Prozession: Herr der Wunder wird durch Zürich getragen
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ProzessionHerr der Wunder wird durch Zürich getragen

Es sah aus, wie in einem peruanischen Bergdorf, fand aber mitten im zwinglianischen Zürich statt: Eine Prozession mit bunten Trägern, Musik, Weihrauch, Jesus- und Marienfigur.

von
rn
Prozession nach peruanischem Vorbild in Zürich.

Prozession nach peruanischem Vorbild in Zürich.

Zuerst hörte man die Musik aus einem Lautsprecher, dann folgte ein für hiesige Verhältnisse ungewohntes Bild: Eine Gruppe starker Männer mit lilafarbenen Übergewändern trug einen geschmückten Holzaufbau durch die Zürcher Innenstadt. Rund 200 Katholiken folgten den Männern. Eskortiert von Polizisten auf Motorrädern bewegte sich der Tross am Sonntagnachmittag nur langsam durch die dünn frequentierten Strassen.

Dem Altar mit dem traditionellen Abbild des gekreuzigten Jesu auf der Vorderseite und ein Marienbildnis auf der Rückseite voraus gingen ein gutes Dutzend Frauen mit weissen Kopftüchern, welche den Altar immer wieder beweihräucherten. Grund der Prozession war eine peruanische Tradition, wie Antonio Canales, Chefträger der Bruderschaft des Herrn der Wunder (Hermandad del Señor de los Miagros) zu 20 Minuten Online sagt.

Das Abbild des gekreuzigten Christi sei eine Kopie einer traditionellen peruanischen Darstellung aus dem 17. Jahrhundert, die ein afrikanischer Sklave gemalt haben soll. «In Peru dauern die Festivitäten zu Ehren des Señor de los Miagros von Anfang bis Ende Oktober mit mehreren Prozessionen pro Woche», erklärt Canales. Seit ein paar Jahren führt die peruanische Diaspora jeweils an einem Sonntag im Oktober auch in Zürich eine Prozession durch. «Wir wollen unserer Tradition treu bleiben und diese auch unseren Kindern weitergeben», sagt der 44-jährige Peruaner.

Keine Italiener

Die Stadtpolizei, welche den Umzug eskortiert hattte, sprach am Sonntagabend auf Anfrage von einer Prozession der Missione cattolica italiana. Diese hatte aber nichts mit dem Anlass zu tun.

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