Aktualisiert 14.06.2005 13:33

Herzoperation: Staatsanwalt will Informanten treffen

Der Zürcher Staatsanwalt Jaroslav Jokl will die Personen kennenlernen, die im Zusammenhang mit einer tödlich verlaufenen Herztransplantation am Zürcher Unispital den damaligen Klinikleiter Marko Turina schwer beschuldigt haben.

Die jüngste «NZZ am Sonntag» hatte «gut informierte Quellen» aus dem Unispital zitiert. Diese behaupteten, Turina habe im April 2004 einer Patientin ganz bewusst ein Herz mit einer falschen Blutgruppe eingepflanzt, weil er eine medizinische Sensation angestrebt habe.

In die Untersuchungen einbezogen werden können die Aussagen nur, wenn die Informanten aus der Anonymität heraustreten. Als erstes bemüht sich Staatsanwalt Jokl nun darum, die anonymen Informanten der «NZZ am Sonntag» kennenzulernen, wie er am Dienstag auf Anfrage sagte.

Dann will er wissen, was genau sie dem Journalisten gegenüber gesagt haben, ob sie ihm als Staatsanwalt das gleiche sagen und woher sie wissen, dass der Chirurg eine Sensation angestrebt habe. Er habe den Autor des Artikels ersucht, ihm seine Quellen zu nennen. Der Journalist habe ein Gespräch vorgeschlagen.

Turina hatte am Montag in der Fernsehsendung «10 vor 10» die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Der Fehler sei aufgrund eines Missverständnisses geschehen, erklärte er. Dafür übernahm er die Verantwortung. Bei dem Telefongespräch, das ihn über die Verfügbarkeit eines Spenderherzens informierte, habe er die Angaben zu den Blutgruppen von Patientin und Herz falsch verstanden.

Man kann sich auch selber melden

Diese Aussage, so Jokl, decke sich mit den Erkenntnissen, die er in seiner Untersuchung erlangt habe. Den Vorwurf, er habe nicht sämtliche an der Operation Beteiligten einvernommen, kann Jokl nicht akzeptieren. In jedem Strafverfahren würden alle Beteiligten erst einmal «formlos» von der Polizei befragt.

Aufgrund dieser Befragungen entscheide dann die Staatsanwaltschaft, mit welchen Personen sie eine Einvernahme durchführt. Diese muss zwingend in Anwesenheit der Parteien, also auch des Angeschuldigten, erfolgen.

Dass ausser den Einvernommenen noch jemand etwas Wichtiges wisse, könne man nie ganz ausschliessen. Diese Personen könnten sie allerdings jederzeit selber melden - wie dies in jedem Verfahren gilt.

Polarisierende Persönlichkeit

Offen bleibt, ob jemand dem mittlerweile pensionierten Turina bewusst schaden will. «Turina war eine unangefochtene Kapazität», sagte Jokl. Auf der menschlichen Ebene habe es aber «nicht immer so gegeigt». Der Herzspezialist sei nicht bei allen Mitarbeitenden gut angekommen; seine Persönlichkeit habe «offensichtlich polarisiert».

Jokl räumte ein, dass die nun schon mehr als ein Jahr laufende Untersuchung lange dauere. Es sei nun einmal so, dass Fahrlässigkeits-Delikte schwieriger zu untersuchen seien als vorsätzliche.

Zudem habe man es mit zahlreichen Personen zu tun, die alle einen vollen Terminkalender hätten, was Vereinbarungen schwierig mache. Er wollte sich deshalb nicht auf einen Abschlusstermin festlegen.

(sda)

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