Wütende Mediziner: «Herr Berset, hören Sie auf mit dem Ärzte-Bashing!»
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Wütende Mediziner«Herr Berset, hören Sie auf mit dem Ärzte-Bashing!»

In einer Inseratekampagne greift die Zürcher Ärztegesellschaft Bundesrat Berset an. Er wolle mit falschen Zahlen die Ärztelöhne drücken.

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Die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich hat in mehreren Tageszeitungen ein Inserat geschaltet. «Herr Bundesrat, hören Sie auf mit dem Ärzte-Bashing», heisst es darin.

Die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich hat in mehreren Tageszeitungen ein Inserat geschaltet. «Herr Bundesrat, hören Sie auf mit dem Ärzte-Bashing», heisst es darin.

Bersets Absicht sei, die Einkünfte der Ärzte aus der Grundversicherung zu senken. «Wir werden es uns nicht länger gefallen lassen, dass Sie uns verleumden und die Ärzte in der Bevölkerung diffarmieren.»

Bersets Absicht sei, die Einkünfte der Ärzte aus der Grundversicherung zu senken. «Wir werden es uns nicht länger gefallen lassen, dass Sie uns verleumden und die Ärzte in der Bevölkerung diffarmieren.»

Das BAG kontert, es handle sich keineswegs um eine Kampagne. Sprecherin Kathrin Holenstein: «Im Vergleich zur BFS-Analyse hat unsere Studie eine breitere Datenbasis und berücksichtigt die zunehmende Teilzeitarbeit.»

Das BAG kontert, es handle sich keineswegs um eine Kampagne. Sprecherin Kathrin Holenstein: «Im Vergleich zur BFS-Analyse hat unsere Studie eine breitere Datenbasis und berücksichtigt die zunehmende Teilzeitarbeit.»

Keystone/Anthony Anex

Eine Studie des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sorgte kürzlich für Aufsehen: Ärzte verdienen laut dieser viel mehr als bisher angenommen, das mittlere Einkommen liege bei 257'000 Franken im Jahr. 118 Ärzte in der Schweiz würden gar mehr als eine Million Franken verdienen. Bisher war man anhand von BFS-Zahlen davon ausgegangen, dass ein selbstständiger Arzt im Schnitt 154'414 Franken verdient.

Gegen diese Studie laufen die Ärzte nun Sturm. «Herr Bundesrat, hören Sie auf mit dem Ärzte-Bashing», schreibt die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich in einem Inserat, das am Dienstag in mehreren Schweizer Tageszeitungen erschienen ist. Mit falschen Zahlen betreibe Bersets Bundesamt Fehlinformation und wiegle das Volk gegen die Ärzte auf. Die Studie sei tendenziös, irreführend und basiere auf veralteten Daten.

Auch die FMH kritisiert die BAG-Studie

Bersets Absicht sei, die Einkünfte der Ärzte aus der Grundversicherung zu senken. «Wir werden es uns nicht länger gefallen lassen, dass Sie uns verleumden und die Ärzte in der Bevölkerung diffarmieren. Kümmern Sie sich um das, wofür Sie als Gesundheitsminister zuständig sind: Die Aufrechterhaltung der guten Gesundheitsversorgung in der Schweiz!», heisst es im Inserat.

Auch die Schweizer Ärzteorganisation FMH kritisiert nun, nachdem man sich mit der BAG-Erhebung vertieft befasst habe, in einer Mitteilung die Studie: «Die Einkommensstudie des BAG weist gegenüber der Erhebung des BFS erhebliche Mängel auf, die in der Medienmitteilung des BAG nicht dargestellt werden.»

«BFS-Zahlen widerspiegeln Ärzteeinkommen besser»

Die Daten der BAG-Studie stammten aus den Jahren 2009 bis 2014, seien also vor der ersten von zwei Tarifreduktionen des Bundesrats beim Tarmed-Tarif erhoben worden. Sie seien deshalb wenig aussagekräftig in Bezug auf die heute real existierenden Ärzteeinkommen. Die BFS-Studie hingegen basiere auf Daten von 2015, also dem ersten Jahr nach dem ersten Tarifeingriff. «Sie widerspiegeln demnach die heute real existierenden Ärzteeinkommen wesentlich besser.»

Das BAG kontert, es handle sich keineswegs um eine Kampagne. Sprecherin Kathrin Holenstein: «Das BAG hat schon vor einiger Zeit kommuniziert, eine solche Studie durchzuführen. Im Vergleich zur BFS-Analyse hat unsere Studie eine breitere Datenbasis und berücksichtigt die zunehmende Teilzeitarbeit. Zudem wurden erstmals auch Spitalärzte einbezogen.» Die Abdeckung sei mit rund 90% der Ärzte hoch. Man stütze sich auf Zahlen von 2014, weil die AHV-Daten erst verzögert zur Verfügung stehen würden.

Den grossen Unterschied erklärt Holenstein so: «Die beiden Analysen untersuchen je andere Dinge.» Das BFS habe die Versorgungsstruktur im ambulanten Bereich untersucht, etwa die regionale Verteilung von Praxen, die Praxisstruktur oder den Umsatz der Unternehmen. Die Daten beruhen auf der Selbstdeklaration der Unternehmen. «Vertieft analysiert wurden dann Einzelunternehmen und deren Umsätze», so Holenstein. Die Zahlen seien zudem nicht auf Vollzeitäquivalente umgerechnet worden.

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