Nebenwirkungen – Herzentzündungen – Swissmedic prüft Moderna-Impfung bei Jungen
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NebenwirkungenHerzentzündungen – Swissmedic prüft Moderna-Impfung bei Jungen

Schweden und Dänemark setzen die Moderna-Impfung bei Jungen aus. Der Grund: mögliche Nebenwirkungen. Swissmedic untersucht jetzt die Daten.

von
Claudia Blumer
Bettina Zanni
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Schweden und Dänemark stoppen vorerst den Einsatz von Moderna bei Jüngeren. 

Schweden und Dänemark stoppen vorerst den Einsatz von Moderna bei Jüngeren.

20min/Marvin Ancian
Eine inzwischen zurückgezogene kanadische Vorabstudie legte nahe, dass die Moderna-Impfung bei Jungen ein erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen wie Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen mit sich bringe.

Eine inzwischen zurückgezogene kanadische Vorabstudie legte nahe, dass die Moderna-Impfung bei Jungen ein erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen wie Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen mit sich bringe.

Unsplash
Dies verunsichert einige junge Menschen. 

Dies verunsichert einige junge Menschen.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Einige junge Menschen zögern, sich mit Moderna impfen zu lassen oder sind nach der ersten Impfung verunsichert.

  • Grund dafür ist, dass Schweden und Dänemark die Moderna-Impfung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorerst aussetzen.

  • Das schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic wird die Auswirkung des Moderna-Impfstoffs auf Junge jetzt untersuchen.

Sein Sohn hätte in den nächsten Tagen den Impftermin gehabt, doch jetzt ist A.Y.* verunsichert. Seit kurzem werden in Internetforen Meldungen diskutiert, wonach die Moderna-Impfung bei Jungen ein erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen wie Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen mit sich bringe. «Ich habe den Impftermin jetzt vorsichtshalber wieder abgemeldet», sagt A.Y.

Auch der 29-jährige M.H.* ist verunsichert. Er habe sich sehr lange, sehr viele Gedanken über die Impfung gemacht und sich am Wochenende dazu entschieden. Am Mittwoch habe er die erste Dosis Moderna bekommen. «Doch es verunsicherte mich, als ich am Abend die Meldungen las, dass andere Staaten diesen Impfstoff für jüngere Menschen zurückziehen.»

Berichte über mögliche Nebenwirkungen

Ende Woche kursierte in den sozialen Medien eine inzwischen zurückgezogene kanadische Vorabstudie. Dieser zufolge bestehe bei der mRNA-Impfung ein stark erhöhtes Risiko von Herzmuskelentzündungen (Myokarditis). Doch die Autorinnen und Autoren hatten mit einer falschen Zahl gerechnet.

Und gestern Mittwoch teilten Schweden und Dänemark mit, dass sie die Moderna-Impfung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorerst aussetzen werden. Der Grund sind Berichte über mögliche, wenn auch sehr seltene, Nebenwirkungen wie Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen. Das Risiko sei sehr gering, betonte die Regierung. Dennoch werden unter 18-Jährige in Dänemark und unter 30-Jährige in Schweden vorerst nur mit dem Biontech-Präparat geimpft.

«Wir werden bei Bedarf Massnahmen einleiten»

Das schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic, das auch für die Zulassung der Impfstoffe verantwortlich ist, wird die Auswirkung des Moderna-Impfstoffs auf Junge jetzt untersuchen, wie Sprecher Alex Josty auf Anfrage sagt. «Derzeit bieten die vorliegenden Daten aus dem Spontanmeldesystem keine ausreichende Grundlage, um die Zulassung zu revidieren oder eine Einschränkung für gewisse Altersgruppen vorzunehmen.» Doch man werde die Daten, die zum Entscheid in Skandinavien geführt haben, sowie auch internationale Anwendungsdaten, prüfen und bei Bedarf Massnahmen einleiten.

Josty betont auch, dass die Eidgenössische Kommission für Impffragen (Ekif) trotz Zulassung eine abweichende Empfehlung abgeben könne – sprich: Die Empfehlung der Moderna-Impfung für über 12-Jährige von Anfang August wieder zurücknehmen oder einschränken könne.

Das Risiko für Entzündungen des Herzmuskels und Herzeutels und einen möglichen Zusammenhang zur Impfung sei Swissmedic bekannt und werde eng verfolgt, sagt Josty. Insbesondere bei jungen Männern zwischen 20 und 30, die sich sportlich stark betätigten, seien diese Nebenwirkungen häufiger aufgetreten gemäss internationalen Beobachtungen.

Moderna-Präparat wird höher dosiert

Philippe Luchsinger, Präsident des Verbands der Haus- und Kinderärzte, beschwichtigt. Der Moderna-Impfstoff sei etwas höher dosiert, was im Vergleich zum Impfstoff von Pfizer/Biontech mehr Nebenwirkungen auslösen könne. «Dennoch sind es auf ein paar Millionen Impfungen sehr wenig Fälle.»

«Allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die jetzt vor einer Impfung mit Moderna zögern, empfehle ich weiterhin unbedingt, sich damit impfen zu lassen», sagt Luchsinger. Der Nutzen der Impfung überwiege das Risiko deutlich, eine Entzündung des Herzmuskels oder Herzbeutels zu erleiden. «Gerade bei jungen Frauen sind solche Nebenwirkungen zudem noch seltener.»

Person sei älter gewesen

Auch das Impfzentrum Winterthur in Winterthur ZH vermeldet keine Auffälligkeiten in der betreffenden Altersgruppe. Das Personal habe seit dem Start der Impfkampagne am 6. April bald über 200’000 Impfungen verabreicht, sagt Thomas Kraft, Geschäftsleiter des Impfzentrums Winterthur. «In einem Fall wies eine über 30-jährige Person danach eine Herzmuskelentzündung auf.» Ob diese mit Moderna oder Pfizer/Biontech geimpft wurde, konnte Kraft am Donnerstag nicht in Erfahrung bringen.

Epidemiologen üben zudem Kritik. «Die Entscheidung von Schweden und Dänemark ist fragwürdig», twitterte der deutsche Gesundheitsökonom und SPD-Politiker Karl Lauterbach am Mittwoch. Moderna sei höher dosiert als Biontech, und berge deshalb ein leicht höheres Risko von Herzmuskelentzündungen, besonders bei jungen Männern – biete aber wegen der höheren Dosis wohl auch einen etwas längeren Schutz.

*Name der Redaktion bekannt.

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