20 Jahre Playstation: «Heute haben Konsolen keinen Wert mehr»
Aktualisiert

20 Jahre Playstation«Heute haben Konsolen keinen Wert mehr»

Roger Frei hat die Schweiz 1995 zum Playstation-Land gemacht. Er war der erste und einzige Geschäftsführer von Sony Computer Entertainment Schweiz.

von
Ph. Stirnemann
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Ab 1994 war Roger Frei (hier mit der Playstation 3 im Jahr 2006) Verkaufsleiter bei Sony Electronic Publishing, das 1998 in Sony Computer Entertainment Schweiz umgewandelt wurde.

Ab 1994 war Roger Frei (hier mit der Playstation 3 im Jahr 2006) Verkaufsleiter bei Sony Electronic Publishing, das 1998 in Sony Computer Entertainment Schweiz umgewandelt wurde.

Sony Computer Entertainment
Zu den ersten Kunden, welche Frei die graue Konsole aus Japan anno 1995 abkauften, gehörten Franz Carl Weber, ABC Software, Eschenmoser, Fust, die Belhag Handels AG sowie Freak-Shops. «Das waren teils Firmen, die es heute gar nicht mehr gibt», so Frei.

Zu den ersten Kunden, welche Frei die graue Konsole aus Japan anno 1995 abkauften, gehörten Franz Carl Weber, ABC Software, Eschenmoser, Fust, die Belhag Handels AG sowie Freak-Shops. «Das waren teils Firmen, die es heute gar nicht mehr gibt», so Frei.

Keystone/Steffen Schmidt
«Die Margen waren schon Mitte der 90er-Jahre zum Kotzen. Und sie wurden von Anfang an schlimmer. Das machte die Playstation für unsere Kunden zunächst alles andere als interessant.»

«Die Margen waren schon Mitte der 90er-Jahre zum Kotzen. Und sie wurden von Anfang an schlimmer. Das machte die Playstation für unsere Kunden zunächst alles andere als interessant.»

Flickr/Nicholas Wang/CC BY-SA 2.0

Er wurde 1994 von Sony rekrutiert, um «irgendwann irgendetwas an irgendjemanden in der Schweiz zu verkaufen». Nicht gerade ein Job-Beschrieb, der viele Bewerber anzieht. Roger Frei ist auf das Angebot aus Japan dennoch eingegangen. Er ist der Mann, der vor 20 Jahren die Playstation in die Schweiz brachte und einen wesentlichen Teil zum durchschlagenden Erfolg der Konsole hierzulande und international beigetragen hat.

Die Anfänge der Playstation beziehungsweise von Sony Computer Entertainment in der Schweiz muten ähnlich wie die Garagen-Mythen um Apple-Gründer Steve Jobs an: Ohne Arbeitsvertrag in einem eigens gemieteten Büro begann Frei für Sony zu arbeiten.

Von Tür zu Tür wie ein Vertreter

Vier Tage nach der Anstellung sass Frei im Flugzeug nach London, wo er die Playstation (PSX) zum ersten Mal sah. Da wusste er, welches Produkt er in der Schweiz an den Kunden bringen sollte.

Im Sommer 1995 erhielt er die erste japanische Playstation mit drei Spielen. «Endlich konnten wir aktiv werden und auf unsere potenziellen Kunden zugehen», erinnert er sich. Wie ein Versicherungsvertreter schnappte sich Frei einen Fernseher (die damals noch klobig und schwer waren), klemmte sich die graue Konsole aus Japan unter den Arm und zog los, um Käufer zu finden.

«Vielleicht hatten sie Mitleid mit mir»

«Zu der Zeit waren alle von Nintendo und Sega enttäuscht, weil sie schon lange nichts Innovatives mehr auf den Markt gebracht hatten», so Frei. Mitte der 90er-Jahre hatte kein Händler Interesse an einer neuen Konsole, und mit Games und dazugehöriger Hardware verdiente noch niemand wirklich Geld.

«Ich musste kreativ argumentieren, um meine Konsolen an die Vertriebspartner zu bringen», sagt Frei. Sein Enthusiasmus, glaubt er heute, sei so ansteckend gewesen, dass ihm die meisten Kunden die grauen Kisten abgekauft haben. «Vielleicht hatten sie aber auch nur Mitleid mit mir.»

Ausserdem sei der Name Sony hilfreich gewesen: «Wären wir von einer anderen Firma gewesen, hätte uns niemand die Konsole abgenommen», ist sich Frei sicher.

«Die haben mich rausgeschmissen»

Einen Coup landete der damals kaum 30-Jährige, als er seine Kunden davon überzeugen konnte, ganze Spielstationen – sogenannte IDUs – für rund 3500 Franken das Stück zu kaufen, obwohl es sich dabei um reines Werbematerial handelte. «Nur bei einem Grosskunden hielten sie mich für völlig verrückt. Die wurden ziemlich wütend und schmissen mich raus.»

Für den Verkauf der IDUs an die Händler wurde Roger Frei wenig später von Sony Computer Entertainment Europe mit einem Marketing Creativity Award ausgezeichnet. «Ich musste Sony-Vertretern aus der ganzen Welt erklären, wie man es schafft, ein positives Marketing-Budget zu generieren.» Bis im Frühjahr 1996 war die Schweizer Sony-Abteilung die einzige weltweit, die mit der Playstation schwarze Zahlen schrieb.

Wie die Schweiz zum Playstation-Land wurde

Gegenüber anderen Plattformen dominiert hierzulande die PS. Frei ist nicht erstaunt, dass sich die Schweiz zum Playstation-Land entwickelt hat: «Wir waren in der ersten Zeit sehr enthusiastisch bei der Arbeit.»

Weitere Gründe für den Erfolg der PSX waren für Frei die hohe Kaufkraft der Schweizer, die Qualität der Konsole selber sowie die Tatsache, dass die Schweiz ein sogenanntes Early-Adopter-Land sei.

«Konsolen wird es nicht ewig geben»

Heute habe sich die Situation komplett verändert. Sei die PSX noch eine Konsole für Freaks gewesen, «so ist spätestens die PS3 zum Massenprodukt geworden. Seit dem Aufkommen der Smartphones verschwimmt alles zusehends. Konsolen wird es nicht mehr ewig geben», wagt Frei einen Blick in die Zukunft.

Früher habe sich niemand über den Preis einer Konsole beschwert und man habe sich noch richtig auf die Veröffentlichung eines Games gefreut. Das sei heute anders: «Wertigkeit, Wert und Wertschätzung sind völlig abhanden gekommen», so Frei. Es werde nur noch konsumiert.

Roger Frei

Roger Frei arbeitete von 1994 bis 1997 zuerst als Verkaufsleiter, dann als Verkaufs- und Marketingleiter für Sony Electronic Publishing. Danach wurde er Geschäftsführer des neu gegründeten Sony Computer Entertainment Schweiz. Im Zuge der Restrukturierung des Konzern kehrte Frei der Game-Branche 2007 den Rücken. Heute arbeitet er als Mental-Trainer.

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