Bichelsee TG: Hetze gegen schwulen Pfarrer hat Folgen
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Bichelsee TGHetze gegen schwulen Pfarrer hat Folgen

In der Gemeinde Bichelsee wurde einem schwulen Pfarrer indirekt mit dem Tod gedroht. Die Sache hat nun ein kircheninternes Nachspiel.

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qll
Die reformierte Kirche in Bichelsee. (Bild: www.sehenswertes.ch)

Die reformierte Kirche in Bichelsee. (Bild: www.sehenswertes.ch)

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Nach einem Eklat während der Kirchgemeindeversammlung im März in Bichelsee soll sich die Synode der Evangelischen Landeskirche des Kanton Thurgau mit dem Thema Homosexualität und Fundamentalismus befassen. Den Anstoss dazu gibt eine Interpellation, die vom Synodalen Peter Kuster eingereicht worden ist, wie der Thurgauer «Kirchenbote» berichtet.

Homosexualität war ein Problem

An der Sitzung vom März hätte ein neuer Pfarrer gewählt werden sollen. Die zehnköpfige Findungskommission schlug den Deutschen M. B.* als Kandidaten vor. Mit diesem waren aber die Kirchbürger nicht einverstanden. Der Grund: B. ist homosexuell und lebt mit einem dunkelhäutigen Katholiken zusammen.

Laut der «Thurgauer Zeitung» begleitete eine hitzige Diskussion den Abend. Bibel-Fundis liessen sich offen über den Abwesenden aus: Ein Pfarrer könne nicht schwul sein, «nicht in Bichelsee und auch sonst nicht». Um zu belegen, dass Homosexualität eine Sünde sei, hätten Gegner bereits im Vorfeld in anonymen Mails auch aus der Bibel zitiert: Im Römerbrief von Paulus stehe geschrieben, dass Männer, die mit Männern Schande trieben, nach Gottes Recht den Tod verdient hätten. Absender war eine Gruppe, die sich «Evangelica Tannzapfen» nannte.

«Menschen werden ausgegrenzt»

Nun möchte Kuster das Thema Homosexualität noch einmal aufnehmen: «Dieses Thema muss diskutiert werden. Der Kirchenrat muss Stellung beziehen», sagt der 73-jährige pensionierte Pfarrer zur «Ostschweiz am Sonntag». Und weiter: «Die Bibel wurde missbraucht, um Menschen auszugrenzen.» Kuster bezeichnet die Mails als «eine Morddrohung».

Auch kann er nicht nachvollziehen, warum sich der Kirchenrat der Evangelischen Landeskirche nicht eingeschaltet hat: «Von diesen gewaltbereiten Extremisten hätte er sich distanzieren müssen.» Eine Distanzierung von Fundamentalisten erwarte man ja schliesslich auch von Muslimen. Laut Kuster hat es der Kirchenrat komplett verschlafen, aufgrund dieser Geschehnisse eine Grundsatzdiskussion über Intoleranz, Radikalismus und Fundamentalismus zu führen.

Es wird eine emotionale Diskussion

Kuster glaubt, dass die Diskussion in der Synode am 27. Juni «emotional wird». Auch ahnt er, dass er sich mit dem Vorstoss nicht nur Freunde macht. Doch: «In meinen Augen besteht ein Nachholbedarf an theologischer Information und Bildung in den Kirchgemeinden», sagt Kuster.

Er möchte vom Kirchenrat wissen, wie dieser künftig den Missbrauch der Bibel verhindern will. Denn dadurch sei in der Kirchgemeinde Bichelsee ein Mensch in seiner Persönlichkeit angegriffen und zum Opfer gemacht worden.

*Name der Redaktion bekannt

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