09.10.2019 15:52

Mollis GL«Herumliegende Tampons sehen aus wie tote Mäuse»

Christian Drescher ist sauer: Auf der Fronalp oberhalb von Mollis GL gibt es im ganzen Wandergebiet keine öffentliche Toilette. Deshalb wollen alle auf seine.

von
del
1 / 8
Christian Drescher ist empört über die Zustände auf der Fronalp. Da es keine öffentlichen Toiletten gibt, kommen Touristen zu ihm.

Christian Drescher ist empört über die Zustände auf der Fronalp. Da es keine öffentlichen Toiletten gibt, kommen Touristen zu ihm.

Christian Drescher
Die Fronalp ist ein beliebter Ort für Biker und Wanderer.

Die Fronalp ist ein beliebter Ort für Biker und Wanderer.

Christian Drescher
Drescher ist Besitzer des Stockhaus.

Drescher ist Besitzer des Stockhaus.

Christian Drescher

Die Fronalp zieht jedes Jahr etliche Biker- und Wandergruppen an. Doch die Touristen werden vor ein Problem gestellt, wie die «Südostschweiz »berichtet: Im ganzen Wandergebiet hat es kein einziges WC.

Früher haben mehrere Berggasthäuser nicht nur Verpflegungsmöglichkeiten, sondern auch Toiletten geboten. Heute sind aber alle geschlossen. Genau das wird Christian Drescher zum Verhängnis. Er ist der Besitzer des Stockhaus, eines Berggasthauses, das zurzeit zum Event-Lokal umgebaut wird. Noch ist es nicht geöffnet und trotzdem kommen Wanderer und Biker, die bei ihm aufs stille Örtchen wollen. In einem an den Gemeindepräsidenten von Glarus Nord gerichteten Schreiben beklagt sich Drescher über «die unhaltbaren Zustände».

WC-Touristen zähle er nicht mehr

Darin heisst es: «Was überhaupt nicht geht und an Menschenwürde verachtende Respektlosigkeit grenzt, ist, dass der Tourismousverantwortliche von Glarus Nord Leute in die Region lockt, obwohl er genau weiss, dass kein einziges WC zur Verfügung steht.» So kämen alle zu ihm. Regelmässig würden Frauen in Not zu ihm kommen und Väter mit weinenden Töchtern, die dringend aufs Töpfchen müssten. Es hätten gar schon 16 Damen einer Wandergruppe vor seiner Tür gestanden. «Solche herzzerreissenden Momente lösen in mir Wut, Verzweiflung und Ähnliches aus», sagt Drescher. Er habe schon lange aufgehört, die WC-Touristen zu zählen.

Damit nicht genug. Viele würden ihre Notdurft auch einfach im Freien verrichten. Die Mauer vor seiner Garage werde von Velofahrern als «Velo-Piss- mich-an-Stelle» missbraucht. Rund um seine Liegenschaft würden jeweils zahlreiche Häufchen liegen und benutztes WC-Papier. Irgendwie habe er ja sogar noch Verständnis für diese «armen ‹Scheisser›», so Drescher. «Für die herumliegenden, gebrauchten Tampons, die getrocknet wie tote Mäuse aussehen, eher weniger.»

In einem Antwortschreiben, das 20 Minuten vorliegt, erklärt Andreas Neumann, Gemeindeschreiber von Glarus Nord: «Die derzeitige Ausgangslage betreffend der vorhandenen sanitären Angebote ist tatsächlich unbefriedigend.» Der Gemeinderat habe die Problematik erkannt und sei dementsprechend daran, Lösungen zu suchen. Der für den Tourismus zuständige Verein Glarus Nord wurde in diesem Zusammenhang kontaktiert. «Auf Mullern steht beim neuen Mullern-Beizli seit Kurzem eine Toilette zur Verfügung. Ebenso stellt der Skilift die Toiletten bei der Talstation zur Verfügung», wird Neumann von der «Südostschweiz» zitiert.

Für Christian Drescher ist das aber keine Lösung: «Nicht ortskundige Leute wissen doch gar nicht, wo das ist.» Seiner Meinung nach brauche es Toiletten auf den Wegen der Touristen. Vor dem kommenden Wochenende mit schönem Wetter und deshalb wohl zahlreichen WC-Touristen graue es ihm jetzt schon.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.