Interview mit Dave Dollé: «Heute bin ich Lehrer für Bewegung»
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Interview mit Dave Dollé«Heute bin ich Lehrer für Bewegung»

Dave Dollé war der schnellste Sprinter der Schweiz. Heute ist der 40-Jährige Fitness-Unternehmer. Gegenüber 20 Minuten sagt er, wie der Unternehmer vom Sportler profitiert.

von
Sandro Spaeth

«20 Minuten»: Dave Dollé, Sie waren einst der schnellste Schweizer Sprinter, heute sind Sie Geschäftsmann. Ist nun der Sportler oder der Unternehmer erfolgreicher?

«Dave Dollé»: Als Athlet habe ich bestimmt mehr erreicht. Ich konnte an internationalen Meisterschaften teilnehmen und stellte einen Schweizer Rekord auf. Was ich jetzt als Unternehmer mache, läuft zwar gut. Ich habe aber noch einen weiten Weg vor mir, um als Geschäftsmann auf die Stufe des Sportlers zu gelangen.

Finanziell hat der Unternehmer den Athleten aber übersprintet?

Mit meinen Leichtathletik-Leistungen konnte ich vom Sport leben. Fürs grosse Bankkonto hat's aber nicht gereicht – dafür hätte ich absolute Weltklasse sein müssen. Schaut man sich meinen zeitlichen Aufwand für das Training an, hat sich die Sportkarriere für mich finanziell nicht gelohnt. Es war aber eine gute Lebensschule, und ich war gerne Athlet. Als Unternehmer habe ich die besseren finanziellen Möglichkeiten. Ich stehe erst am Anfang, verdiene aber bereits einen guten Lebensunterhalt und kann das Business weiter ausbauen.

Was hat Ihnen die Zeit als Sprinter für die berufliche Karriere mitgegeben?

Sport ist immer ein längerfristiges Projekt, es braucht Durchhaltewillen und Geduld. Beides nützt mir auch als Geschäftmann. Ein Unternehmen lässt sich nicht von heute auf morgen aufbauen. Im Sport und im Business braucht es viel Planung und Disziplin. Man muss sich überlegen, für welche Bereiche, die man selbst nicht beherrscht, Spezialisten beigezogen werden müssen. Während meiner Sportkarriere war das insbesondere der Physiotherapeut,

heute ist es der Buchhalter.

Sie sagen, Planung sei wichtig. Wie sah Ihr persönlicher Entwurf für das Leben nach der Sportlerlaufbahn aus?

Ich lief bis ins Alter von 32 Jahren und hatte Zeit genug zu überlegen, was mir eigentlich liegt und was ich gerne machen würde. Bereits mein Oberstufenlehrer sagte, du bist der Lehrertyp. Das erschien mir damals nicht so toll, denn Lehrer empfand ich als uncool. Heute bin ich selbst eine Art Lehrer, nur dass ich statt Geografie Wissen in Bewegung, Gesundheit und Fitness vermittle. Selbständig zu werden, zeichnete sich schon länger ab. Auch als Sportler musste ich alleine mit Sponsoren verhandeln und Geld beschaffen.

Viele ehemalige Profisportler schaffen es nicht, eine zweite Karriere aufzubauen. Weshalb haben Sie es geschafft?

Mit meiner Personal-Training-Firma habe ich etwas, was ich gerne mache und gut kann. Für gewisse unternehmerische Teile, die ich nicht beherrsche, trommelte ich die richtigen Partner zusammen. Als Einzelner hätte ich es nicht geschafft. Wir waren beim Aufbau des Unternehmens ein Team.

Aus diesem Team sticht aber vor allem Dave Dollé heraus. Sie gelten als schönster Personal Trainer der Schweiz.

Bin ich das? (lacht) Ich habe keine Groupies oder Leute, die mir Fan-Post schicken. Als Personal Trainer ist es aber wichtig, meine Message zu verkörpern. Ein Bauchansatz oder ungepflegtes Auftreten passt da schlecht. Wichtig ist zudem, das alle Trainer im Unternehmen umsetzen, was ich verspreche.

Sie sind in den Medien der Vorzeige-Fitness-Experte. Wie geht Ihre Frau damit um, dass Ihr Mann immer im Mittelpunkt steht?

Das ist für sie in Ordnung so. Wir lernten uns kennen, als ich am Ende meiner Karriere war und bereits zur Cervelat-Prominenz zählte. Zum Glück hat sich das aber fortgesetzt, denn davon profitieren ich und die Trainingsstudios immer noch.

Dank ihrem Promi-Status hatten Sie Auftritte in zahlreichen TV-Shows. Bei der SF-Fussball-Casting-Show «Der Match» schieden Sie aber früh aus. Haben die Kunden Ihnen diese «Niederlage» um die Ohren gehauen?

Einige fanden es natürlich amüsant, dass ich früh raus flog und haben mich damit aufgezogen. Das Ausscheiden konnte ich aber gut verkraften, da ich wusste, dass meine Fussballkünste nicht allzu gross sind. Im Kopf war mir klar, wie Fussball funktionieren müsste, bei meinen Füssen kam dies aber nur bedingt an.

Mit Ihren 10,16 Sek. über hundert Meter haben Sie die Messlatte hoch angesetzt – das ist noch immer Schweizerrekord. Gibt es in Ihrem Leben als Unternehmer etwas Vergleichbares, das Sie erreichen wollen?

Ich habe unternehmerische Ziele, wie kurzfristig das Eröffnen eines neuen Trainingsstudios. Längerfristig möchte ich in Zürich ein grösseres Zentrum für Fitness, Therapie und Wellness realisieren. Obwohl mein Unternehmen in Konkurrenz mit anderen Angeboten steht, sehe ich das Ganze nicht als Wettkampf. Ich gebe zwar mein Bestes, meine Zufriedenheit ist aber nicht rein vom unternehmerischen Erfolg abhängig. Als Mensch, Partner und Vater bin ich glücklich.

Dave Dollé, 40, setzte nach seiner Maschinenmechanikerlehre voll auf die Karte Sport. Sein Schweizerrekord über Hundertmeter (10,16) aus dem Jahr 1995 hat noch immer Bestand. Nach seinem Rücktritt im Jahr 2001 baute sich Dollé eine Existenz als Personal Trainer auf und ist heute Inhaber von «Dave Dollé Training».

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