Basler Sicherheitsdirektor: Herr Dürr, hat Basel ein Gewaltproblem?
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Basler SicherheitsdirektorHerr Dürr, hat Basel ein Gewaltproblem?

Die Stadt Basel weist unter den Schweizer Städten die meisten Gewalttaten pro Einwohner auf. Sicherheitsdirektor Baschi Dürr äussert sich zur Lage.

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Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) äussert sich zur Kriminalitätslage in der Stadt.

Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) äussert sich zur Kriminalitätslage in der Stadt.

Keystone/Georgios Kefalas
Im Juli wurde am Kleinbasler Rheinufer ein 41-jähriger Portugiese zu Tode geprügelt.

Im Juli wurde am Kleinbasler Rheinufer ein 41-jähriger Portugiese zu Tode geprügelt.

20 Minuten
Unweit davon wurde Anfang Oktober eine Frau am hellichten Tag vergewaltigt.

Unweit davon wurde Anfang Oktober eine Frau am hellichten Tag vergewaltigt.

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In Basel wurde am Rheinbord im Juli ein Mann zu Tode geprügelt, vor kurzem in der Nähe eine Frau vergewaltigt und am Wochenende eine andere Frau vor ihrer Haustüre niedergeschlagen und ausgeraubt. Hat Basel ein Gewaltproblem?

Die Vorfälle machen betroffen, selbstverständlich auch mich. Was den Todesfall im Sommer anbelangt, konnte die Staatsanwaltschaft den mutmasslichen Täter fassen, was den Vorfall aber nicht ungeschehen macht. Es zeigt, dass die Polizei und die Gesellschaft gefordert sind, diesen Gewaltdelikten entgegenzuwirken. Wir sind ständig dabei, unsere Präsenz und Effektivität zu verbessern, sei es im operativen, im politischen oder im rechtlichen Bereich.

Trotz all dieser Massnahmen liegt Basel bei den Gewaltdelikten pro Einwohner im Vergleich zu anderen Schweizer Städten vorne. Woran liegt das?

Das ist eine gute Frage. Wir sind unter anderem mit der Schwerpunktsetzung Gewaltdelikte daran, dies genauer zu untersuchen. Ein Aspekt ist die Bevölkerungsdichte, die in Basel deutlich höher ist als zum Beispiel in Zürich oder in Bern. Genf ist zwar dichter und weist mehr Verstösse gegen das Strafgesetzbuch pro Kopf auf als Basel. Zudem ist im Fall von Basel vor allem der Kern der Stadt betroffen. Eingemeindungen anderer Städte könnten die Zahlen verwässern. Am Ende sind das aber alles nur Statistiken. Denn ungeachtet dessen müssen wir präsent sein, um Gegensteuer geben zu können. Auch wenn die Zahlen anders aussähen, würden wir nicht weniger machen. Wir müssen die Mittel, die wir haben, bestmöglich einsetzen.

Hat Basel denn ausreichend Polizeikräfte, um das zu bewältigen?

Wir haben eine hohe Polizeidichte, die höchste der Kantone. In letzter Zeit haben wir Polizeistellen geschaffen und Vakanzen deutlich reduziert. Insgesamt ist das ein Anstieg von 130 Mitarbeitern bei der Kantonspolizei über die letzten acht Jahre. Ein grosser Teil davon ist uniformiert auf der Strasse unterwegs. Hinzu kommen Massnahmen zur Effizienzsteigerung, zum Beispiel die Reduktion der Bürokratie auf den Polizeiposten durch digitale Mittel.

Basel und Genf sind bei den Deliktzahlen pro Kopf vergleichbar. Hängt das mit der Grenzlage zusammen?

Statistiken zeigen, dass an der Grenze, in den Städten und an Verkehrswegen grundsätzlich mehr passiert. All diese Kriterien treffen auf Basel zu. Darum ist die Zusammenarbeit mit dem Ausland wichtig, und darum setze ich mich beispielsweise auch dafür ein, dass Schengen auf keinen Fall gefährdet wird.

Was können Sie den Menschen sagen, die sich im Angesicht der jüngsten Gewaltdelikte um ihre Sicherheit sorgen?

Die Politik nimmt das selbstverständlich ernst. Darum haben wir die Polizei ausgebaut. Wir waren auch an einer Studie beteiligt, die die Sicherheit im öffentlichen Raum untersucht hat, unter anderem im Hinblick auf die bauliche Situation und Lichtverhältnisse. Ferner arbeiten wir an einer datenrechtlichen Grundlage, um uns mit Nachbarkantonen über Intensivtäter austauschen zu können. Das ist bisher nicht möglich. Hinzu kommt, dass die Gesamtkriminalität derzeit insgesamt rückläufig ist.

Was können die Einwohner beitragen?

Zivilcourage ist ein wichtiges Thema. Es geht dabei nicht darum, sich in eine Schlägerei einzumischen, sondern sofort die Polizei zu verständigen. Diese kann nicht immer und überall sein, aber wenn alarmiert, ist sie dank der hohen Dichte in der Regel sehr schnell vor Ort.

Kriminalität in Basel

Im Jahr 2017 wurden in Basel 19'300 Vergehen gegen das Strafgesetzbuch (StGB) registriert. Damit liegt die Stadt im Vergleich mit anderen Schweizer Grossstädten (über 100'000 Einwohner) mit 112,9 StGB-Delikten pro 1000 Einwohner an dritter Stelle hinter Genf (129,9) und Lausanne (113). Dies geht aus den Kantonalen Polizeikriminalstatistiken hervor, die auf Zahlen des Bundesamts für Statistik basieren.

Betrachtet man die Kategorie Gewaltdelikte isoliert, lag Basel 2017 gar an der Spitze mit 13,7 Gewaltdelikten pro 1000 Einwohner, gefolgt von Lausanne (11,4) und Zürich (10,3).

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