Welttag gegen Rassismus: Hetze gegen Juden nimmt stark zu
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Welttag gegen RassismusHetze gegen Juden nimmt stark zu

39 Fälle von Antisemitismus wurden im vergangenen Jahr registriert – eine Zunahme von über 50 Prozent. Auch im Internet wird immer hemmungsloser gegen Juden und andere Minderheiten gehetzt.

von
bee
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Dieses Schild wurde im Apartmenthaus Paradies in Arosa aufgehängt.

Dieses Schild wurde im Apartmenthaus Paradies in Arosa aufgehängt.

Times of Israel
Es weist die jüdischen Gäste an, vor dem Poolbesuch zu duschen. Ein anderes Schild schränkt den Zugang zum Kühlschrank für jüdische Gäste ein.

Es weist die jüdischen Gäste an, vor dem Poolbesuch zu duschen. Ein anderes Schild schränkt den Zugang zum Kühlschrank für jüdische Gäste ein.

Google Street View
Die israelische Presse berichtet von schockierten Gästen. Die stellvertretende israelische Aussenministerin Tzipi Hotovely verlangt eine offizielle Entschuldigung der Schweiz

Die israelische Presse berichtet von schockierten Gästen. Die stellvertretende israelische Aussenministerin Tzipi Hotovely verlangt eine offizielle Entschuldigung der Schweiz

Wikipedia/Arielinson

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle hat 2017 deutlich zugenommen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in der Deutschschweiz 39 Fälle von Judenfeindlichkeit erfasst. 2016 waren es noch 25 Vorfälle gewesen, wie der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) und die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) am Mittwoch, am diesjährigen Welttag gegen Rassismus, mitteilten.

«An unsere jüdischen Gäste: Bitte duschen Sie, bevor Sie schwimmen und auch nachher. Wenn Sie gegen die Regel verstossen, bin ich gezwungen, den Swimmingpool für Sie zu schliessen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.» Ein Schild beim Swimmingpool des Aparthaus Pardies in Arosa etwa sorgte vergangenen Sommer für Empörung und einen weltweiten Shitstorm.

Doch blieb es nicht nur bei verbalen Attacken. Drei Mal kam es zu körperlichen Übergriffen. In Zürich wurde ein Rabbiner aus dem Nichts von einer Frau antisemitisch beschimpft und tätlich angegriffen. Ebenfalls in Zürich sowie in Baden attackierten und beschimpften Jugendliche je einen Mann mit Kippa, unter anderem als «Judensau».

Als besonders beunruhigend werten SIG und GRA auch einen Vorfall im Kanton Schwyz. An Autobahnbrücken prangten dort antisemitische Transparente, auf denen auch zum Mord an Juden aufgerufen wurde.

Hemmschwelle sinkt

Judenfeindliche Äusserungen im Internet sind in der Statistik nicht mitgezählt worden. Laut den beiden Organisationen wird das Netz aber zunehmend für Hassbotschaften missbraucht. 2017 hetzten Internetnutzer zudem vermehrt unter richtigem Namen gegen Jüdinnen und Juden. Für die SIG und die GRA ist das ein Anzeichen, dass die Täter ihre Hasskommentare zunehmend als salonfähig erachten.

Ausser Juden werden in der Schweiz häufig auch Menschen dunkler Hautfarbe, Muslime und Fahrende Opfer von Rassismus. Gemäss der Chronologie, die die GRA zusammen mit der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GSM) herausgibt, wurden 2017 neben den antisemitischen Ereignissen landesweit 39 weitere rassistische Vorfälle gemeldet, fast ebenso viele wie im Vorjahr (43).

Staat gefordert

Um Rassismus und Rassendiskriminierung wirksam zu bekämpfen, fordern GRA und GSM frühzeitige Prävention und Aufklärung an Bildungsinstitutionen, aber auch zivilgesellschaftliches Engagement und klare politische Statements. Eine zentrale Rolle haben ihrer Ansicht nach die staatlichen Institutionen.

Als Gesetzgeber müssten sie die rechtlichen Rahmenbedingungen so gestalten, dass das Recht auf freie Meinungsäusserung nicht zu einer Verletzung der Grundrechte der betroffenen Minderheiten missbraucht werde. Auch sei staatliche Unterstützung für ein erfolgreiches Engagement von zivilgesellschaftlichen Organisationen nötig. (bee/sda)

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