3 mit Sex: «Hey Schnitte, darf ich einparkieren?»
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3 mit Sex«Hey Schnitte, darf ich einparkieren?»

Ella hat genug von all den masturbationsmüden Mackern, die jetzt aus ihren Löchern gekrochen kommen. Haha, Löchern! Eben genau nicht.

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Ella
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Seit dem Lockdown melden sich bei Ella vermehrt alte Liebhaber mit billigen Anmachsprüchen. Sie nennt die Männer MMM: masturbationsmüde Macker.

Seit dem Lockdown melden sich bei Ella vermehrt alte Liebhaber mit billigen Anmachsprüchen. Sie nennt die Männer MMM: masturbationsmüde Macker.

Anna Deér
Ella
Ella

Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Anna Deér
Bruce
Bruce

Er ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Bruce wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Er datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.

Darum gehts

  • Seit dem Lockdown erhält Ella viele Nachrichten von ehemaligen Liebhabern
  • Die Ex-Lover machen sich mit billigen Anmachsprüchen an sie ran
  • Sie findet die Messages widerlich – und blockiert die Männer

Ich bin ja ein grosser Fan von Kultur. Damit meine ich nicht unbedingt Goethe und Oper, sondern die Tatsache, dass sich Menschen heute nicht mehr die Köpfe einschlagen, wenn zwei das Gleiche wollen (ich weiss, bei Parkplätzen und Frauen sehen das nicht alle so eng) und dass ein Minimalkonsens herrscht bezüglich Deo-Nutzung und Mundgeruchbeseitigung. Hart erarbeitete Kulturgüter, für die unsere Urahnen grosse Opfer bringen mussten, ladies and gentlemen.

Im Lockdown aber von Kultur keine Spur. Die Manieren wegdesinfiziert, Höflichkeiten unter dem Mundschutz erstickt. Zumindest bei einigen. Männern. Meine Freundin Juno und ich nennen sie MMM: masturbationsmüde Macker.

Das Spezielle an MMMs ist, dass offenbar fast jeder Mann zu einem werden kann. Man gebe ihm einen Liter Langeweile, ein halbes Kilo Hormone, eine Tonne Selbstüberschätzung und ein Smartphone – simsalabim, schon werden Normalos zu MMMs. Da wäre zum Beispiel Tobi. Mit Tobi hatte ich vor einem oder zwei Jahren etwas, wir verstanden uns so halb, aber sein Body war heiss, darum dauerte alles länger, als schlau war. Irgendwann hab ichs beendet, freundlich und bestimmt. 71 Anrufe in Abwesenheit später hat Tobi es kapiert. Bis jetzt. «Hey Schnitte, bist du belegt oder kann ich mal wieder einparkieren?», lese ich auf dem Display. Juno und ich amüsieren uns sehr und prosten uns über Zoom zu. Antwort kriegt er keine.

Die Sex-WG

Drei mit Sex


Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gerne durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

«Sahnepralinchen, wieder mal eine Füllung?»

Noch am selben Tag plingt Junos Handy, ein Ex-Lover schreibt sie auf Insta an: «Wow, siehst du zerknittert aus! Soll ich mal über dich drüberbügeln?» Juno verdreht die Augen, not very amused. Pablo macht gar nicht erst auf lustig. Er schickt mir ein Dickpic und schreibt: «Du und ich, Ella, wir wissen ja schon, was wir aneinander haben.» Ralph, auch er ein altes Techtelmechtel, schiebt nach: «Sahnepralinchen, wieder mal eine Füllung?» Sahnepralinchen gönnt sich einen tiefen Schluck Moscow Mule. Diese Drinks unter der Woche müssen aufhören, schwöre ich mir. Genauso wie Tobi, Pablo, Ralph und all die anderen Typen, die denken, nur weil der Datingmarkt coronös ausgetrocknet ist, seien Juno und ich derart notgeil, dass uns allein bei ihren Sprüchen der Sabber runterläuft.

Die MMMs haben genug von Handjobs und Pornos, genug davon, auf Tinder auf später vertröstet zu werden, genug davon, keine Drinks mehr ausgeben zu können im El Paso. Sie können es kaum erwarten, den «Chicks» ihre in der Isolation antrainierten Mukis zu zeigen und ihnen die Welt zu erklären. Sorry, but gaht’s no?

Ich lange unter mein Bett, in die Kiste mit den Spielzeugen

Ich finde alles widerlich und blockiere die ganze Mannschaft. Es kommt selten vor, aber jetzt grad habe ich keine Lust auf irgendeinen Typ in meinem Leben. Ich lange unter mein Bett, in die Kiste mit meinen Spielzeugen. Das Weisse ist für besondere Trostmomente. Ich will es mir nicht allzu oft gönnen, weil es so perfekt geformt ist, dass jeder Penis einpacken kann. Dabei wünsche ich mir ganz fest einen Penis samt Träger, der so wunderbar in mein Leben passt, dass mein Herz klingelt und meine Hände schwitzen. Jetzt aber das Weisse. Es vibriert auf meiner Klitoris, es surrt und klopft und ich denke nicht an MMMs, nicht an Penisse, nicht an Corona, ich schnurre und seufze und schmelze. Alles wird gut.

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