Aktualisiert 04.05.2012 09:15

Babbels Rachefeldzug«Hertha hat den Abstieg verdient»

Ex-Hertha-Coach Markus Babbel gastiert am letzten Bundesliga-Spieltag mit Hoffenheim in Berlin. Gewinnt er, steigt Hertha ab. Babbel würde sein ehemaliges Team am liebsten selbst abschiessen.

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Der Rausschmiss bei Hertha scheint Markus Babbel noch gehörig zu stinken.

Der Rausschmiss bei Hertha scheint Markus Babbel noch gehörig zu stinken.

Am Samstag heisst es für Hertha Berlin alles oder nichts. Gewinnen die Berliner die letzte Partie der Saison gegen Hoffenheim, so klettert der Hauptstadtklub auf den vorerst rettenden Barrage-Platz. Resultiert nur ein Remis oder gar eine Niederlage, steigt Hertha mit dem Schweizer Fabian Lustenberger nach nur einer Saison in der Bundesliga wieder ab.

Die ganze Rechnerei ist jedoch müssig, wenn der 1. FC Köln gleichzeitig im Heimspiel gegen Bayern München siegt. Dann nämlich werden die Geissböcke die Barrage gegen den Drittplatzierten der zweiten Bundesliga bestreiten. Ein erneuter Abstieg käme in Berlin einem Schock gleich und wäre der traurige Schlusspunkt einer missratenen Saison.

Babbel rechnt mit Hertha ab

Lustenberger und seine Teamkollegen haben sich vor dem alles entscheidenden Spiel in einem offenen Brief an ihre Fans gewandt: «Wir bitten Euch alle, jeden Einzelnen von Euch - auch diejenigen unter Euch, die meinen, dass wir es gar nicht mehr verdient hätten: Helft uns 90 Minuten lang, unterstützt uns 90 Minuten lang, macht 90 Minuten Dampf, seid 90 Minuten für uns da!», schreibt Kapitän Lewan Kobiaschwili auf der Homepage des Vereins.

Mit Markus Babbel entscheidet ausgerechnet der Trainer, der Hertha vor einem Jahr zurück in die Bundesliga führte, über die Zukunft seines ehemaligen Vereins. Mittlerweile trainiert dieser nämlich die Hoffenheimer und nimmt vor dem Showdown kein Blatt vor den Mund. «Mit mir wäre die Hertha nicht abgestiegen», rechnet er mit seinem Ex-Klub ab, wo er im Dezember nach einem heftigen Streit mit Geschäftsführer Michael Preetz den Stuhl räumen musste.

«Wer nur acht Punkte holt, darf sich nicht beklagen»

Selbst wenn der 39-jährige Babbel immer noch ein Hertha-Tattoo auf dem Oberarm trägt, nutzt er sein erstes Gastspiel für eine persönliche Retourkutsche. Der Rausschmiss scheint ihm bis heute alles andere als gerechtfertigt, was man ihm irgendwie nicht übel nehmen kann. Mit ihm haben die Berliner bis Saisonmitte 20 Punkte gesammelt, unter den nachfolgenden Coaches Michael Skibbe, Interimstrainer René Tretschock und jetzt Feuerwehrmann Otto Rehhagel nur acht mickrige Zähler.

«Wer in der Rückrunde nur acht Punkte holt, von besseren Teams überholt wird und es so sportlich nicht schafft, darf sich nicht beklagen. Dann hat Hertha den Abstieg verdient.» Für seinen 90-minütigen Fight gegen die Hertha, wo er eineinhalb Jahre amtete, sucht er die Unterstützung bei seinem neuen Verein. In Berlin müsst ihr besonders laut sein. Den Gefallen müsst ihr mir tun», sagte er zu den Hoffenheim-Fans.

Den Berlinern scheint das Nachtreten des Ex-Trainers nicht sauer aufzustossen. Geschäftsführer und Hertha-Legende Michael Preetz wollte die Sticheleien nicht kommentieren, konnte es dann aber doch nicht sein lassen: «Wir spielen gegen Hoffenheim und nicht gegen Babbel. Im Fussball gibt es normalerweise die Rote Karte, wenn jemand nachtritt.»

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