«Brunnen gehn»: Hier «bädele» zmitzt im Winter Leute im Brunnen

Aktualisiert

«Brunnen gehn»Hier «bädele» zmitzt im Winter Leute im Brunnen

Am Mittwochabend planschten in Riehen BS bei Regen und vier Grad Aussentemperatur Menschen im Dorfbrunnen.Verantwortlich dafür ist «pro fontaines chaudes». Was steckt hinter dem Verband?

von
mhu

Die beiden Brunnenheizer Noemi und Quirin erzählen im Video von ihrem aussegewöhnlichen Beruf und davon, was hinter dem Brunnen gehn steckt. (Video: 20min/mhu)

Es ist der 11. Dezember. Es regnet. Das Temperaturthermometer misst höchstens vier Grad – und im Brunnen im Riehener Dorf BS sieht man schon von weitem ein paar Menschen munter vor sich hinplanschen. Einige Leute bleiben neugierig stehen: «Brunnen gehn» steht auf einem Plakat, das dort hängt.

Das «Brunnen gehn» ist eine Art «Badekultur» und ein «Ritual», wie die Veranstalter von «pro fontaines chaudes», dem Schweizer Verband für Brunnenheizen, das Ganze nennen. «Wichtig ist uns, dass Menschen dieses Ritual erleben und beleben», sagt die 25-jährige Noemi, die am Mittwochabend vor Ort und «Brunnenheizerin» ist.

Wie man das Projekt wahrnimmt, sei es als Kunst, Entspannungsort oder anderes, ist jedem selbst überlassen. Was jedoch jeder sieht, ist der selbstgebastelte Holzofen, der seit dem Jahr 2017 bereits vor verschiedenen Brunnen der Schweiz aufgebaut war und für 39 Grad heisses Wasser sorgt.

Wie wird für das warme Nass in den Brunnen gesorgt?

Eine Pumpe führt das Wasser vom Brunnen zum Ofen und wieder zurück; angetrieben wird sie mechanisch über ein Velo. Die Brunnenheizer sind, bis alles aufgebaut ist und das Wasser die ideale Temperatur hat, bis zu 16 Stunden vor Ort, sagt Quirin, der sich zu ihnen zählt.

Rund acht bis neun Leute pro Brunnen seien dadurch beschäftigt, so der 27-Jährige. Zusätzlich würden diese Saison 12 weiter Brunnenheizer ausgebildet. Zur Zeit sei der Verband noch dabei den Beruf eidgenössisch zertifizieren zu lassen und damit eine eigene Lehre anbieten zu können, steht auf der eigenen Website. «Wenn Du aber möchtest, können wir Dir – in einer der Schweizer Sektionen – gerne eine Schnupperlehre anbieten. Melde Dich dafür per E-Mail oder empfehle es weiter», heisst es weiter.

«Ich bin extra aus Bern angereist, um hier baden zu können»

Wie ernst das mit der Ausbildung zu nehmen ist, ist jedem selbst überlassen. Aber abgesehen davon, scheint sich der hohe Aufwand der Brunnenheizer zu lohnen: Denn meisten Besuchenden gefällt die Heiz-Aktion. «Ich bin extra aus Bern angereist, um hier baden zu gehen», sagt zum Beispiel der Brunnen-Geher Peter Köbi. Eine andere Besuchende meint: «Es ist fast wie in einem Hot Tub, nur etwas spezieller, so mitten in der Stadt oder eben im Dorf, mit dem ganzen Verkehr drumherum.»

Wird bald der Trevi Brunnen aufgeheizt?

Da der Verband «pro fontaines chaudes» auf Unterstützung von Gönnern angewiesen ist, läuft noch bis Sonntagabend ein Crowdfunding – damit in der Saison 2019/20 erneut Brunnen im Winter zu Badeorten verwandelt werden können.

Für (grosszügige) Spender würden als Dankeschön Belohnungen wie ein «gRuss» vom Ofen, ein Fittness-Probeabo oder bei einer Spende von einer viertel Million gar ein Bad im Trevi Brunnen in Rom winken, ist augenzwinkernd auf der Website zu lesen.

1 / 5
Der Verband «pro fontaines chaudes» sorgt dafür, dass auch im Winter in Schweizer Brunnen gebadet werden kann.

Der Verband «pro fontaines chaudes» sorgt dafür, dass auch im Winter in Schweizer Brunnen gebadet werden kann.

©Dominik Dober, Hotel Regina
Um das Brunnenwasser zu wärmen, führt eine Pumpe das Wasser vom Brunnen zum Ofen und wieder zurück; angetrieben wird sie mechanisch über ein Velo. Die Brunnenheizer sind, bis alles aufgebaut ist und das Wasser die ideale Temperatur hat, bis zu 16 Stunden vor Ort, sagt Quirin (27), der sich zu ihnen zählt.

Um das Brunnenwasser zu wärmen, führt eine Pumpe das Wasser vom Brunnen zum Ofen und wieder zurück; angetrieben wird sie mechanisch über ein Velo. Die Brunnenheizer sind, bis alles aufgebaut ist und das Wasser die ideale Temperatur hat, bis zu 16 Stunden vor Ort, sagt Quirin (27), der sich zu ihnen zählt.

©Dominik Dober, Hotel Regina
Der Verband ist auf die Unterstützung von Gönnern angewiesen.

Der Verband ist auf die Unterstützung von Gönnern angewiesen.

©Dominik Dober, Hotel Regina

Deine Meinung