Anschlag in Flums: «Hetzerei gegen Islam hat zugenommen»
Aktualisiert

Anschlag in Flums«Hetzerei gegen Islam hat zugenommen»

Unbekannte setzten in Flums SG ein islamisches Zentrum in Brand. Muslime in der Schweiz zeigen sich geschockt. Die Tat sei eine Folge des vergifteten Klimas.

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num/dst
Der Gemeindepräsident von Flums SG, Christoph Gull: «Ich kann mir diese Tat nicht erklären.»

Der Gemeindepräsident von Flums SG, Christoph Gull: «Ich kann mir diese Tat nicht erklären.»

Unbekannte warfen in der Nacht auf heute zwei Molotow-Cocktails in die Räumlichkeiten des islamisch-albanischen Kulturvereins in Flums SG. Es entwickelte sich ein Mottbrand – das Interieur der Cafeteria wurde stark beschädigt. Nur mit viel Glück brannte nicht das ganze Gebäude nieder.

Christoph Gull, Gemeindepräsident von Flums, sagt zu 20 Minuten: «Wir sind völlig überrascht und erschüttert. Ich kann mir diese Tat nicht erklären. Wir haben keine Spannungen und keine Probleme.» Die Leute, die im islamischen Zentrum verkehrten, seien ruhig und unauffällig. Gull: «Wir verurteilen diesen feigen Brandanschlag aufs Schärfste.»

«Traurige Entwicklung»

Der Brandanschlag schockt die hier lebenden Muslime. Gegenüber 20 Minuten zeigt sich der Präsident der Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), Hisham Maizar, betrübt. «Es ist eine traurige Entwicklung, die mich persönlich hart trifft.» Maizar erinnert an den Angriff auf die Moschee in Bern, wo die Räumlichkeiten des Imams Mustafa Memeti zerstört wurden.

Er sagt: «Diese erneute Attacke auf ein Gotteshaus ist ein neues Phänomen in der Schweiz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gemeinde in Flums zufällig Opfer des Angriffs wurde.» Der FIDS-Präsident erinnert an die Symbolkraft solcher Attacken. «Bei den Muslimen die Gotteshäuser, bei Juden die Friedhöfe – das geschah nicht per Zufall.»

«Stimmung im Land kippt»

Laut ihm hat sich die Islamophobie in der Schweiz zu einer Islamfeindlichkeit gewandelt. «Ich habe eine Zunahme von Hetzerei in den letzten Monaten gespürt.» Dazu gehöre auch der Artikel der Weltwoche, die eine Bombe auf dem Cover abbildete und als Schlagzeile «Der Koran: Bibel der Gewalt» abdruckte. Maizar: «Das gehört alles dazu, dass die Stimmung im Land kippt.»

Auch der Islamische Zentralrat (IZRS) verurteilt den Brandanschlag. In einer Mitteilung teilt die Organisation mit: «Es ist davon auszugehen, dass die gezielte Attacke auf eine islamische Institution im Kontext der weiter eskalierenden Islamophobie in der Schweiz zu verorten ist.» Man rate nun allen islamischen Institutionen zu erhöhter Wachsamkeit. «Dazu zählt beispielsweise auch die Installation eines Kamerasystems.»

Ob es wirklich ein Brandanschlag aus religiösen Gründen war, ist noch nicht gesichert. Die Kantonspolizei St. Gallen teilt mit, dass die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, jedoch könnten zur Täterschaft noch keine Informationen geliefert werden.

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