Aktualisiert 16.06.2017 13:33

Kanton Zürich

Herzschrittmacher gibts bald nur noch ambulant

Der Kanton Zürich hat eine Liste von 14 OPs veröffentlicht, die fortan nur noch ambulant durchgeführt werden sollen. Das soll 10 Mio. Franken pro Jahr sparen.

Nierensteine zertrümmern, grauer Star entfernen und 12 andere Operationen sollen zukünftig ambulant durchgeführt werden.

Nierensteine zertrümmern, grauer Star entfernen und 12 andere Operationen sollen zukünftig ambulant durchgeführt werden.

Keystone/Gaetan Bally

Nach Luzern führt auch der Kanton Zürich eine Liste mit Eingriffen ein, die in Zukunft nur noch ambulant vorgenommen werden dürfen. Führen Spitäler diese stationär durch, beteiligt sich der Kanton nicht mehr an den Kosten. Jährlich sollen so fast 10 Millionen Franken eingespart werden.

«Mit der Liste können wir grosse Einsparungen erzielen – bei gleicher Qualität der Leistungen», sagte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) am Freitag in Zürich. Es sei dringend nötig, etwas gegen die steigenden Gesundheitskosten zu unternehmen. In der Schweiz werden jährlich 70 Milliarden Franken in diesem Bereich ausgegeben.

Jährlich 10 Millionen Franken sparen

Der Kanton Zürich rechnet durch die Verschiebung mit Einsparungen von fast 10 Millionen Franken pro Jahr. Die Liste wird auf den 1. Januar 2018 eingeführt. Nach Schätzungen der Gesundheitsdirektion werden damit in einem ersten Schritt rund 3400 bisher stationär durchgeführte Eingriffe ambulant erfolgen.

Die Zürcher Liste umfasst 14 Operationen. Darunter sind etwa Herzkatheteruntersuchungen, die Entfernung des grauen Stars, die Implantation von Herzschrittmachern, Eingriffe bei Krampfadern, Hämorrhoiden und Leistenbrüchen, Kniespiegelungen oder auch die Zertrümmerung von Nierensteinen. Künftige Anpassungen sind möglich.

Ausnahmen bei schweren Fällen

Gemäss Gesundheitsversorgungsbericht kostet eine stationäre Krampfadern-Operation bei einem grundversicherten Patienten 7400 Franken. Ambulant kostet der gleiche Eingriff 2600 Franken. Bei zusatzversicherten Patienten verdienen die Spitäler gar 17'400 Franken mehr, wenn sie diese stationär behandeln statt ambulant.

Bei besonderen Umständen können solche Operationen aber auch in Zukunft stationär durchgeführt werden. Dies ist etwa der Fall, wenn die Patientin oder der Patient besonders schwer erkrankt ist oder wenn eine schwere Begleiterkrankung vorliegt. Auch soziale Faktoren wie zum Beispiel Obdachlosigkeit können berücksichtigt werden.

Gesamtschweizerische Lösung

Als erster Kanton hat Luzern eine derartige Liste eingeführt. Mit einer kleinen Ausnahme im Bereich der Herzuntersuchungen unterscheidet sich diese nicht von der Zürcher Liste. «Wir waren in engem Kontakt», sagte Heiniger. Der Kanton Luzern will dadurch jährlich fünf Millionen Franken einsparen.

Es ergbe keinen Sinn, wenn jeder Kanton eine eigene Liste mache, sagte Heiniger, der auch die Gesundheitsdirektorenkonferenz präsidiert. Die Kantone der Ostschweiz hätten sich bereits darauf geeinigt, eine gemeinsame Liste zu machen. Auch in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft ist ein Systemwechsel ein Thema.

Die Gesundheitsdirektorenkonferenz schätzt, dass jährlich bis zu 500 Millionen Franken eingespart werden könnten, wenn alle Kantone konsequent auf das Prinzip ambulant vor stationär setzen würden. Auch das Bundesamt für Gesundheit ist derzeit daran, Gespräche darüber zu führen, damit dereinst Vorgaben auf nationaler Ebene gemacht werden können. (sda)

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