SP-Bundesratswahlen: Herzog, Allemann oder doch Jositsch? Der Chancencheck.

Publiziert

BundesratswahlenHerzog, Allemann oder doch Jositsch? Die SP-Kandidaturen im Chancencheck

Zwei SP-Frauen und ein Mann haben bis jetzt ihre Kandidatur für den Bundesrat angekündigt. Politologe Thomas Milic sagt, wer die besten Chancen hat und wer mit welchen Handicaps im Rennen ist. 

von
Stefan Lanz

Hier erklärt SP-Ständerätin Eva Herzog, warum sie Bundesrätin werden will. 

20min/Stefan Lanz

Darum gehts

  • Eva Herzog, Evi Allemann und Daniel Jositsch wollen in den Bundesrat.

  • Eva Herzog habe die besten Chancen, sagt Politologe Thomas Milic. 

  • Wenn es Daniel Jositsch auf das Ticket der SP schaffte, würde er die Chancen von Evi Allemann schmälern, sagt der Politologe.

Eva Herzog, 60 – Ständerätin Basel

SP-Bundesratskandidatin Eva Herzog gab am Donnerstag an einer Medienkonferenz ihre Kandidatur bekannt.

SP-Bundesratskandidatin Eva Herzog gab am Donnerstag an einer Medienkonferenz ihre Kandidatur bekannt.

Franziska Rothenbuehler

Sie politisiert eher am rechten Rand der SP und ist darum auch für Bürgerliche wählbar. Bevor sie als Ständerätin nach Bern kam, war sie Finanzdirektorin in Basel-Stadt. Dort habe sie die Finanzen wieder ins Lot gebracht, wie sie an ihrer Pressekonferenz am Donnerstag in Bern sagte.

Das Wahlprogramm

Den Zusammenhalt in Europa, das Verhältnis der Schweiz zur EU und die Energiekrise nannte sie im Interview mit 20 Minuten als ihre wichtigsten Themen. Hier seien wichtige Entscheide notwendig, an denen sie gerne mitarbeiten würde.

Das sagt der Politologe

Stärken
Sie ist aus meiner Sicht die absolut klare Favoritin. Sie ist für die anderen Parteien definitiv wählbar. Ständeräte haben grundsätzlich einen leichten Vorteil. Sie haben den Ruf, gemässigter zu sein als Nationalräte. Ausserdem wählen Ständeräte sich gerne gegenseitig. Man fühlt sich quasi dem gleichen Club zugehörig, auch über Parteigrenzen hinweg. Eva Herzog war lange in der Basler Exekutive, dort kamen die Bürgerlichen gut mit ihr aus.

Schwächen
Der SP-Vorstand würde gerne eine junge Mutter sehen, nach dem Vorbild der finnischen Ministerpräsidentin Sanna Marin. Herzog wird eine Nähe zur Basler Pharmabranche nachgesagt, das ist für die SP ein Nachteil, für andere Parteien ein Vorteil. 

Wahlchancen
60 Prozent.

Was kann bis zur Wahl noch passieren
Wenn die SP sich für ein Dreierticket mit Jositsch entscheidet, dann ändert sich die Ausgangslage und Jositschs Chancen steigen. Ansonsten müsste sie sich einen groben Fehltritt leisten oder es müsste eine Leiche im Keller gefunden werden, damit sie ins Straucheln gerät.

Evi Allemann, 44 – Regierungsrätin Bern

SP-Bundesratskandidatin Evi Allemann gab am Mittwochabend ihre Bundesratskandidatur bekannt.

SP-Bundesratskandidatin Evi Allemann gab am Mittwochabend ihre Bundesratskandidatur bekannt.

Franziska Rothenbuehler

Die Bernerin wurde schon mit 25 Jahren, gleich nach Abschluss ihres Jus-Studiums Nationalrätin. 2018 wurde sie in die Berner Regierung gewählt. «Der Bund» bezeichnet sie als «Karrierepolitikerin», die aber auch bei Bürgerlichen beliebt ist. Sie sei pragmatisch, aber vielleicht nicht besonders durchsetzungsfähig.

Das Wahlprogramm

Klimaschutz, Kaufkraft und gesellschaftliche Fragen nennt Evi Allemann im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» als ihre wichtigsten Themen. Für die hier anstehenden Entscheide bringe sie mit 15 Jahren Erfahrung als Nationalrätin und vier Jahren in der Berner Regierung beste Voraussetzungen.

Das sagt der Politologe

Stärken
Sie ist eine junge Mutter und damit die Verkörperung des Wunsch-Rollenbildes der SP-Führung an eine moderne Frau. Auch sie gehört eher zum rechten Flügel der SP, was sie für Bürgerliche interessant macht. Und sie bringt Exekutiverfahrung aus der Berner Regierung mit.

Schwächen
Sie ist weniger prominent als die beiden anderen Kandidaturen. Eine Schwäche ist das im Parlament aber nur bedingt. Zeigt ein Blick in die Geschichte doch, dass gerne Persönlichkeiten in den Bundesrat gewählt werden, die nicht als Alphatiere gelten.

Wahlchancen
35 Prozent.

Was kann bis zur Wahl noch passieren
Wenn Jositsch mit aufs Ticket kommt, schmälert er vor allem ihre Chancen.

Daniel Jositsch, 57 – Ständerat Zürich

SP-Bundesratskandidat Daniel Jositsch gab als Erster am Dienstag bei einer Medienkonferenz seine Kandidatur bekannt.

SP-Bundesratskandidat Daniel Jositsch gab als Erster am Dienstag bei einer Medienkonferenz seine Kandidatur bekannt.

Zürichsee Zeitung

Der Mann. Er begründete seine Kandidatur vor allem mit seinem Gerechtigkeitsempfinden. Er wehrt sich gegen den Entscheid der Parteileitung, auf ein reines Frauenticket setzen zu wollen. Dass er das Zeug zum Bundesrat hätte, wird ihm weitherum attestiert, seine jetzige Kandidatur sehen Beobachter aber eher als persönlichen Feldzug.

Das Wahlprogramm

Auf die Frage von 20 Minuten an seiner Pressekonferenz verwies er auf seine lange Erfahrung im Bundeshaus, seine breite berufliche Erfahrung – Jositsch ist Strafrechtsprofessor an der Uni Zürich – und sein gutes Nervenkostüm, das es ihm erlaube, seinen Kurs auch in schwierigen Situationen zu halten.

Das sagt der Politologe

Stärken
Er ist wählbar bis weit ins bürgerliche Lager, ähnlich wie Eva Herzog. Er ist der schweizweit Bekannteste der drei. Sein Auftritt als Rebell gegen die eigene Parteileitung hat ihm bei anderen Parteien Sympathien eingebracht. Er hat lange Stände- und Nationalratserfahrung vorzuweisen und er gilt als einer, mit dem man gut Kompromisse finden kann.

Schwächen
Das Geschlecht. Es ist ungewöhnlich für einen Schweizer Politiker, dass er derart selbstbewusst seinen Anspruch klarmacht. In der eigenen Fraktion ist das gar nicht gut angekommen.

Wahlchancen
Fünf Prozent.

Was kann bis zur Wahl noch passieren
Dass die SP ihn aufs Ticket setzt, ist eher unwahrscheinlich. Wenn er nicht auf dem Ticket ist, wird er kaum als wilder Kandidat gewählt.

Wen würdest du gerne im Bundesrat sehen?

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

28 Kommentare