Mega-Shitstorm: «Herr Vasella sieht sich absolut im Recht»
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Mega-Shitstorm«Herr Vasella sieht sich absolut im Recht»

Um den scheidenden Novartis-VR-Präsidenten Daniel Vasella tobt ein Sturm der Entrüstung. Doch das dürfte ihn kaum belasten, glaubt Psychologe Richard Keller.

von
loo
Hat Spitzenmanager Daniel Vasella ein Gehör für den Entrüstungssturm gegen seine Abgangsentschädigung?

Hat Spitzenmanager Daniel Vasella ein Gehör für den Entrüstungssturm gegen seine Abgangsentschädigung?

Nicht nur der Stammtisch - auch Bundesräte, Politiker und Wirtschaftsführer sind hell empört über Daniel Vasellas 72-Millionen-Deal fürs Nichtstun. Wird ihn diese Kritik treffen?

Richard Keller:Ich glaube nicht, dass er ein schlechtes Gewissen hat. Herr Vasella sieht sich absolut im Recht. Er wird sagen, dass er viele Arbeitsplätze geschaffen und viel für die Schweiz getan habe. Das ist ein Verhaltensmuster, das man beim Typus Erfolgsmensch oft beobachten kann. Diese leben in ihrer ­eigenen Welt, in der gesellschaftliche Moralvorstellungen nicht gelten.

Was ist das für eine Welt?

Es ist eine abgehobene Welt. In dieser Welt geht es vor allem um Einfluss und Selbstdar­stellung – so wird Herr Vasella auch erwarten, dass seine 72-Millionen-Spende in der ­Öffentlichkeit gebührend gewürdigt wird. Viele Spitzenmanager sind davon überzeugt, einmalig zu sein, und werden angetrieben von Erfolgsvisionen.

Gibt es in Vasellas sozialem Umfeld niemanden, der solche Lohnexzesse kritisch hinterfragt?

Offensichtlich nicht. Mächtige Persönlichkeiten scharen vor allem Jasager um sich, die sie bewundern. Sie haben oft ein magisches Charisma, mit dem sie Menschen beeinflussen. Was Herrn Vasella angeht, verfügt er über herausragende rhetorische Fähigkeiten.

Wenn Roger Federer Millionen verdient, ist die Öffentlichkeit nicht empört. Wieso?

Das sind zwei grundverschiedene Fälle. Roger Federer ist Alleinunternehmer, die Novartis eine Aktiengesellschaft, zu deren wirtschaftlichem Erfolg viele beitragen.

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