Medienkonferenz Zürcher Spitäler «Wir haben deutlich jüngere Patienten im Spital»

Die Corona-Situation in den Spitälern spitzt sich zu. Am Donnerstag befanden sich allein im Kanton Zürich 221 Menschen in Spitalpflege. Wie reagiert der Kanton darauf?

«Auch Junge müssen massiv hospitalisiert werden»

Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli erklärt zusammen mit den Vorstehern der Zürcher Spitälern die Coronavirus-Lage im Kanton Zürich. Die Lage ist ernst, man tue aber alles, um sich auf eine Verschlimmerung der Fallzahlen vorzubereiten. (Video: Kanton Zürich)

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Freitag, 30.10.2020

Zusammenfassung

Die Lage in den Zürcher Spitälern ist derzeit «angespannt und ernst», wie der Kanton am Freitag bekannt gab. Aktuell sind 221 Covid-Patienten im Spital. In zwei Wochen dürften es aber 800 Patientinnen und Patienten sein.

Angesichts der aktuellen Entwicklung der Fallzahlen sei davon auszugehen, dass die Zürcher Spitäler bald sehr belastet seien, sagte Jörg Gruber, Leiter der Versorgungsplanung bei der Gesundheitsdirektion, am Freitag vor den Medien.

Die Hospitalisationen würden dem Infektionsgeschehen erfahrungsgemäss zwei Wochen hinterherhinken.

Insgesamt sind im Kanton Zürich aktuell 400 Betten frei, 48 auf den Intensivstationen. Diese Betten sind aber auch für Nicht-Covid-Patienten bestimmt. Elektive Eingriffe werden an Zürcher Spitälern trotzdem bis auf Weiteres durchgeführt.

Pressekonferenz ist beendet

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Pro Aufenthalt 6 Besuche

Der durchschnittliche Spital-Patient, der zirka 6,4 Tage im Spital bleibt, empfängt 6 Besucher. Das entspreche einem Besucher pro Tag, so Zünd. Zur Zeit ist kein Besuchsstopp geplant, aber werde die Situation gravierender, ist das ein Thema. So wie im März, wo es einen Besuchsstopp gab.

Lohnerhöhung fürs Pflegepersonal?

Gibt eine Lohnerhöhung, da nun Pflegende das zweite Mal dieses Jahr so strapaziert werden?, fragt ein Journalist. Bei einer Zusatzarbeit werde diese auch entschädigt, so Zehnder. Wer mehr arbeite, werde auch mehr entschädigt.

Man könne nicht kurzfristig Fachpersonal herzaubern, wichtig sei, dass man langfristig gute Bedingungen schaffe. Und: Dem Personal biete man etwa Rücken- und Fussreflexzonen-Massagen an. Brack ergänzt, dass man dabei sei, einen Arbeitskräfte-Pool aufzubauen.

Schnelltests

Kommen bald Schnelltests im Kanton Zürich? Rickli kündigt dazu mehr Informationen für nächste Woche an. Aktuell sei man mit Hochdruck daran, die Koordination und die Testkapazitäten sicher zu stellen.

Will der Kanton Zürich auch Angestellte mit Covid weiterarbeiten lassen?

Das fragt ein Journalist im Bezug auf die Regelung der Aargauer Kantonsärztin, die positiv getestete Angestellte ohne Symptome weiterarbeiten lassen will, um einen Personalmangel zu verhindern. Zur Zeit komme dies nicht in Frage, so Rickli. Sofern kein Personalmangel herrscht, wolle man dies nicht. Im Unispital ist es laut Zünd zu einer Quarantäne-Erleichterung gekommen, da man eine Spezialistin dringend brauchte. Dies unterstehe aber auch klaren Regelungen und Personen, die aus der Quarantäne austreten müssen, werden auch getestet. Es müsse sowieso immer so gearbeitet werden, in der Annahme der Pflegende und der Patienten seien infiziert.

Situation in den Heimen

Nun ist die Fragerunde eröffnet. Ein Journalist will wissen, wie die Situation in den Heimen ist. Die Heime unterstehen den Kantonen, so werde nächste Woche auch wieder eine Weisung stattfinden, so Rickli. «Das Virus ist zunehend in den Heimen vorhanden.» Es habe darum auch ein Austausch mit den Heimen statt gefunden.

Disziplin der Bevölkerung

Disziplin von der Bevölkerung ist nun zentral, um die Überlastung der Spitäler zu verhindern, so Zehnder. Es seien auch deutlich jüngere Patienten im Spital als nur Patienten der Risikogruppe. Es handle sich um Personen in ihren 20ern oder ihren 30gern.

Covid ist nicht Sache der Spitäler, sondern vom ganzen System

«Covid ist nicht Sache der Spitäler allein, sondern vom ganzen System», so Zehnder. Es brauche auch eine gute Koordination durch Hausärzte, Arztpraxen und medizinischen Zentren. «Die ganze Behandlungskette wird gefordert.» Zur Zeit könne man noch alle behandeln. «Wer das Spital braucht, soll auch ins Spital kommen.» Im Frühling seien viele aus Rücksicht nicht ins Spital gekommen, so hat man Herzinfarkte verpasst.

Knappe Ressourcen

Rolf Zehnder, Spitaldirektor Kantonsspital Winterthur spricht: Man wisse zwar, was man brauche um Covid-Patienten zu behandeln, aber die Frage ist, woher man diese Ressourcen nimmt. Ab Stufe 4 müssen nicht dringliche Eingriffe reduziert werden. Bei Stufe 5 (ab zirka 80 Covid-Patienten in Winterthur) müssen elektive Eingriffe und Behandlungen noch stärker zurückgestellt werden.

Sehr aufwendig, Covid Patienten zu behandeln

Zemp: «Es ist sehr aufwendig, Covid Patienten zu behandeln. Ach für das Personal in den Schutzanzügen ist es anstrengend.» In den Herbstmonaten sowie an Weihnachten ist es laut Zemp immer sehr voll in den Spitälern. Darum sei man sehr froh, so eine gute Zusammenarbeit zwischen den Spitälern zu haben.

Gleichmässige Auslastung der Spitäler

André Zemp, Spitaldirektor Stadtspital Waid und Triemli, sagt:« In der zweiten Welle haben wir festgestellt, dass sehr viele Patienten ins Triemli kommen.» Darum ist er froh, dass eine gleichmässige Auslastung der Spitäler angestrebt wird.

Normalbetrieb aufrechterhalten

Wichtig sei nun, dass der Normalbetrieb aufrecht erhalten werde, so Brack. Die Situation auf den Intensivpflegestationen werde täglich beobachtet und die Zahlen dazu erfasst.

Konstante Patientenzahl

Nun spricht Thomas Brack, Spitaldirektor vom Spital Limmattal: «Die meisten Zürcher Spitäler können zur Zeit noch den normalen Regelbetrieb folgen.» Man habe auch eine konstante Anzahl an Patienten in der letzten Woche verzeichnet. Eine Taskforce evaluiere die Situation mehrmals täglich.

Personal ist der wichtigste Faktor

«Wir haben im Unispital keine Feriensperre», so Zünd. Das Personal ist der wichtigste Faktor während der Pandemie.

Mortalitätsrate

Gregor Zünd, Vorsitzender der Spitaldirektion des Universitätsspital Zürich, übernimmt nun das Wort: «Die Mortalität ist tiefer in der zweiten Welle.» Warum dies so ist, kann Zünd nicht abschliessend sagen. Aber: Stossen die Kapazitäten an ihre Grenzen, könnte das einen Einfluss auf die Mortalitätsrate haben.

Auch nicht Covid-Patienten leiden unter Personalmangel

Gruber: «Desto mehr Corona-Patienten behandelt werden müssen, desto weniger Kapzitäten gibt es für Patienten mit anderen Leiden.» Man arbeite eng mit den Spitälern zusammen, um die bestmöglichste Behandlungsqualität gewährleisten. Die Spitäler koordinieren auch eng untereinander. Es wird davon ausgegangen, dass die Spitäler bald sehr stark belastet sein werden. Ein 3-Phasen-Modell werde angewendet, um die mangelnden Ressourcen abzufedern.

400 freie Spitalbetten

Jörg Gruber, Leiter Abteilung Versorgungsplanung Gesundheitsdirektion spricht nun: 221 Personen seien im Kanton Zürich hospitalisiert worden. Es gebe 400 freie Spitalbetten.48 auf Intensivstationen.

Fachkräfte aus dem Ausland

Die Spitäler suchen nach Lösungen bei Überbelastung. Reha-Zentren können in Phase 1 und 2 zu Corona-Stationen gemacht werden. In Phase 3 kann auch das Ausland involviert werden, sagte Gruber. Auch Notspitäler sind möglich. Es sei auch denkbar, dass Fachkräfte aus dem Ausland hinzugezogen werden.

Eindrückliche Arbeit der Pfleger

Rickli hat sich diese Woche eine Bild der Spitäler und der Behandlung von Covid-Patienten verschafft. «Es war sehr eindrücklich dies zu sehen», so Rickli. Gleichzeitig ruft die Gesundheitsdirektorin dazu auf, die Kontaktpersonen nicht zu stark zu durchmischen. «Wir können nicht die ganze Verantwortung dem Spitalpersonal übertragen».