Grichtings Rücktritt: «Heulsusen-Akt» oder richtige Entscheidung?
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Grichtings Rücktritt«Heulsusen-Akt» oder richtige Entscheidung?

Der Rücktritt von Stéphane Grichting bewegt die Leser von 20 Minuten Online. Viele zeigen wenig Verständnis für seinen Entscheid, weinen ihm aber keine Träne nach. Doch wer soll ihn ersetzen?

von
fox
Hat Stéphane Grichting richtig entschieden? Diskutieren Sie in unserem Talkback mit.

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Stéphane Grichtings Karriere in der Nationalmannschaft wurde erst durch Ottmar Hitzfeld richtig lanciert. Dieser setzte nach der EM 2008 konsequent auf den ruhigen Innenverteidiger – und wurde dafür belohnt. Der Walliser galt oft als sicherer Wert und war meist einer der besten der Nati. Unvergessen sein einziges – aber extrem wichtiges Tor – in der WM-Qualifikation gegen Griechenland zum 1:0 in der 83. Minute (Endstand 2:0).

Jetzt wirft Grichting seinem «Förderer» mangelnder Respekt vor und tritt per sofort aus der Nati zurück. So überraschend ist dies nicht. Schon während der Bulgarien-Reise erklärte er gegenüber 20 Minuten: «Das hier ist sicher meine letzte Kampagne.» Dass der angekündigte Rücktritt jetzt schon drei Partien vor Schluss der Qualifikation mit einem Eklat erfolgt, ist schade.

«Heulsuse» und «Diva»

Bei den Usern von 20 Minuten Online hat man für die Reaktion des Auxerre-Söldners wenig Verständnis. «Heulsuse» oder «Diva» sind Wörter, welche man oft liest. Oder dann Kommentare wie derjenige von Hans Knauf: «Solch ein Spieler hat es nicht verdient, die Schweizer Nationalmannschaft zu vertreten.» Gar als «einfach nur peinlich» bezeichnet «Hans Muster» das Verhalten des Innenverteidigers: «Denken da alle, die haben ein Jahresabo in der Startelf gebucht?» In der Umfrage von 20 Minuten Online gehen die Meinungen auseinander. 30 Prozent finden den Rücktritt gut, 11 Prozent «verständlich, aber zum falschen Zeitpunkt», deren 20 «sehr schade» und 39 Prozent sind der Meinung «so was macht man nicht» (Stand 08.45 Uhr)

Der Wind hat eindeutig gedreht. Bis vor Kurzem galt der Blondschopf als verlässlicher Wert. Doch nach dem beschwingten Auftritt der «Next Generation» fordern die Fans noch mehr junge Wilde. Grichting merkte vielleicht selbst, dass er da nicht mehr so recht ins Anforderungsprofil passen könnte. Und auch bei Auxerre war der Schweizer zuletzt nicht mehr erste Wahl. Eine Rückkehr in die heimische Liga scheint plausibel – trotz Vertrag bis im Sommer 2012. Gut möglich aber, dass man in den letzten drei Partien doch noch froh um den 32-Jährigen wäre. Johan Djourou und Philippe Senderos sind erfahrungsgemäss verletzungsanfällig. Dahinter wartet mit Steve von Bergen ein valabler Ersatz. Doch wer kommt danach?

Affolter, Klose oder Ferati?

François Affolter könnte sich zu einem wichtigen Innenverteidiger in der Nati entwickeln. Falls sich Timm Klose (23, Nürnberg) und Beg Ferati (24, Freiburg) in der Bundesliga durchsetzen, werden sie sicherlich auch bald zum Thema. Für Jonathan Rossini (22, Sassoulo) kam die Nati im einzigen Test vor der WM 2010 gegen Uruguay noch zu früh. In dieser Saison erkämpfte er sich einen Stammplatz in der Serie B, doch sein Team rangiert auf Rang 15. Ein Überangebot an starken Innenverteidigern besitzt die Schweiz also nicht – zumindest nicht bis zum Ende der EM-Qualifikation. Aber für die WM 2014 macht Grichting mit seiner Aktion den Weg für einen weiteren jungen Spieler frei. Von daher: Danke Stéphane Grichting für die starken Auftritte in den letzten Jahren, aber schade, hat die Nati-Karriere so geendet.

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