05.06.2014 13:17

Reset the Net

Heute beginnt die Rückeroberung des Webs

Zum Jahrestag der ersten Berichte zur NSA-Spionage findet heute der Aktionstag «Reset the Net» statt. Die Botschaft: Jeder kann mit einfachen Mitteln gegen die Massenüberwachung kämpfen.

von
pst

Am 5. Juni 2013 erschienen die ersten Berichte, die auf Dokumenten des Ex-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden beruhten. Sie zeichneten ein schockierendes Bild der Spionagetätigkeit der NSA im Internet. Grund genug für führende Internetfirmen und Bürgerrechtsorganisationen, die Netz-Gemeinschaft zum Schutz ihrer Online-Privatsphäre aufzurufen.

Den Aufruf zum Aktionstag hatten ursprünglich Firmen und Organisationen wie Reddit, DuckDuckGo oder die Free Software Foundation (FSF) initiiert. Mittlerweile unterstützen auch NGOs wie die Electronic Frontier Foundation (EFF), Amnesty International oder auch Greenpeace den Reset-the-Net-Tag.

Verschlüsselungssoftware muss installiert werden

Jeder Netzbürger ist aufgerufen, das Internet zurückzuerobern. Das beginnt damit, dass jeder frei erhältliche Verschlüsselungs- und Anonymisierungssoftware auf seinem Rechner installiert. Dafür haben die Organisatoren ein Paket an Datenschutztechnik online gestellt, das von Apps zur Absicherung von Kurznachrichten und Telefonaten auf Smartphones über Verschlüsselung-Programme für Instant Messaging bis zu Software zur E-Mail-Verschlüsselung reicht.

Um die Ausspäh-Praktiken der Geheimdienste zusätzlich zu erschweren, werden Webseitenbetreiber und Entwickler aufgerufen, Techniken wie HTTPS oder PFS (Perfect Forward Secrecy) zu implementieren sowie ein SSL-Zertifikat zu installieren. Aktivisten und Interessierte sollen schliesslich über soziale Netzwerke, Online-Foren oder Blogs auf die Aktionen am heutigen Tag aufmerksam machen und sich für den Einsatz von Tools zur Sicherung der Privatsphäre starkmachen.

«Wir sollten uns die Freiheit des Internets wieder nehmen»

Edward Snowden, dessen Enthüllungen den NSA-Skandal lostraten, meldete sich in einem Statement zum heutigen Aktionstag selbst zu Wort: «Dies ist der Tag, an dem wir anfangen, unsere Menschenrechte mit den Gesetzen der Natur zu schützen und nicht mit denen von Nationen.» Jeder könne der Massenüberwachung mithilfe heutiger Technologie einen Riegel schieben, so Snowden weiter.

Reset the Net mache den Menschen Mut, mit kleinen Schritten etwas gegen die Massenüberwachung der Geheimdienste und anderer Lauscher zu unternehmen, meint auch der Schweizer Software-Experte Oliver Dill. Obwohl er nicht für eine der beteiligten Organisationen arbeitet, ist es ihm ein persönliches Anliegen, die Bevölkerung zu motivieren, am heutigen Aktionstag mitzumachen. «Wir können und sollten uns unsere Privatsphäre und die Freiheit des Internets wieder nehmen», so Dill. «Jeder Internet-Nutzer kann etwas unternehmen, sei es durch möglichst häufige Verwendung von Verschlüsselung oder indem man einfach nicht mehr über ungesicherte Messenger wie WhatsApp kommuniziert.» Anstelle des Facebook-Kurznachrichtendienstes empfiehlt Dill beispielsweise die Nutzung von Threema. Er ist der Meinung, dass es heute für Geheimdienste praktisch unmöglich sei, starke Verschlüsselungsstandards zu knacken. «Das wird auch in den nächsten paar Jahren so bleiben», prognostiziert Dill.

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