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Sie wurde jüdisch«Hexenjagd» auf Walliser Lehrerin

Eine Walliser Religion- und Ethiklehrerin will nach jüdischem Glauben leben. Die Folge: Ein Sturm der Entrüstung und eine fristlose Kündigung. Der Kanton hat eine Untersuchung angekündigt.

von
jbu
Bischof Norbert Brunner (rechts) entzog Edith Inderkummen die Lehrerlaubnis.

Bischof Norbert Brunner (rechts) entzog Edith Inderkummen die Lehrerlaubnis.

Die frühere Kantonsparlamentarierin und Gemeindepräsidentin von Erschmatt (VS), Edith Inderkummen, ist ausgebildete Religionspädagogin mit einem Abschluss der Universität Luzern. Bis in diesem Frühling unterrichtete sie an der Orientierungsschule Brig die Fächer Religion und Ethik im Teilzeitpensum. Doch dann beschloss die Katholikin, sich auf die «jüdischen Wurzeln des Christentums» zurückzubesinnen und aus der katholischen Kirche auszutreten.

Der Bischof von Sitten, Norbert Brunner, entzog ihr darauf gemäss dem Newsportal Infosperber die Lehrerlaubnis für den Religionsunterricht. Zudem legte ein Generalvikar dem Erziehungsdepartement und der Schuldirektion im Auftrag des Bischofs nahe, Inderkummen auch vom konfessionsneutralen Fach Ethik-Religionen-Gemeinschaft (ERG) freizustellen.

Disziplinarmassnahmen bei Auffälligkeiten

Auch Eltern reagierten erbost auf den Entscheid Inderkummens, jüdisch leben zu wollen, und reklamierten bei der Schuldirektion. Diese lud die Lehrerin zum Gespräch ein und eröffnete ihr, dass sie «ab sofort» nicht mehr konfessionellen Unterricht erteilen könne. ERG dürfe sie nur noch unter rigorosen Auflagen unterrichten. So müsse sie ihre Vorbereitungen dem Schulinspektor «1-2 Tage vorher» vorweisen, zudem wurden Unterrichtsbesuche angedroht.

Bei «Auffälligkeiten» werde dem Erziehungsdepartement «Bericht erstattet» und es würden «allfällige Disziplinarmassnahmen geprüft», hiess es. Die Schuldirektion legte ihr nahe, den Arbeitsort gleich zu verlassen «oder den Arzt für eine Krankschreibung zu konsultieren». Obwohl sie vom Fach ERG offiziell nicht freigestellt wurde, sind ihr im laufenden Schuljahr keine Lektionen mehr zugeteilt worden. Inderkummen wurde faktisch arbeitslos.

Untersuchung angekündigt

Die geschasste Lehrerin spricht von «erniedrigenden und demütigenden» Vorgängen. Sie verweist auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit und hat beim Staatsrat Beschwerde eingereicht. Diese ist noch hängig.

Erziehungsdirektor Oskar Freysinger kündigt im «Walliser Boten» eine Untersuchung an. Zwar sei es korrekt, dass die Frau vom Religionsunterricht freigestellt worden sei – diesbezüglich bestehe im Kanton Wallis eine spezielle Vereinbarung zwischen Bistum und Kanton, die nur gläubige Lehrpersonen Religion unterrichten lässt. Dass Inderkummen aber auch keine ERG-Lektionen mehr geben darf, sei nicht akzeptabel. «Tatsache ist, dass man eine Lehrperson eigentlich nur dann entlassen sollte, wenn professionelles Fehlverhalten vorliegt – einfach ohne Grund jemanden in die Wüste zu schicken, ist nicht korrekt», so Freysinger. Er verlange von der Gemeinde Brig klare Antworten zum Fall.

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