Wüsten-Uni: Hier bauen Studenten ihre Unterkünfte selbst
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Wüsten-UniHier bauen Studenten ihre Unterkünfte selbst

Die Taliesin-Schule in der Sonora-Wüste in Arizona ist ein Spielplatz für angehende Architekten.

von
Daniela Gschweng
Willkommen in der Wüste von Arizona. Hier gibt es endlose Weiten, viel Sonne und einige Kakteen.

Willkommen in der Wüste von Arizona. Hier gibt es endlose Weiten, viel Sonne und einige Kakteen.

Deb Nystrom / CC BY 2.0
Ebenfalls in dieser Wüste befindet sich das Haus des 1959 verstorbenen Stararchitekten Frank Lloyd Wright, der das Guggenheim Museum in New York entworfen hat.

Ebenfalls in dieser Wüste befindet sich das Haus des 1959 verstorbenen Stararchitekten Frank Lloyd Wright, der das Guggenheim Museum in New York entworfen hat.

IIP Photo Archive / CC BY-SA 2.0
Sein Arzt empfahl ihm, den Winter im warmen und trockenen Arizona zu verbringen. Bis das Haus fertig war, lebte Frank Lloyd Wright teilweise in Zelten und improvisierten Unterkünften.

Sein Arzt empfahl ihm, den Winter im warmen und trockenen Arizona zu verbringen. Bis das Haus fertig war, lebte Frank Lloyd Wright teilweise in Zelten und improvisierten Unterkünften.

Greg O'Beirne / CC BY-SA 3.0

In der Architekturschule Taliesin herrscht tagsüber derselbe Betrieb wie an jeder anderen Hochschule. Die Studenten haben Unterricht, tüfteln an Projekten und essen in der Mensa. Sobald es Nacht wird, ändert sich das. Dann ziehen die Studenten in die Wüste zu ihren Unterkünften, vorbei an Felsen, Kakteen und Wüstengras. Manche sagen, dass sie dazu nicht einmal eine Taschenlampe brauchen.

Idee von Frank Lloyd Wright

Einige ihrer Unterkünfte sind nur Plattformen oder kleine Hütten, andere kleine Häuser. Manche Studenten schlafen unter Zeltplanen, andere in bizarren Gebilden. Die Häuser, in denen sie übernachten, haben sie selbst gebaut.

Die Idee geht zurück auf den Stararchitekten Frank Lloyd Wright, der unter anderem das Guggenheim-Museum in New York entworfen hat. Sein Arzt empfahl ihm, den Winter im warmen, trockenen Klima der Wüste zu verbringen. Er kaufte einige Hektar Wüstenland in Arizona und wohnte mit seinen Schülern in Zelten, bis das Hauptgebäude fertiggestellt war.

Schüler sollen eigene Häuser bauen

Für Wright, der eine «organische Architektur» vertrat, eine Erfahrung, die er danach nicht missen wollte. Er ermutigte seine Studenten weiterhin, das «Wüstenleben» auszuprobieren und daraus Inspiration für ihre Projekte zu ziehen. Nach seinem Tod übernahm eine Stiftung die Schule. Auf dem Campus gibt es eine begrenzte Anzahl Unterkünfte, Schliessfächer und einen Waschraum. Die Studenten werden jedoch angehalten, ihre eigene Unterkunft zu bauen oder eine bestehende zu verbessern.

Damit tun sie, wozu kaum ein Architekt während seiner Ausbildung Gelegenheit hat: Sie bauen selbst ein Haus. Die Taliesin-Schule ist ein Spielplatz für angehende Architekten. Die Studenten erfahren am eigenen Leib, wo ihre Entwürfe Schwächen haben und was es bedeutet, ein Haus selbst zu bauen. Keine einfache Aufgabe, wenn alle Materialien zunächst in die Wüste geschleppt werden müssen, wo es weder Wasser noch Strom gibt. Nach der Philosophie Wrights soll sich ein Gebäude zudem möglichst harmonisch in die Landschaft einfügen und weitestgehend aus lokalen Materialien gebaut sein.

Bauen in der Wüste: Eine Herausforderung

Eine Herausforderung für die angehenden Architekten ist das harsche Wüstenklima. Während des Sommers, den die Studenten wie früher Gründer Wright in Wisconsin verbringen, kann es bis zu 50 Grad heiss werden. Materialien werden in der Hitze spröde. Was nicht stabil genug ist, wird weggeweht. Und da wären noch die Wüstentiere, zu denen auch Skorpione und Klapperschlangen gehören.

Neben der Natur Arizonas gehört auch das zum Lernprozess. «Ich glaube nicht, dass jemand mehrere Jahre hier leben kann und danach einen toten Raum entwirft oder langweilige Architektur plant», sagt eine Lehrkraft.

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