Aktualisiert

Kantonale WahlenHermann Lei knapp wiedergewählt

Erdrutschverlust der SVP: Bei den Gesamterneuerungswahlen in den Grossen Rat des Kantons Thurgau hat die SVP zehn Sitze verloren. Im Kanton Uri sicherten sich die FDP und die CVP einen Sitz in der Exekutive.

Noch ist nichts definitiv: bei den Gesamterneuerungswahlen in des Grossen Rat des Kantons Thurgau sieht es aber nach einer empfindlichen Niederlage für die SVP aus. (Symbolbild Keystone)

Noch ist nichts definitiv: bei den Gesamterneuerungswahlen in des Grossen Rat des Kantons Thurgau sieht es aber nach einer empfindlichen Niederlage für die SVP aus. (Symbolbild Keystone)

Bei den Wahlen in den Thurgauer Grossen Rat hat die SVP einen Erdrutschverlust erlitten: Sie verliert zehn Sitze. Mit 41 Sitzen bleibt sie stärkste Kraft. Die Grünliberalen gewinnen vier Sitze, die BDP holt auf Anhieb fünf Mandate.

Die Wahlbeteiligung betrug historisch tiefe 30,8 Prozent. Der Grosse Rat Thurgau hat 130 Sitze. Zum ersten Mal wurde das Parlament in fünf Bezirken gewählt; vor vier Jahren hatte der Thurgau noch acht Wahlkreise.

SVP macht Wahlkreisreform verantwortlich

Walter Marty, Präsident der SVP Thurgau, sagte gegenüber der SDA, allein die neue Bezirksorganisation habe die SVP fünf Sitze gekostet. Geschadet habe der SVP auch die Berichterstattung über die Affäre Hildebrand, in der auch der Thurgauer SVP-Kantonsrat Hermann Lei eine zentrale Rolle spielt. Lei wurde wieder gewählt.

Laut Walter Marty wurde die Thurgauer SVP bei den Parlamentswahlen vom Abwärtsstrudel der SVP Schweiz mitgerissen. Der Erdrutschverlust der SVP muss etwas relativiert werden; sie hat noch immer zwei Sitze mehr als die FDP und die CVP zusammen.

Vorbei ist die Zeit der SVP Thurgau, als sie kantonalen Wahlen punkto Parteienstärke an der Spitze stand. Ihr Wähleranteil sank am Sonntag von rund 36 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 30,5 Prozent. In Schwyz erreicht die SVP in diesem Jahr 34 Prozent.

Neue Mitte gewinnt

Pascal Bertschinger, Präsident der Thurgauer BDP, spricht von einem «Raketenstart». Er sei sehr überrascht über die fünf gewonnen Sitz. Die BDP erreichte auf Anhieb Fraktionsstärke. Sie gewann ihre Sitze sicher zu einem grossen Teil auf Kosten der SVP.

Jürg Wiesli, Co-Präsident der Thurgauer Grünliberalen, sagte, seine Partei habe vom generellen Aufstieg der glp profitiert. Die glp jagte der FDP im Thurgau schon im vergangenen Oktober bei den eidgenössischen Wahlen einen Nationalratssitz ab.

Sozialdemokraten legen zu

Die SP hat im Thurgau hat zwei Sitze gewonnen und hält in der Legislatur 2012 bis 2016 19 Sitze. Die EDU hat ihre Sitzzahl von drei auf sechs Sitze verdoppelt und hat jetzt auch Fraktionsstärke.

Die FDP konnte ihre 18 Sitze halten; in den Hochrechnungen hatten die Freisinnigen lange wie eine Gewinnerin ausgesehen.

Die Grünen verloren zwei und halten neu neun Sitze im Grossen Rat Thurgau, der alternierend in Frauenfeld und Weinfelden tagt. Die CVP büsste einen Sitz ein und hat neu 21 Mandate. Einen Sitz verloren hat auch die EVP; sie hat ab Juni noch fünf Sitze.

FDP und CVP in Uri erfolgreich

Die Urner Regierung ist seit dem Sonntag komplett: Im zweiten Wahlgang haben Barbara Bär (FDP) und Urban Camenzind (CVP) den Sprung in die Exekutive geschafft. Die parteipolitische Zusammensetzung des siebenköpfigen Gremiums bleibt somit unverändert.

Die 55-jährige Barbara Bär von der FDP erzielte mit 5142 Stimmen das beste Resultat der vier Kandidaten, die zum zweiten Wahlgang antraten. Der 47-jährige CVP-Kandidat Urban Camenzind schaffte den Einzug in die Urner Regierung mit 4937 Stimmen. Die Stimmbeteiligung betrug 41,1 Prozent.

Der Strategiewechsel der FDP für den zweiten Wahlgang lohnte sich: Noch im ersten Wahlgang trat Barbara Bär aus Altdorf nämlich als wilde Kandidatin an, weil sie es bei den parteiinternen Ausmarchungen nicht auf die offizielle FDP-Liste geschafft hatte.

Nachdem Bär aber im ersten Wahlgang am zweitmeisten Stimmen der Nichtgewählten erhalten hatte und den offiziellen FDP-Kandidaten Thomas Arnold, der auf dem letzten Platz landete, deutlich hinter sich liess, nominierte sie die FDP für die zweite Runde Bär offiziell.

CVP verteidigt dritten Sitz problemlos

Problemlos schaffte am Sonntag auch der CVP-Kandidat Urban Camenzind den Sprung in die Regierung. Im ersten Wahlgang erhielt er noch am meisten Stimmen der Nichtgewählten, in der zweiten Runde überholte ihn Barbara Bär. Den dritten CVP-Sitz aber brachte er trotzdem ins Trockene.

Unklar war im Vorfeld, wie viele Stimmen ihm Erich Herger wegschnappen würde. Der Gemeindepräsident von Bürglen wurde von seiner Partei, der CVP, offiziell nicht nominiert - auch für den zweiten Wahlgang nicht. Er trat als wilder Kandidat an und erzielte mit 3921 Stimmen deutlich weniger Stimmen als die beiden Gewählten.

Auf dem letzten Platz landete am Sonntag der SVP-Kandidat Josef Schuler. Er erhielt 3696 Stimmen. Die SVP verfehlte somit ihr Ziel, einen zweiten Sitz zu ergattern, auch im zweiten Wahlgang.

Kontinuität in der Urner Regierung

Mit der Wahl von Bär und Camenzind bleibt das Kräfteverhältnis in der Urner Regierung unverändert. Sie besteht weiterhin aus drei CVP- , zwei FDP-, sowie je einem SVP- und SP-Vertreter. Es sind dies die Bisherigen Josef Dittli (CVP), Heidi Z'graggen (CVP), Beat Arnold (SVP), Markus Züst (SP) sowie die neu gewählten Beat Jörg (CVP), Urban Camenzind (CVP) und Barbara Bär (FDP).

Am Sonntag wurde zudem der letzte der 64 Urner Landratssitze vergeben; in Andermatt war ein zweiter Wahlgang nötig. Dabei setzte sich Ludwig Loretz (FDP) gegen Primin Epp (SVP) durch. Das Urner Kantonsparlament setzt sich somit wie folgt zusammen: CVP 23 (bislang 24) Sitze, SVP 15 (18) Sitze, FDP 15 (12) Sitze, SP/Grüne 11 (10) Sitze.

(sda)

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