«Hertha wartet auf die Entscheidung von Favre»
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«Hertha wartet auf die Entscheidung von Favre»

Lucien Favre ist der Topfavorit auf den Trainerstuhl beim Bundesligisten Hertha Berlin. Gemäss deutschen Medienberichten muss der Zürcher Meistertrainer nur noch «Ja» sagen.

Wenige Tage nach dem Gewinn des Meistertitels kursiert im Umfeld des FC Zürich die Befürchtung, dass Lucien Favre in die Bundesliga abspringen könnte. Berlins Manager Dieter Hoeness interessiert sich ernsthaft für den erfolgreichen Romand.

Die «Berliner Morgenpost» nannte Favre als einen von drei seriösen Kandidaten für den Trainerposten. Bis zum Pfingstmontag wollte die Führungscrew der Hertha darüber informieren, ob der Vertrag mit dem Interimscoach Karsten Heine verlängert wird. Nun vertagte die Vorstandsetage den Personalentscheid. Zur Debatte steht gemäss den lokalen Medien auch der Norweger Trond Sollied (bis im Winter bei Olympiakos Piräus). Gemäss dem Berliner Pressesprecher wird in zwei bis drei Tagen entschieden.

Deutschen Quellen zufolge hat Hoeness mit dem Zürcher Coach Kontakt aufgenommen und ihn zur Auslotung der Situation bereits getroffen. Dem FCZ lag am Montagabend allerdings noch keine offizielle Anfrage vor. «Wir haben bis jetzt von Berlin nichts gehört», erklärte Präsident Ancillo Canepa. «Vor drei oder vier Wochen habe ich mit Favre die nächste Saison besprochen. Wir vereinbarten dabei, dass der Klub bei einem wirklich interessanten Angebot für Favre mit sich reden liesse.»

Canepa mag die Lage zwar nicht dramatisieren, schliesst aber einen Transfer seines Trainers nicht hundertprozentig aus: «Wenn er die Chance hat, sich weiter zu profilieren, darf Favre sich das durchaus überlegen. Das würde ja jeder tun. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass er geht.» Hektik brach im FCZ keine aus. Sie stünden so oder so ständig im Dialog mit Favre, so Canepa.

Favre selber war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Offenbar wollte er sich in Ruhe Gedanken zur eigenen Zukunft machen. Sein Vertrag beim FCZ dauert noch bis 2008 und würde je nach Erfolg im Europacup (Erreichen der Gruppenspiele) automatisch um ein Jahr verlängert. Seit seiner schwierigen Ankunft in Zürich vor vier Jahren gewann der 49-Jährige den Cup und zuletzt zweimal in Serie den Titel. Im Sommer würde sich ihm die Chance bieten, mit dem FCZ erstmals die Champions League zu erreichen.

Im europäischen Business ist die Hertha indes nicht vertreten. Der Grossklub produziert seit Jahren mehrheitlich negative Schlagzeilen. Auch die letzte Saison verlief turbulent. Im April trennte sich der Verein wegen der drohenden Abstiegsgefahr von Trainer Falko Götz. 2001 leistete sich Berlin im UEFA-Cup eine peinliche 0:3-Heimniederlage gegen Servette - die Grenats wurden damals von Favre gecoacht.

Der Berliner Kurier meinte dazu: «Favre gilt in punkto Taktik und Talente als eine Spürnase. Passt auch für Hertha mit den vielen Jung-Stars. Der einst brillante Fussballer (24 Länderspiele, Fussballer des Jahres 1983) ist ein exzellenter Trainer. Zwei Mal (Genf und FC Zürich) wurde er Pokalsieger. Die Züricher führte er 2006 und 2007 zur Meisterschaft. 2006 wurde Favre Trainer des Jahres. Sein vielleicht grösstes Plus: Er lässt begeisternden Offensivfussball spielen.»

Gemäss der Berliner Morgenpost hänge die verpflichtung nur noch am Entscheid des Schweizers: «Favre ist Herthas Wunschkandidat für den Posten des Cheftrainers. Die Hertha wartet auf seine Entscheidung, auch wenn noch kein konkretes Angebot vorliegt.» Er habe um Bedenkzeit gebeten, da er in Zürich noch einen Vertrag bis Juni 2008 besitzt und auch von französischen Vereinen umworben wird.

(si/mat)

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