Zulassungsgesuche geplant - Hersteller bereiten Covid-19-Impfungen für Säuglinge und Kinder vor
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Zulassungsgesuche geplantHersteller bereiten Covid-19-Impfungen für Säuglinge und Kinder vor

Aktuell laufen mehrere Studien zu Corona-Impfungen für Kinder. Selbst Babys könnten schon bald gegen das Virus geimpft werden – zumindest theoretisch.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Für Kinder bis 12 Jahre ist bislang kein Covid-19-Impfstoff zugelassen. 

Für Kinder bis 12 Jahre ist bislang kein Covid-19-Impfstoff zugelassen.

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Doch das könnte sich möglicherweise bald ändern. 

Doch das könnte sich möglicherweise bald ändern.

BZ
Die Hersteller der mRNA-Impfstoffe Pfizer/Biontech und Moderna zeigen sich optimistisch, schon bald entsprechende Impfungen anbieten zu können. 

Die Hersteller der mRNA-Impfstoffe Pfizer/Biontech und Moderna zeigen sich optimistisch, schon bald entsprechende Impfungen anbieten zu können.

REUTERS

Darum gehts

  • Eine Corona-Impfung für die ganz Kleinen könnte bald schon möglich sein.

  • Die Hersteller der mRNA-Impfstoffe wollen noch dieses Jahr eine entsprechende Zulassungen beantragen.

  • Ob und wann die Impfung für Personen unter 12 Jahren auch in die Schweiz kommt, ist offen.

Die in der Schweiz verfügbaren Covid-19-Impfstoffe – Modernas Spikevax und Pfizer/Biontechs Comirnaty – sind bislang erst für Personen ab 12 Jahren zugelassen. Jüngere können sich nicht gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 immunisieren – zumindest vorerst. Die beiden Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna wollen laut eigenen Angaben noch im Herbst, spätestens aber im Frühjahr 2022, Zulassungsanträge für einen Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren einreichen.

Die Studien für Impfstoffe für Kinder unter 12 Jahren laufen seit März. Im September und Oktober sollen sie abgeschlossen sein, berichtet Handelsblatt.com. Bisher werden nur die beiden mRNA-Impfstoffe in der Altersgruppe der unter Zwölfjährigen getestet. An den Studien nehmen jeweils mehrere Tausend Kinder im Alter ab sechs Monaten teil.

Besondere Herausforderungen bei Kinderimpfungen

Für die Hersteller sind die Tests mit Kindern besonders herausfordernd. «Die Studien in dieser Altersklasse haben höhere Auflagen, mehr Vorschriften und sind auch zeitlich aufwendiger», zitiert das «Handelsblatt» Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln.

Den Grund dafür nennt Alex Josty, Sprecher bei Swissmedic, jenem Institut, das in der Schweiz für die Zulassung von Medikamenten und auch Impfstoffen zuständig ist: «Kinder stellen eine Patientengruppe dar, bei welcher die Pharmakokinetik und die Pharmakodynamik anders als bei Erwachsenen ist und die demzufolge anders auf Arzneimittel reagiert.» (siehe Box)

Entsprechend müssten die Besonderheiten jedes Kindesalters bei einer Zulassung berücksichtigt werden, erklärt Josty. So muss etwa die Dosierung an die geringere Körpergrösse und das leistungsfähigere Immunsystem jüngerer Kinder angepasst werden, da verschiedene Altersgruppen unterschiedliche Mengen des Wirkstoffs bekommen. Zusätzlich muss der individuelle Nutzen einer Impfung klar nachgewiesen sein, so Dötsch gegenüber des «Handelsblatts». «Der gesellschaftliche Nutzen darf bei der Bewertung keine Rolle spielen.»

Was heisst Pharmakokinetik und die Pharmakodynamik?

Die Pharmakokinetik beschreibt die Gesamtheit aller Prozesse, denen ein Arzneistoff im Körper unterliegt. Dazu gehören die Aufnahme des Arzneistoffes, die Verteilung im Körper, der biochemische Um- und Abbau sowie die Ausscheidung.

Die Pharmakodynamik ist die Lehre über die Wirkung von Arzneistoffen im Organismus. Sie behandelt verschiedene Aspekte wie das Wirkprofil, die Dosis-Wirkungsbeziehung, den Wirkmechanismus sowie Wechselwirkungen eines Arzneistoffes mit anderen Molekülen.

Anders ausgedrückt: Während die Pharmakodynamik die Wirkung auf den Körper beschreibt, behandelt die Pharmakokinetik die Verteilung und Verarbeitung im Körper.

Offene Fragen

Ob die Impfstoffe für die unter 12-Jährigen bei einer Zulassung durch Swissmedic dann auch direkt flächendeckend eingesetzt werden sollen, ist noch offen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Eidgenössische Kommission für Impffragen sie empfehlen wird. Denn ob Kinder überhaupt geimpft werden müssen, um vor Covid-19 geschützt zu sein, ist umstritten. Schliesslich sind schwere Verläufe, die im Spital behandelt werden müssen, sehr selten, wie unter anderem Zahlen des deutschen Robert-Koch-Instituts zeigen: Demnach waren bis Juni nur rund ein Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahren betroffen, bei Säuglingen unter einem Jahr waren es etwa zwei Prozent der Fälle. Tödlich endet eine Infektion so gut wie nie. Bei den wenigen bekannten Todesfällen von Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit Covid-19 gab es stets schwere Vorerkrankungen.

Allerdings ist nach wie vor nicht gänzlich geklärt, ob und wenn in welchem Ausmass Kinder trotz asymptomatischen oder milden Verlauf auch Komplikationen wie Long Covid entwickeln können.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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