungen nicht mehr genügt, schliesst die Gemeinde Herisau ihre Tiersammelstelle.

Wikipedia/JoachimKohlerBremen
Auch die anderen Tierkörpersammelstellen im Appenzellerland sind überprüft worden.

Auch die anderen Tierkörpersammelstellen im Appenzellerland sind überprüft worden.

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Darum gehts

  • Per Ende Jahr schliesst die Tiersammelstelle in Herisau.

  • Sie genügt den Anforderungen nicht mehr.

  • Diese wurden aus Angst vor der Afrikanischen Schweinepest verschärft.

  • Die kantonalen Veterinärämter und das Bundesamt für Veterinärwesen bereiten sich auf eine Einschleppung des Virus vor.

Das Veterinäramt beider Appenzell hat im laufenden Jahr alle Tierkörpersammelstellen überprüft. Gemäss Sascha Quaile, dem Kantonstierarzt der beiden Kantone, handelt es sich dabei um eine vorsorgliche Massnahme. Gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» sagt er: «Aufgrund der Seuchenausbrüche der Afrikanischen Schweinepest in Belgien, Polen und Deutschland bereiten sich die kantonalen Veterinärämter zusammen mit dem Bundesamt für Veterinärwesen seit längerem auf die Einschleppung in die Schweiz vor.»

Das Ergebnis der Prüfungen: Die Sammelstelle für Kleintiere in der Gemeinde Herisau wird per Ende Jahr geschlossen. Gemeinderat Glen Aggeler, Ressortchef Volkswirtschaft, lässt sich zitieren: «Sie ist seit längerer Zeit eine pragmatische, baulich aber suboptimale Lösung.» Bereits in letzter Zeit habe man nur noch die notwendigen Instandhaltungen vorgenommen.

Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruserkrankung, die für Menschen nicht gefährlich ist. Angesteckte Schweine und Wildschweine sterben jedoch meist innert weniger Tage. Bei gehäuften Tierabgängen müssen Untersuchungen durchgeführt werden, um die Afrikanische Schweinepest als Ursache auszuschliessen. Das Virus kann auch im Tierkadaver oder in der Umwelt noch lange überleben. In Deutschland wurde 11 Kilometer von der polnischen Grenze bei einem Wildschwein im September ein erster Fall festgestellt. Die Schweiz blieb bisher von dieser Krankheit verschont, die Bundesbehörden verfolgen jedoch die Entwicklung aufmerksam und sind darauf vorbereitet, in Zusammenarbeit mit den Kantonen zu reagieren.

Quelle: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen

Sanierung war kein Thema

Für den Betrieb einer Sammelstelle war bis anhin eine Bewilligung des Veterinäramts notwendig. Neu brauche es zusätzlich schriftliche Betriebskonzepte, die die Organisation in Friedenszeiten und während Seuchenzügen regelt, so der zuständige Kantonsarzt. Diesen Anforderungen genügt die Tiersammelstelle in Herisau nicht. Es fehlten neben einer Zutrittskontrolle auch die Überwachung der Anlage. Zwei Punkte, die im Seuchenfall gefordert seien. Zudem bräuchte es auch ein Chip-Lesegerät. Aggeler meint: «Die Anpassungen standen in keinem Verhältnis zur Situation, dass wir die Sammelstelle im Kreckel nur noch als zusätzliche Option betrieben haben.» Deshalb sei eine Sanierung kein Thema gewesen.

In der betroffenen Sammelstelle wird gemäss dem «St. Galler Tagblatt» durchschnittlich ein Container pro Woche mit Kadavern deponiert. Vorgesehen ist sie für Kleintiere. Für grössere Tiere sei schon seit Jahren die regionale Tierkörpersammelstelle in St. Gallen der Kooperationspartner von Herisau.

Auch die übrigen Tierkörpersammelstellen im Appenzellerland mussten nach der Ankündigung des Veterinäramts über die Bücher. Wie der Kantonsarzt meint, seien noch nicht alle Bewilligungsverfahren abgeschlossen. Er gehe jedoch davon aus, dass die grösseren regionalen Sammelstellen in Appenzell, Bühler und Wolfhalden die Auflagen erfüllen.

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