Aktualisiert 06.08.2012 06:38

Tierfreundliche HotelsHier bleibt der Hund nicht draussen

Viele Haustierbesitzer wollen ihren Vierbeiner in die Ferien mitnehmen. Die Hoteliers reagieren darauf. Doch Experten warnen davor, Hunde zu Königen zu machen.

von
E. Rizzi
Der Hund soll sich auch im Hotel wohlfühlen.

Der Hund soll sich auch im Hotel wohlfühlen.

Haustiere werden immer mehr zu Lebensgefährten. Folgerichtig werden die Vierbeiner mit Delikatessen gefüttert und fahren mit den Zweibeinern gemeinsam in die Ferien, wo sie im Luxushotel ihre eigene Menukarte erhalten oder einen speziellen Spa-Pool planschen dürfen.

Auf diesen Trend reagiert Schweiz Tourismus. In seinem «Inspiration Concept» schreibt der Verband, die demographische Entwicklung verschiebe sich zu weniger Kinder dafür Haustiere. Die Nachfrage nach tierfreundlichen Angeboten werde steigen.

Darf die Dogge mit aufs Zimmer?

«Deshalb möchten wir künftig interessierte Schweizer Gäste dabei unterstützen, geeignete Hotels für sie und ihre treuen Begleiter schnell zu identifizieren», erklärt Schweiz-Tourismus-Sprecherin Véronique Kanel. Ab 2013 werden die gut 600 Mitgliederhotels von Schweiz Tourismus darum nicht mehr bloss auf Lift, Swimmingpool oder Minibar verweisen, sondern auch darauf, ob Vierbeiner bei ihnen willkommen sind.

Der Hund in der Teetasse

Bisher gibt es für Tierhalter keinen umfassenden Katalog Sie müssen sich auf diversen Portalen im Internet selbst zusammen suchen, ob ihr Tier in die Ferien mitdarf; etwa auf der Coop-Website «Mit Hund, Katz' & Co. in die Ferien».

Cisco: Der schönste Bürohund der Schweiz

Hundebesitzer speisen unter Gleichgesinnten

Bei Hoteliers stösst das Vorhaben von Schweiz Tourismus auf Anklang. «Wir werden uns sicher bewerben. Denn anscheinend haben Tierhalter heute Probleme, geeignete Ferienangebote zu finden» sagt Yvonne Blatter vom Hotel Alpenland in Lauenen.

Wie schwierig ist eigentlich Agility

Bei ihr reisen rund fünf Prozent der Gäste mit Fellbegleitung an. In der Hochsaison ist aber auch mal gut ein Viertel aller Zimmer mit Vierbeinern besetzt. Im Alpenland sind alle Zimmer mit Laminat ausgestattet. Und schmutzigen Vierbeinern steht eine Hundedusche zur Verfügung. Auf Wunsch versorgt das Hotel die Tiere mit Fressnapf, Frotteetuch, Futter etc. und bietet auch Hundesitting an. Zudem speisen die Hundebesitzer mit ihren Gefährten in einem getrennten Raum.

Auch Dennis Turner,Privatdozent der Vetsuisse-Fakultät an der Uni Zürich, freut sich: «Das neue Label bringt Klarheit.» Von übersteigerter Fürsorge will er nicht reden. «Sich um das physische und psychische Wohl der Vierbeiner zu kümmern, nenne ich nicht Vermenschlichung. Das sind Dienstleistungen, die diverse Hundehalter gern in Anspruch nehmen», so der Tierpsychologe. Er hofft darauf, dass die Entwicklung zu mehr Respekt für die natürlichen Bedürfnisse des Hundes und zu verantwortungsbewusster Hundehaltung führt.

Erziehung auch für Tiere wichtig

Hier setzt Evelyn Streiff jedoch Fragezeichen. Die Inhaberin von Triple-S führt ein Hunde-Ausbildungszentrum mit Berggasthaus und Tierpension in Eptingen. «Es ist nicht gut, wenn der Hund der König ist. Denn nicht jeder Hund erträgt andere Hunde um sich herum», sagt die Hundeexpertin. Kleine Tiere und bestimmte Rassen könnten sich regelrecht gestresst fühlen, wenn ein anderer Hund im Hotel sein Revier verteidigt.

Für Streiff ist deshalb klar: «Hunde im Restaurant frei herum laufen zu lassen ist nicht nur für Nichthundebesitzer störend, sondern auch für die Tiere selbst». Im Berggasthaus Oberbölchen müssen die Vierbeiner darum artig unter dem Tisch warten, bis ihr Herrchen fertig gespeist hat und sich auch sonst unauffällig verhalten. «Schliesslich hat auch ein Hund ein Recht auf Erziehung». Das Zusammenleben Mensch und Hund klar zu strukturieren gebe dem Hund die Sicherheit zu wissen, was er darf und was nicht, so die Hôtelière.

Ausserdem genüge Tierliebe allein nicht, um als hundefreundliches Hotel zu bestehen. Die Räumlichkeiten müssten hygienisch in Stand gehalten werden können. Abwaschbare Böden und glatte Oberflächen, wo sich keine Tierhaare verfangen können, seien zwingend. «Schliesslich muss sich auch ein Nichthundebesitzer im Haus wohlfühlen», so Streiff. Obwohl ihr Haus auf Tiere ausgerichtet ist, sind gut ein Viertel der Gäste zweibeinige Wanderer ohne Begleitung.

Teure Tiere

In der Schweiz besitzen 25 Prozent der Haushalte eine Katze, 12 Prozent einen Hund. Das heisst: in unserem Land leben rund 1,5 Millionen Stubentiger und eine halbe Million Für dieVierbeiner wird viel Geld investiert. Gut 295 Millionen Franken (ohne Tierarztkosten) geben Tierhalter jährlich für die Stubentiger aus, 115 Millionen für die Hunde – Tendenz steigend. 2011 wurde Hunde- und Katzenfutter für 315 Millionen Franken gekauft.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.