13.06.2017 21:09

Leiter Logistik und ITHerr Bambauer, hat die Post ein IT-Problem?

Mehrmals hatten PostFinance und Post in jüngster Zeit mit technischen Problemen zu kämpfen. Nun nimmt Dieter Bambauer, Leiter Post-Logistics, erstmals Stellung.

von
F. Lindegger
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Anfang Mai waren grosse Teile der Post von einer Störung betroffen. Neben Automaten und dem E-Banking waren auch Intranet, E-Mail, Telefonnummern oder die Paketsortierung zeitweise offline.

Anfang Mai waren grosse Teile der Post von einer Störung betroffen. Neben Automaten und dem E-Banking waren auch Intranet, E-Mail, Telefonnummern oder die Paketsortierung zeitweise offline.

Keystone/Georgios Kefalas
Die PostFinance kämpfte in diesem Frühjahr immer wieder mit Pannen.

Die PostFinance kämpfte in diesem Frühjahr immer wieder mit Pannen.

Screenshot
Vor allem beim E-Banking.

Vor allem beim E-Banking.

Keystone/Christian Beutler

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Anfang Mai der ganze Post-Konzern für einige Zeit offline war?

Wenn man mal eine Stunde keine E-Mails erhält, könnte man das fast schon als eine Entlastung sehen, für die Kunden war das aber sehr unangenehm. Selbstverständlich wurde der Krisenstab des Konzerns umgehend aktiv, um die Ursachen zu finden und den Fehler rasch beheben zu können. Wichtig ist, dass bei dem Vorfall sämtliche Daten automatisch abgesichert wurden. Ein Risiko für die Daten der Kunden bestand also nicht.

War das die unangenehmste Situation, seit Sie bei der Post sind?

Für mich war es das erste Mal, dass so etwas passiert ist. Das letzte Mal war das Netzwerk vor 14 Jahren ausgefallen. Natürlich ist es peinlich. Die Post wird an dem gemessen, was nicht funktioniert. Es ist heute selbstverständlich, dass die Dinge funktionieren – und das ist gut so. Aber: Wenn Sie 100 Pakete bestellen und 99 kommen perfekt an, werden Sie sich nur an jenes einzelne Paket erinnern, bei dem es Probleme gab.

Wie will die Post solche Totalausfälle wie im Mai künftig verhindern?

Wo Menschen involviert sind, können Fehler nicht ausgeschlossen werden – egal, wie viele Sicherungen man einbaut. Rein organisatorisch ist es nun aber ausgeschlossen, dass eine Fehlmanipulation wie jene im Mai wieder zu einem solchen Ausfall führen kann. Möglicherweise werden wir zudem die Vernetzung von PostFinance und dem Postkonzern überdenken. Wir schauen, ob es sich lohnen könnte, die beiden Systeme stärker voneinander zu trennen – schliesslich ist das eine Güterabwägung.

Seit Beginn des Jahres ist es bei PostFinance immer wieder zu Pannen gekommen. Anfang Mai dann die Panne bei der Post. Hat die Post ein IT-Problem?

Jeder Vorfall ist unangenehm für alle Beteiligten und lässt sich nicht relativieren. Wichtig aber ist, dass die Vorfälle völlig voneinander unabhängig waren und unterschiedliche Ursachen hatten. Die Post hat kein IT-Problem. Im Gegenteil: Mit 1700 Angestellten in der Informatik ist sie eine der grössten IT-Organisationen der Schweiz, die tagtäglich funktionierende Dienstleistungen liefert. Wir bauen den Bereich gerade um und richten ihn auf die künftigen Anforderungen ein. Vor allem dort, wo es um den Nutzen für die Kunden geht, werden wir markant ausbauen.

Kürzlich berichtete der «SonntagsBlick», dass die Post bei der Informatik 15 Prozent sparen wolle.

Die Zahl stimmt, aber nicht in diesem Kontext. Wir haben nicht das Ziel, bei der IT 15 Prozent zu sparen. Wir wollen unser Flaggschiff, die Geschäftseinheit ICT-Post, neu ausrichten und schlanker machen. Dabei kann es auch sein, dass in bestimmten Bereichen gewisse Funktionen nicht mehr wie in der heutigen Form benötigt werden, etwa indem man andere Technologien einsetzt. Dort kann es auch zu einer Personalreduktion kommen. In den Bereichen, wo aber die Zukunft der digitalen Leistungen der Post gestaltet wird, wird aus- und nicht abgebaut.

Wann wird die Post mehr Umsatz mit digitalen Dienstleistungen als mit dem klassischen Postgeschäft erzielen?

Das klassische Postgeschäft steht heute und auch morgen im Zentrum unseres unternehmerischen Handelns. Alle Ergänzungen im Bereich digitale Dienstleistungen sollen primär das Kerngeschäft unterstützen. Die Post ist kein Technologiekonzern. Aber wir setzen alle relevanten Technologien ein, um unsere Leistungen erstklassig erbringen zu können und den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Prioritär bleibt die Sicherstellung und Weiterentwicklung der Kernleistungen.

In Lugano testet die Post Lieferdrohnen, die Laborproben zwischen zwei Spitälern transportieren. Gehört das auch zu den Kernleistungen?

Die Drohnentests sind erfolgreich verlaufen und haben unsere Erwartungen erfüllt. Drohnen sind aber nicht der Kern unseres unternehmerischen Handelns. Die Paketzusteller mit dem Lieferwagen und die Briefzusteller mit dem dreirädrigen Elektrovehikeln werden auch künftig die Mehrheit aller Sendungen ausliefern.

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