«Spiegel»-Interview: «Herr Blocher, leiden Sie an Grössenwahn?»
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«Spiegel»-Interview«Herr Blocher, leiden Sie an Grössenwahn?»

Nach dem Ja zur Beschränkung der Zuwanderung steht die Schweiz in Europas Fokus. Im «Spiegel» spricht SVP-Nationalrat Blocher über den Grund für den Abstimmungserfolg.

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SVP-Haudegen Christoph Blocher im «Spiegel»-Interview: «Wir sind gute Europäer.»

SVP-Haudegen Christoph Blocher im «Spiegel»-Interview: «Wir sind gute Europäer.»

Christoph Blocher prägt die Schweizer Europapolitik seit Jahren. Nachdem die SVP-Initiative – von Blocher mit drei Millionen Franken finanziert – die Verträge mit der Europäischen Union in Frage stellt, rückt der 73-jährige Nationalrat auch im Ausland in den Fokus der Medien. In der morgen Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins «Spiegel» wird Christoph Blocher gar das Cover der Schweizer Ausgabe zieren.

Die Einstiegsfrage im Interview (Artikel online nur Auszugsweise verfügbar) macht deutlich, wie Deutschland Blochers Aussagen nach der gewonnenen Abstimmung bewertet: «Herr Blocher, Sie haben gesagt, dass die EU in den kommenden Verhandlungen mit der Schweiz Bittstellerin sei. Leiden Sie an Grössenwahn?»

Der alt Bundesrat kontert mit einer Aufzählung aller Forderungen der EU an die Schweiz: Anpassung der Steuergesetze, Zinsbesteuerung auf Konten von EU-Bürgern, Übernahmen von EU-Recht. Das seien alles Dinge, die im Interesse der EU lägen, sagt Blocher im Interview. «Wenn die EU jetzt droht, sie würde die bilateralen Verhandlungen abbrechen, kann sie dies tun. Die Schweiz geht dabei nicht unter.»

Die Schweiz lässt sich das nicht gefallen

Blocher betont, dass die Schweiz keine Verträge breche. Aber man habe Verträge mit Revisionsklauseln und Kündigungsfristen abgeschlossen. Diese halte man ein. Die EU behandle die Schweiz von oben herab. «Kleine Länder straft man ab wie kleine Buben. Das darf sich die Schweiz nicht gefallen lassen.»

Dass die EU nun die Schweiz vom Markt ausschliesse, befürchtet Blocher nicht. Allein das Transitabkommen durch die Schweiz sei für die EU-Länder zu wichtig. Der SVP-Haudegen droht auch gleich: «Der Gotthard liegt in diesem kleinen Land. Wenn die EU den Vertrag kündigt, können wir mit dieser Strasse ja machen, was wir wollen.»

30 Prozent Ausländer bei Ems-Chemie

Christoph Blocher spricht im Interview auch seine Ems-Chemie an. Diese habe vor zehn Jahren noch rund 90 Prozent ins Ausland exportiert, zwei Drittel davon in die EU. Mittlerweile sei dieser Anteil auf die Hälfte geschrumpft, weil die europäische Wirtschaft lahme. Dass bei der Ems-Chemie rund 30 Prozent Ausländer arbeiten, sei für ihn kein Widerspruch: «Wir hätten diese Personen auch ohne Personenfreizügigkeit bekommen. Wegen der Abmachungen mit der EU müssen wir jedoch Europäern den Vorrang geben, das dürfte wegfallen, dann können wir weltweit die besten Fachkräfte holen.»

Das ganze Interview mit Christoph Blocher erscheint in der «Spiegel»-Ausgabe vom 17. Februar 2014. Online ist es für 3,99 Euro erhältlich.

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