10 Jahre Chef: Herr Sutter, sind Sie zufrieden mit ihrer Zeit als Coop-CEO?
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10 Jahre ChefHerr Sutter, sind Sie zufrieden mit ihrer Zeit als Coop-CEO?

Coop konnte sich im Krisenjahr gut behaupten – ein denkwürdiges Abschlussjahr für CEO Joos Sutter, der seinen Posten aufgibt und Präsident werden will. Jetzt zieht der Manager Bilanz.

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Raphael Knecht
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Joos Sutter spricht über seine Zeit als Coop-CEO – sein letztes Bilanzgespräch findet virtuell statt. (Im Bild mit Rebecca Veiga, Leiterin der Medienstelle)

Joos Sutter spricht über seine Zeit als Coop-CEO – sein letztes Bilanzgespräch findet virtuell statt. (Im Bild mit Rebecca Veiga, Leiterin der Medienstelle)

Coop
Sutter ist seit 2011 CEO der Coop-Gruppe.

Sutter ist seit 2011 CEO der Coop-Gruppe.

Coop
Bevor er Geschäftsleitungsvorsitzender wurde, war Joos unter anderem als Interdiscount-Chef tätig.

Bevor er Geschäftsleitungsvorsitzender wurde, war Joos unter anderem als Interdiscount-Chef tätig.

Coop

Darum gehts

  • Joos Sutter war zehn Jahre CEO von Coop und will nun Verwaltungsratspräsident werden.

  • Im Gespräch mit 20 Minuten schaut er auf die Zeit zurück.

  • Besonders freut er sich über die Entwicklung bei nachhaltigen Produkten.

  • In der Krise konnte sich der Detailhändler zudem gut behaupten.

  • Coop sei nun gut auf die Wiederöffnung der Läden vorbereitet.

Am Dienstag hat Joos Sutter zum letzten Mal als CEO die Coop-Bilanz präsentiert. Das Unternehmen konnte trotz Umsatzverlust den Gewinn steigern. Anfang Mai wird Sutter sein Amt an Nachfolger Philipp Wyss weitergeben. Der bisherige CEO soll dann zum Verwaltungsratspräsidenten der Coop-Gruppe gewählt werden. Im Gespräch mit 20 Minuten zieht der Top-Manager Bilanz – nicht nur über das Corona-Jahr, sondern auch über sein Jahrzehnt als Coop-CEO:

Herr Sutter, sind Sie zufrieden mit ihrer Zeit als CEO?

Ich kam zu einer guten Zeit zu Coop. Man sagte 2011 zwar, es werde für uns extrem schwierig, weil die Migros ins Markengeschäft einstieg. Aber wir haben uns betriebswirtschaftlich gut entwickelt und konnten in zehn Jahren den Umsatz von 20 auf über 30 Milliarden Franken steigern. Auch die Belegschaft stockten wir von rund 50’000 auf 90’000 Mitarbeiter auf.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Mich freut, dass der Nachhaltigkeitsbereich stark gewachsen ist. Ein Umsatz von 5,4 Milliarden Franken sucht in der Schweiz seinesgleichen. Und wir hätten uns nie vorgestellt, dass wir so schnell mit Bio-Produkten einen Umsatz von 2 Milliarden Franken erzielen können. Ich bin aber auch generell stolz auf das sehr gute Management-Team. Wir hatten immer gute Lohnrunden und haben in der Corona-Zeit zweimal Prämien an die Mitarbeiter gezahlt.

2020 war ein denkwürdiges Abschlussjahr, oder?

An 2020 werden wir uns alle noch lange erinnern. Es hat sich gezeigt, dass es nicht immer entscheidend ist, alles am Besten zu wissen. Viel wichtiger war die Fähigkeit, neue Realitäten rasch zu akzeptieren, sowie schnell und unkompliziert zu handeln. Coop ist das in wesentlichen Teilen sehr gut gelungen und wir konnten im Krisenjahr wachsen.

Coop steigert Gewinn trotz weniger Umsatz im Corona-Jahr

Die Coop-Gruppe konnte 2020 den Gewinn erneut steigern. Er kletterte um 8 Millionen auf 539 Millionen Franken. Allerdings hat der Konzern vergangenes Jahr mit 30,2 Milliarden Franken 0,2 Prozent weniger Umsatz gemacht. Besonders Grosshandel und Produktion litten in der Krise, wie das Unternehmen mitteilt. Dafür konnten die Supermärkte punkten: Sie waren 2020 mit 14,3 Prozent im Plus – insgesamt liegt der Detailhandelsumsatz von Coop bei 19,1 Milliarden Franken. Der Händler profitierte davon, dass die Restaurants geschlossen waren und die Konsumenten darum mehr zuhause kochten. Auch die Einschränkungen beim Einkaufstourismus seien fürs Geschäft zuträglich gewesen.

Gehts auch nach der Krise so weiter?

Sicherlich. Wenn Corona vorbei ist, werden zwar die Grenzen und Restaurants wieder öffnen und das wird der Gesamtmarkt spüren. Aber wir sind so gut aufgestellt, dass wir da robuster sein werden als andere.

Kommt nach dem Lockdown der Corona-Ausverkauf?

Da und dort wird es beträchtliche Lagerbestände haben, gerade im Nonfood-Bereich. Darum wird es sicher gewisse Aktionen geben – nicht nur bei Coop. Aber ich kann Ihnen sagen: Wir sind für die Wiederöffnung parat.

Wünschen Sie sich, dass der Bundesrat bald die Bestimmungen lockert?

Ich möchte mit dem Bundesrat nicht die Rollen tauschen müssen. Darum halte ich mich da mit Kommentaren zurück. Die langfristigen Strategien von Coop haben sich trotz der Einschränkungen bewährt.

Sie sind zum neuen Präsidenten der Coop-Gruppe nominiert…

Der Verwaltungsrat hat viele Optionen in Erwägung gezogen und bevorzugt eine interne Lösung, bei der das Know-how erhalten bleibt.

Lohn und Boni

Coop-Chefs verdienen rund 720’000 Franken

Wie viel Sutter genau in seinem letzten Jahr als CEO verdient hat, will Coop nicht beantworten. Die Geschäftsleitung kriegt insgesamt 4,2 Millionen Franken auf sieben Personen verteilt – pro Kopf wären das 600’000 Franken. Dazu kommen Boni in Höhe von maximal 20 Prozent des Bruttosalärs, also um die 120’000 Franken pro Person. Es ist allerdings denkbar, dass Sutter als CEO einen grösseren Anteil dieses Lohntopfs erhält.

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