Hetz-Kampagne will Gennaro Gattuso als Valencia-Coach verhindern
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Hetzkampagne gegen LegendeRassismus- und Homophobie-Vorwürfe – Gattuso soll nicht Valencia-Coach werden

Zuletzt arbeitete Gennaro Gattuso als Trainer von Napoli. Nun soll er einen neuen Job haben: bei Valencia. Die Kampagne #NoAGattuso soll jedoch den Deal verhindern – die Vorwürfe sind heftig. Gattuso wehrt sich. 

von
Nils Hänggi
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Gattuso soll bei Valencia einen Zweijahresvertrag unterschrieben haben.

Gattuso soll bei Valencia einen Zweijahresvertrag unterschrieben haben.

imago images/LaPresse
In Valencia gibt es jedoch einen Mann, der das Engagement von Gattuso verhindern will.

In Valencia gibt es jedoch einen Mann, der das Engagement von Gattuso verhindern will.

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Bei Valencia steht der Schweizer Eray Cömert unter Vertrag.

Bei Valencia steht der Schweizer Eray Cömert unter Vertrag.

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Darum gehts

Der FC Valencia trennt sich nach nur einer Saison von Cheftrainer José Bordalas. Das teilte der spanische Fussball-Erstligist am Freitag mit. Mit dem Spanier Bordalas (58) beendete die Mannschaft die abgelaufene Saison der La Liga nur auf Rang neun. Im Cupfinal verlor Valencia knapp im Elfmeterschiessen gegen Betis Sevilla. Der Vertrag von Bordalas lief noch bis 30. Juni 2023.

Medienberichten zufolge soll nun Gennaro Gattuso neuer Chefcoach der Spanier werden. Der 44 Jahre alte frühere italienische Nationalspieler soll beim Club von Eray Cömert einen Zweijahresvertrag erhalten und über drei Millionen Franken jährlich kassieren. Ja, er soll sogar bereits seine Unterschrift unter den Vertrag gesetzt haben. Der Weltmeister von 2006 arbeitete zuletzt von Dezember 2019 bis Juni 2021 für Napoli.

«Wie oft sind Weisse schon ausgebuht worden?»

In Valencia gibt es jedoch einen Mann, der das Engagement von Gattuso verhindern will. Und das um jeden Preis! Der ehemalige Vizepräsident Valencias, Miguel Zorio, startete in den sozialen Medien unter dem Hashtag #NoAGattuso eine Kampagne gegen die Italien-Legende – wegen früherer abwertender Bemerkungen des 44-Jährigen über Frauen, Homosexuelle und schwarze Spieler.

Auf der Plattform «Marea Valencianista» veröffentlichte Zorio eine Auflistung von Gattusos Verfehlungen und startete seine Kampagne gegen «Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und Gattusos Macho-Gehabe». So hatte Gattuso unter anderem 2013 gesagt: «Ich kann mir Frauen im Fussball einfach nicht vorstellen. Ich sage es nicht gerne, aber so ist es nun einmal.»

Weiter nannte Zorio die Aussage von Gattuso 2008, als er sagte: «Die Ehe sollte zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden, und die homosexuelle Ehe ist mir sehr fremd. Aber jeder macht, was er will.» Oder jene 2013, als Gattuso nach den Buh-Rufen gegen Kevin-Prince Boateng meinte: «Wie oft sind Weisse schon ausgebuht worden? Das ist mir passiert, aber ich messe dem keine grosse Bedeutung bei.» 

Gennaro Gattuso wehrt sich

Der Ex-Sion-Coach wehrt sich derweil gegenüber der «Gazzetta dello Sport». «Ich bin ein Rassist und homophob?», fragt der mutmasslich neue Valencia-Trainer rhetorisch. «Sind wir verrückt?» Seine Geschichte spreche für sich, so Gattuso weiter. Wenn er ein Rassist sei, so Gattuso, weshalb habe er als Napoli-Trainer dann den dunkelhäutigen Tiémoué Bakayoko gekauft? «Ich hatte nie etwas gegen schwarze Spieler, viele von ihnen waren meine Teamkollegen und sind Freunde.» Dann meint er stinksauer: «Was wissen diese Leute, die von Rassismus reden, über mich? Sie verstecken sich hinter einer Tastatur oder einem Spitznamen.» 

Und so stellt sich die Frage: Ändert Peter Lim, Valencias steinreicher Besitzer, nochmals seine Meinung zu Gattuso? Es ist wohl zu bezweifeln. Das weiss wohl auch Zorio, der nicht nur die Valencia-Fans, sondern auch lokale Politiker dazu aufruft, «sich gegen die Pläne von Peter Lim zu stellen». Fakt ist derweil: Bereits im vergangenen Jahr war eine Kampagne unter dem Hashtag #NoToGattuso gestartet worden, als Gattuso mit Tottenham Hotspur in Verbindung gebracht wurde. Auch dort lehnten viele Fans den Italiener wegen seiner früheren Äusserungen ab, ein Engagement in der Premier League kam nicht zustande. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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