Herr der Rüstungen gibt auf
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Herr der Rüstungen gibt auf

Landesmuseums-Direktor Andres Furger wird seinen Posten zu einem noch unbestimmten Zeitpunkt verlassen. Damit hat er die Schlacht gegen das Bundesamt für Kultur verloren.

Er und das Bundesamt für Kultur (BAK), dessen Direktor Jean-Frédéric Jauslin seine Entlassung verlangte, verhandeln über seinen Abgang.

Beide Parteien wollten eine Lösung finden, die alle befriedigt, sagte Jean-Marc Crevoisier, Sprecher des Eidg. Departements des Innern (EDI), zu einem Bericht der «Neuen Luzerner Zeitung» vom Dienstag. Crevoisier weilt zurzeit am Filmfestival in Cannes mit EDI-Chef Pascal Couchepin, dem das BAK untersteht.

Couchepin sagte der Zeitung, Furger werden die Direktion des Landesmuseums verlassen, und in der Verwaltung werde wieder Ruhe einkehren. Es gäbe eine Gruppe, welche die Affäre systematisch inszeniert habe. Doch am Ende würden die Museen mehr Autonomie haben.

Die berufliche Zukunft des Direktors des Landesmusuems in Zürich sei aber noch ungewiss, sagte Crevoisier. Es sei immer noch ein Seilziehen im Gang. Beide Parteien seien sich aber im Klaren, dass es nicht wie bisher weitergehen könne. Eine Lösung werde sich in den nächsten Tagen oder Wochen abzeichnen, sagte der EDI-Sprecher.

Entlassung wegen Differenzen

Wegen Differenzen über die künftige Museumspolitik hatte Jauslin von Couchepin Anfang April die Entlassung von Furger verlangt. Die fundamentale Differenz zwischen der Museumspolitik des BAK und der Vorstellung Furgers liege darin, dass Furger mit seiner Gruppe Musée Suisse eine Teillösung anstrebe, sagte danach Jauslin.

In der Gruppe, deren Direktor Furger ist, sind 8 Schweizer Nationalmuseen zusammengeschlossen. Das BAK möchte aber alle 15 in ein Gesamtkonzept einbinden. Laut Angaben von Jauslin von Anfang April will das BAK aber damit nicht die Museumspolitik zentralisieren.

Die Nationalmuseen, auch das Landesmuseum in Zürich, sollen im Gegenteil mehr Autonomie auf operationellem Gebiet bekommen. In Bern soll laut Jauslin nur die strategische Führung stationiert sein. Er wirft Furger zudem Managementfehler im Finanz-, Personal- und Informationswesen vor. Furger weist diese Vorwürfe zurück.

Auflösung fragwürdig

Die Auflösung der Musée-Suisse-Gruppe ist laut Angaben von Furger von Anfang April aus verschiedenen Gründen nicht ohne weiteres möglich. So unterstünden beispielsweise nicht nur die Museen von Musée Suisse einer eigenen Organisationsstruktur, sondern auch diejenigen, die zur ETH Zürich gehören.

Zudem wäre es von den Statuten her möglich, auch die restlichen sieben Nationalmuseen Musée Suisse einzugliedern. Für ein Netzwerk, wie es Jauslin möchte, bestehen laut Furger jedoch noch keine Pläne. Er stellte darum in Frage, warum eine funktionierende Lösung zerstört werde, bevor befriedigender Ersatz da sei.

(sda)

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